Aachen - Demenz-Netz stellt sich der Herausforderung

Demenz-Netz stellt sich der Herausforderung

Von: Nicolas Gaspers
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Diskutierten im Forum Demenz (
Diskutierten im Forum Demenz (von links): Dr. Wilfried Duisberg, Lotta Hülsmeier, Hasan Alagün, Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich, Jörg Limbock, Günter Schabram und Dr. Andreas Theilig. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Noch immer gibt es für Demenz kein Heilmittel. Besonders für zu Hause pflegende Angehörige ist mit der Diagnose oft eine lange Belastungsprobe verbunden. Hilfsangebote gibt es derweil einige.

Doch wer weiß bei dem oft untransparenten Gesundheitssystem noch, wann, wo und vor allem was es da wirklich gibt? Habe ich ein Anrecht auf einen Pflegedienst? Wie beantrage ich Pflegestufen und was bedeutet eigentlich das Fachchinesisch auf den Antragsformularen?

Das Demenz-Netz Aachen ist eine Initiative, die sich nun zur Aufgabe gemacht hat, mit dem Informationswirrwarr aufzuräumen. Auch die Verbesserung von Pflegesituationen und die interne Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen steht hier auf dem Programm. Häufig liegt nämlich schon in der Zusammenarbeit der Hund begraben. Der Hausarzt ist im Normalfall die Person, die Demenz als erstes diagnostizieren müsste.

Eine Weitervermittlung an Fachärzte, eventuell Pflegedienste oder Krankenhäuser wäre der nächste Schritt. Der bleibt aber häufig aus. Die Folge: Besonders allein lebende Menschen werden mit ihrer leichten Vergesslichkeit danach nicht richtig diagnostiziert.

Schließlich gehört Vergesslichkeit zum alt werden dazu, warum sollte man also freiwillig zum Arzt gehen? Im fortgeschrittenen Stadium sei es dann meistens schon zu spät für die Betroffenen, die ihre Situation dann selbst schon nicht mehr einschätzen könnten.

„Es muss uns darum gehen, das Leben mit Demenz so komfortabel und lebenswert wie möglich zu gestalten”, erklärt Dr. Andreas Theilig, Chefarzt des Alexianerkrankenhauses und Mitbegründer des Demenz-Netzes. „Das gilt vor allem auch für die Angehörigen, für die die Krankheit ihres Verwandten bei aller Fürsorge eine große Belastung ist”.

Und die Zahl der Demenzerkrankten steigt unaufhörlich. Eine aktuelle Studie des Berliner Institut hat ergeben, dass heute über 8000 Menschen an Demenz erkrankt sind. Prognosen haben ergeben, dass die Zahl bis 2025 auf über 11500 Betroffene ansteigen wird. So muss es auch noch gesunden Menschen ein großes Anliegen sein, die Pflegesituation für Demenzkranke zu verbessern.

Das Demenz-Netz Aachen nimmt sich dieser Herausforderung bereits seit 2008 an. Es ist ein Auftrag des Landes, den das Pilotprojekt bekommt, sich gezielt um die Schwachstellen zu kümmern. Diese gilt es jedoch erst einmal zu finden. Das sei die eigentliche Schwierigkeit.

Bevor es für den Ausschuss jedoch an die Beratung der Lösungsvorschläge geht, werden genau diese Schwierigkeiten in öffentlichen Sitzungen diskutiert. Die erste dieser Sitzungen im aktuellen Projektabschnitt bis 2013 hat erst jüngst stattgefunden. Jeder, der sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, in einem großen Diskurs einen Konsens zu schaffen, der möglichst nahe den Lebensalltag der Menschen trifft. Gastvorträge schaffen die nötigen Rahmeninformationen.

Die nächste Diskussion findet am 27. Juli um 15 Uhr im Haus der Städteregion an der Zollernstraße statt. Jeder, der sich für die Verbesserung der Pflegesituationen Demenzerkrankter und ihrer Angehörigen engagieren möchte, ist hierzu herzlich eingeladen. Je mehr Menschen aus ihrem Alltag berichten können, wo die Probleme liegen, umso besser wird die Lösung ausfallen können.

Dem Land werden die Lösungsvorschläge im Anschluss an die Beratungen vorgetragen, um auch auf politischer Ebene die nötigen Hebel in Bewegung setzen zu können.
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