Aachen - Demnächst gibt es Parktickets aus dem Panzerschrank

Demnächst gibt es Parktickets aus dem Panzerschrank

Von: re
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Geknackt und abtransportiert: Der Automat an der Ecke Pottenmühlenweg/Im Johannistal verschwand bereits vor Monaten. Foto: Esser

Aachen. Mit Topfbohrer und Staubsauger rücken Kriminelle immer wieder Parkscheinautomaten zu Leibe – und plündern die Münzbehälter. Deswegen investiert Aachen jetzt rund 500.000 Euro in neue Automaten. Denn die Raubserien verschlingen nicht nur Parkeinnahmen, sondern aufgrund der erheblichen Beschädigungen vor allem Reparaturkosten.

Zuweilen ist ein Automat derart zerstört, dass er gar nicht mehr instand gesetzt werden kann. Weswegen etwa an der Ecke Pottenmühlenweg/Im Johannistal nur noch ein Stumpf aus dem Boden ragt. Der Parkscheinautomat fehlt seit Monaten – geknackt und abtransportiert. 23 Aufbrüche zählte die Stadt laut Presseamt im Jahr 2015, 2006 waren es sogar 72. Im laufenden Jahr wurden bislang drei Parkscheinautomaten ausgeräumt. Insgesamt schlucken auf Aachener Stadtgebiet – wenn alle in Betrieb sind – genau 305 Automaten Parkgebühren. Bis zum 2. Mai, wenn das Bewohnerparken im Frankenberger Viertel in Kraft tritt, kommen weitere 76 der neuen Generation hinzu. Im laufenden Jahr sollen zudem 115 Altautomaten gegen neuere Modelle ausgetauscht werden.

Wechsel kostet 5000 Euro

„Die Stadt Köln hatte ähnliche Probleme wie wir mit reihenweise geknackten Parkscheinautomaten“, erklärt Axel Costard vom Presseamt. „Genauso wie Köln setzen wir jetzt auf Parkscheinautomaten der höchsten Sicherheitsstufe, die vom Verein für Sicherheitstechnik auf Herz und Nieren geprüft wurden.“ Bislang sei kein einziger dieser Automaten erfolgreich geknackt worden, heißt es – Parktickets aus dem Panzerschrank quasi. Knapp 5000 Euro kostet der Wechsel pro Standort. Die neue Technik erlaubt übrigens auch eine direkte Datenübertragung vom Automaten zur städtischen Zentrale. Dadurch könnten – wie in Köln bereits Praxis – defekte Automaten schneller identifiziert und repariert werden.

Allerdings berichten andere Kommunen von einem Verdrängungsprozess. Wo die neuen einbruchssicheren Automaten installiert werden, suchen die Kriminellen das Weite – und brechen anderswo ältere Automaten auf. Dies dürfte dann zunächst abseits der Innenstadt oder in Nachbarkommunen zum Problem werden. Am sichersten ist natürlich die bargeldlose Methode. Doch das SMS-Parken – nur möglich im inneren Altstadtbereich – macht bislang kaum fünf Prozent der Gesamtumsätze aus. Dennoch hat der Stadtrat beschlossen, dieses Modell auf das gesamte Stadtgebiet auszudehnen. Derzeit werde an der technischen Umsetzung mit – möglicherweise – neuen Anbietern der Bezahl- und Computertechnik gearbeitet, erläutert Costard.

Die Parkraumbewirtschaftung bleibt für die Kommunen nämlich trotz aktuell hoher Investitionen lukrativ. 2014 steckten Aachener und Gäste vier Millionen Euro in die Parkscheinautomaten. Das waren 300.000 Euro mehr als im Vorjahr. 2015 kletterten die Einnahmen sogar erstmals knapp über die Vier-Millionen-Marke. Die Gesamteinnahmen der sogenannten „Parkraumbewirtschaftung“ summieren sich durch Automaten und Knöllchen auf knapp acht Millionen Euro – plus Einnahmen aus den städtischen Apag-Parkhäusern. Wie hoch diese sind, konnte die Apag am Donnerstag im Laufe des gesamten Tages nicht übermitteln. An deren Automaten blieben Kriminelle jedenfalls mit Topfbohrer und Staubsauger chancenlos.

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