Aachen - Den letzten Tannenbaum beißen die Ziegen

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Den letzten Tannenbaum beißen die Ziegen

Von: Carolin Cremer-Kruff
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O Tannenbaum: Klaus Limburg ist am Verkaufsstand im Frankenberger Viertel fündig geworden. Foto: Andreas Steindl
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Familie Rennen mit Weihnachtsbaumverkäufer Dirk Buchholz vor dem Objekt der Begierde. Foto: Andreas Steindl
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Dirk Wirtz mit einem von rund 350 Bäumen, die er an seinem Stand nahe der Josefskirche anbietet. Foto: Andreas Steindl
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„Und Action!“: Julian Pfeil am Weihnachtsbaum-Netzgerät

Aachen. Eine Thermoskanne mit heißem Tee war in den vergangenen zweieinhalb Wochen Jürgen Buchholz wichtigster Begleiter. Er betreibt einen kleinen Weihnachtsbaumverkaufsstand in Burtscheid – von morgens bis abends an der frischen Luft. Da hilft ein wärmendes Getränk durch die ein oder andere nasskalte Stunde. Die letzten Tage vor Weihnachten lief das Geschäft eher schleppend.

„Bei dem Nieselregen kein Wunder, da geht ja keiner vor die Tür“, sagt Buchholz und blickt in den Öcher Regenhimmel. Ansonsten ist er zufrieden. „Das Burtscheider Klientel ist toll und für einen kleinen Plausch ist immer Zeit.“

Rund 600 Nordmanntannen aus dem Sauerland hat Buchholz seit Nikolaus durch das Tannenbaumnetztgerät gezogen. Große, kleine, dichte und grazile Exemplare. Nordmanntannen, so verrät er, haben sich zum Modebaum gemausert. Die pflegeleichten Gewächse schmücken mittlerweile über 90 Prozent der deutschen Haushalte zum Fest der Liebe. „Diese Tannen haben einen entscheidenden Vorteil: Sie fangen sehr spät an zu nadeln und die Nadeln pieksen im Gegensatz zur Fichte nicht. Leider ist sie sehr geruchsneutral.“

Kinder wollen mitbestimmen

Alles andere ist Geschmackssache und – nicht ganz unwichtig – eine Frage der Wohnzimmerdeckenhöhe. „Ältere Menschen entscheiden sich häufig für einen kleinen Weihnachtsbaum oder schlichtweg für einen Tannenzweig, da diese leichter zu transportieren sind.“ Bei Familien hat Buchholz eine andere Beobachtung gemacht. „Oft ist es so, dass sich die Eltern bereits einen Weihnachtsbaum ausgesucht haben, die Kinder dann aber entrüstet sagen, dass dieser doch viel zu klein sei“, schmunzelt Buchholz. Bei Familie Rennen wird allerdings demokratisch abgestimmt, innerhalb weniger Minuten ist die Entscheidung für ein mittelgroßes Exemplar von Buchholz Stand gefallen. Bei ihnen war nicht die Größe das vordergründige Kriterium: „Der Baum soll gerade sein, dicht und ins Wohnzimmer passen. Außerdem müssen wir ihn zu Fuß zu unserer Wohnung transportieren können“, erklärt Mutter Ellen. In diesem Jahr haben sie es noch einmal geschafft, als ganze Familie den Weihnachtsbaum zu kaufen. Für den zehnjährigen Jonas und die siebenjährige Ida ist der Baumkauf ein richtig aufregendes Abenteuer.

Buchholz und sein Schwiegersohn betreiben den Stand in ihrer Freizeit. „Qualität steht für uns an oberster Stelle, das können Billiganbieter nicht leisten.“ Tannen von der Stange und in Einheitsgröße – das ist nichts für ihn. Und was passiert mit seinen „Ladenhütern“? „Diese werden nach dem letzten Verkaufstag auf meinem Hof an Schafe und Ziegen verfüttert, im vergangenen Jahr haben wir den letzten Baum allerdings an eine ältere Dame verschenkt.“

Auch Julian Pfeil weiß, worauf es beim Weihnachtsbaumverkauf ankommt. Seit drei Jahren arbeitet der Student am Jahresende an einem Verkaufsstand im Frankenberger Viertel, den es schon seit 30 Jahren gibt. Souverän führt er durch das Sortiment: Rotfichten, Edeltannen, Nordmanntannen und die Königin der Christbäume – die sogenannte Nobilistanne. „Unsere Bäume kommen alle frisch geschlagen aus der Eifel und sind gewissermaßen Öko“, so Pfeil. Bio beim Baum – ein Trend, der ankommt. Kurz vor Weihnachten zieht der Verkauf bei Julian Pfeil noch einmal an. Manche schlagen da auch mit sehr außergewöhnlichen Wünschen auf: „Eine Tanne mit drei Spitzen, bitte!“, hieß es da. Da kommt manchmal sogar der beste Weihnachtsbaumverkäufer an seine Grenzen.

Auch Pfeil hält nichts von Massenlieferungen aus Dänemark und Polen. Solche Bäume werden in der Regel zwei Wochen gelagert, und nadeln dementsprechend früher. Mehrere Hundert Tannen hat der junge Mann mit seinem Kollegen Pascal Helwig seit dem 6. Dezember an den Mann und an die Frau gebracht. Für‘s Geschäft ist das gut, trotzdem wird er etwas wehmütig: „Am ersten Tag steht der ganze Platz voller Bäume. Das ist wie im Märchenwald.“ Nun gilt es, für die übriggebliebenen Exemplare noch einen Besitzer zu finden. Klaus Limburg ist so einer. Einen Tag vor Heiligabend ist er auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum für das nahegelegene Studentenwohnheim in der Oppenhoffallee. Und wird fündig: eine 2,30 Meter große Nordmanntanne für 45 Euro. „Jetzt muss nur noch geschmückt werden“, zeigt er sich sichtlich zufrieden mit seiner Ausbeute.

Last-Minute-Malheur

Viele Kunden, erzählt Pfeil, holen ihren Weihnachtsbaum nicht auf den letzten Drücker. Eine Geschichte aus dem vergangenen Jahr sei da die Ausnahme. Plötzlich stand ein verzweifelter Mann vor ihm, der auf der Suche nach einem „echten“ Weihnachtsbaum war. Ihm war ein Last-Minute-Malheur passiert: Der Klebstoff seines Kunststoffweihnachtsbaums hatte sich im feuchten Keller gelöst, sodass dieser doch eigentlich so nadelsichere Baum doch nadelte – und das einen Tag vor Heiligabend. „Er war so genervt, dass er dann doch auf einen echten Tannenbaum umschwenkte“, lacht Pfeil.

Solche Geschichten kann auch Dirk Wirtz erzählen, der im Schatten der Josefskirche Jahr für Jahr sein Glück probiert. Seit 15 Jahren bietet er hier Weihnachtsbäume an. Dafür nimmt sich der Kfz-Mechatroniker extra Urlaub. Missen möchte er die kurzweiligen Ausflüge ins Weihnachtsgeschäft nicht, auch wenn in diesem Jahr weniger Kunden seinen Stand besuchten. Vor allem über das Kaufverhalten von Männern und Frauen hat er hier viel gelernt: „Männer achten beim Weihnachtsbaumkauf aufs Portemonnaie, Frauen aufs Aussehen,“ schmunzelt er.

Ein Foto per Handy an die Liebste

Wobei die Frauen regelmäßig das letzte Wort haben. „Viele Männer schicken vor dem Kauf vorsichtshalber ein Foto per Handy an die Liebste. Denn keiner hat Lust, anschließend zu Hause Stress zu bekommen.“ Wirtz weiß meist schon vorher, welcher Baum der Göttergattin zu Hause am besten gefallen wird – denn typische „Frauenbäume“ gibt es durchaus. An seinem letzten Verkaufstag – am heutigen Heiligabend – stehen nur noch wenige Bäume zur Auswahl. „Dann gibt es auch ein bisschen Rabatt“, verrät Wirtz. Er selbst hat sich selbstverständlich bereits ein Top-Exemplar gesichert. „Eine 2,40 Meter hohe, gutaussehende Nordmanntanne.“ Ausgesucht hat sie – na klar! – seine Frau. Da unterscheidet sich Wirtz keinen Deut von seinen Kunden.

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