Dem Jugendbus droht das Aus

Von: Thorsten Karbach
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Aachen. Dieser Doppeldecker ist einfach großartig. Das findet Sozialarbeiter Mark Fischer. Als Geschäftsführer des Vereins „Chill-Out” war er mit dem Doppeldeckerbus - ein MAN SD 200, Baujahr 1975 - über Jahre unterwegs.

Zuletzt war die ehemalige „Busschule zur Verkehrserziehung von Grundschülern” und spätere rollende Drogenberatungsstelle als „Jugendbus” in Richterich und am Kennedypark unterwegs. Doch wenn es um diesen beliebten Jugendbus geht, muss Fischer in der Vergangenheit sprechen, denn seit dem 12. Juli ist der Verein „Chill-Out” ohne Bus.

An dem „Oldie” nagt nach 35 Jahren der Zahn der Zeit, er wurde von der Stadt deswegen nach Jülich in die Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr geschickt - zwecks Reparatur. Der Bus wird zwar von „Chill-Out” betrieben, gehört aber seit 2001 der Stadt. In Jülich gab es dann die böse Überraschung. Um die nächste TÜV-Kontrolle zu meistern, wäre meisterhafte Arbeit nötig geworden. Und zwar ausgesprochen teure.

„Wir bedauern das sehr, aber das würde sich für die Stadt nicht tragen. Wir haben beschlossen, den Bus stillzulegen”, sagt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt. Zu einem symbolischen Preis werde man den Bus aber dem Verein „Chill-Out” anbieten.

Dieser wird das Angebot annehmen. Mark Fischer sagt aber auch: „Seitens der Stadt wurde wenig Energie in den Bus gesteckt. Mich wundert, dass sie kein größeres Interesse hat. Wir haben jedenfalls kein klares Signal bekommen, dass der Bus noch gewollt ist.” Dabei sei ein mobiler Dienst, der die Jugendlichen dort besucht, wo es keine offenen Jugendeinrichtungen gibt, für Aachen zwingend erforderlich. Vor allem der Einsatz in Richterich habe dies gezeigt. Dort wurde seit Jahren auf ein Jugendheim gewartet - und der Bus fuhr vor, als die Stimmung gegenüber den Jugendlichen im Ort zu kippen drohte.

Seit 2002 ist der Chill-Out-Bus zweimal in der Woche in Richterich. Zurzeit wird er durch einen Bulli ersetzt, das Angebot muss draußen stattfinden. Über längere Zeit ließe sich das bei Wind und Wetter aber kaum aufrecht erhalten. Deswegen wird Mark Fischer am Wochenende nach Berlin fahren - mit dem Doppeldeckerbus. Denn in Berlin wurde er gebaut, in Berlin sitzen die Experten, die ihn möglicherweise mit Ersatzteilen retten können. Es wird eine große Reise, denn mit dem maximal 74 Stundenkilometer „schnellen” MAN braucht man 12 bis 14 Stunden.

Fischer hofft, dass es nicht die letzte Fahrt für den Bus wird. „Wir wollen ihn retten”, sagt er. Nur so oder mit einem neuen Bus ließe sich das Projekt erhalten. Doch bei einem neuen Bus gäbe es ganz praktisches Ungemach. Vier Meter ist der SD 200 hoch. Alle Busse ab Baujahr 1977 sind aber 4,06 Meter hoch. „Da bekämen wir ein Zulassungsproblem”, erklärt Fischer, die Höhe stellt nämlich ganz andere Anforderungen an den Halter. Fischer: „Wir müssen uns beeilen, Aachen braucht diesen Bus.”
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