Aachen - „Demenz in unserer Stadt“: Umgang mit schwerer Krankheit

„Demenz in unserer Stadt“: Umgang mit schwerer Krankheit

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Eine Frau geht zum Friseur, sieht sich im Spiegel und denkt, dass ihr der Salonbetreiber die Haare grau gefärbt hat. Sie schimpft ungehalten los. Ein Stammkunde erscheint in Jackett und Pyjamahose.

An Demenz erkrankte Menschen sind in der Gesellschaft gegenwärtig. Sie gehen nicht nur zum Arzt, sie gehen auch einkaufen oder eben zum Friseur. Doch ihr Verhalten entspricht nicht immer den gesellschaftlich anerkannten Regeln. Wie soll man auf diese Menschen zugehen? Wie geht man mit dem Thema um? Darauf haben angehende Friseure der Käthe-Kollwitz-Schule nun eine bessere Antwort: Im Rahmen des Projekts „Demenz in unserer Stadt“ der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) der Alzheimer Gesellschaft Städteregion Aachen wurden sie im Umgang mit demenziell veränderten Menschen geschult.

Fast jede der jungen Frauen in der Friseurklasse hat schon mal eine Kundin oder einen Kunden mit Demenz im Laden gehabt. „Jetzt haben wir verschiedene Lösungen besprochen, wie man mit ihnen umgehen kann, ohne sie bloßzustellen“, fühlt sich Anne Polster deutlich sicherer. „Davon werde ich auf jeden Fall auch meinem Chef berichten.“ Manchmal reicht eine ruhige Ecke, manchmal sollte vielleicht der Spiegel verhängt werden, auch das Waschen der Haare über Kopf statt zurückgelehnt kann für mehr Sicherheit sorgen. Cindy Plum fand einen weiteren Aspekt der Schulung hilfreich: „Es ist gut zu wissen, dass wir auch anderen Kunden gegenüber offen mit dem Thema umgehen sollen, um für Verständnis zu werben.“

Die PSAG – dort vertreten sind das Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel, die integrierte Psychiatrieseelsorge des Bistums Aachen sowie das Fortbildungsunternehmen „FORT.e“, das sich auf das Thema Demenz spezialisiert hat – will mit dem Projekt „Demenz in unserer Stadt“ vor allem Gruppen erreichen, die zwar nicht direkt von Demenz betroffen sind, sehr wohl aber auf Demenzerkrankte treffen. Dazu gehören vor allem Rettungskräfte von Feuerwehr und Polizei, aber auch Gemeindereferenten, die Aachener Klinikhilfe oder Ehrenamtliche in Kirchengemeinden oder Altentagesstätten. Und eben die Berufsgruppen, die im Kundenkontakt stehen. „Wir sind in Aachen in Sachen Demenz schon sehr weit, aber in diesem Bereich gibt es noch einen weißen Fleck“, sagte Caroline Braun von der Integrierten Psychiatrieseelsorge.

9000 Erkrankte in Aachen

Dass sich jeder mit dem Thema Demenz auseinandersetzen müssen wird, stand für Dr. Andreas Theilig, Vorsitzender der Aachener Alzheimer Gesellschaft, bei heute schon 9000 Erkrankten in Aachen – Tendenz steigend – außer Frage. „Über die Schulungen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen findet das Thema noch einen anderen Weg in die Quartiere“, so Theilig.

Besonders die steigende Zahl von alleinlebenden Demenzerkrankten bereite dem Chefarzt der Gerontopsychiatrie des Alexianer-Krankenhauses Sorgen. Für sie sei der Weg ins bestehende Hilfesystem schwierig. „Mit einer ihnen bekannten Person wie zum Beispiel ihrem langjährigen Friseur kann die Hürde des ersten Kontakts vielleicht leichter genommen werden.“

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