Dem Ja-Wort folgt der Bombenverdacht am Aachener Markt

Von: Stephan Mohne
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Kleine Tasche, große Auswirkungen: Ein Verdächtiger hatte sie auf der Rathaustreppe platziert. Danach lief ein stundenlanger Großeinsatz in der Innenstadt an. Der Markt wurde gesperrt und evakuiert, sämtliche Gebäude rundherum wurden geräumt. Foto: Stadt Aachen/Michael Jaspers (4)

Aachen. Das Brautpaar schaffte es gerade noch, sich das Ja-Wort zu geben. Doch dann endete die für diesen Tag letzte Hochzeitsfeier im Weißen Saal des Aachener Rathauses völlig anders als geplant. Denn nun mussten die Gäste des Jubelpaars eilends den festlichen Ort verlassen.

Was war geschehen? Am Nachmittag war ein Team des WDR im Rathaus damit beschäftigt, einen Beitrag über die Rathaus-App zu drehen. Die Mitarbeiter des Fernsehsenders bemerkten dabei einen Mann, der etwas auf einen Zettel schrieb, den er schließlich im Rathaus liegen ließ.

Mehr noch: Seine Tasche deponierte er auf der Rathaustreppe, bevor er verschwand. Die Zeugen informierten die Rathauspförtner, die wiederum das Ordnungsamt einschalteten, das seinerseits die Polizei alarmierte.

Zunächst wurde der Bereich bis zum Karlsbrunnen abgesperrt. Alle, die sich noch im Rathaus aufhielten, mussten es verlassen. Im nächsten Schritt wurde die Absperrung auf den gesamten Marktplatz ausgedehnt, der nun ebenfalls komplett geräumt wurde.

Immer mehr Polizeifahrzeuge sammelten sich am Einsatzort. Erst am Donnerstag hatte Polizeipräsident Dirk Weinspach von mehr Personal und verstärkten „Schwerpunkteinsätzen“ gesprochen. Was sich am Freitag am Marktplatz abspielte, hatte er damit aber wohl nicht gemeint.

Die Polizei schickte jeden fahrbaren Untersatz, den sie auftreiben konnte. Zudem wurde die Einsatzhundertschaft alarmiert. Die wurde auch gebraucht. Denn die Absperrungen wurden nun noch weiter ausgedehnt. Bis zum Büchel, zur Mostardstraße und zur Jakobstraße wurden die Polizei-Flatterbänder gespannt.

Was natürlich auch bedeutete, dass beispielsweise die Gastronomen in diesem Bereich die Zapfhähne hochdrehen beziehungsweise die Küche kalt lassen mussten. Wer gerade sein Essen genoss, hatte Pech gehabt. Auch die Restaurantgäste wurden evakuiert. Für die Geschäftsleute am Markt klingelte die Kasse an diesem Tag ebenfalls nicht mehr. Dabei war die Innenstadt zum Zeitpunkt des Alarms noch durchaus gut besucht. Man nahm es dennoch weitgehend gelassen.

Gezwungenermaßen mussten auch die rund 200 Menschen draußen bleiben, die ab 18 Uhr eigentlich den Krönungssaal bevölkern sollten. Da nämlich stand die Abschlussfeier für die Absolventinnen und Absolventen der Aachener Fachhochschule auf dem Plan. Natürlich nebst Catering, Festprogramm und so weiter. Doch daraus wurde angesichts der Lage zunächst ebenfalls nichts. Die Festgäste standen sich an den Absperrungen die Beine in den Bauch und fröstelten in ihrer dem Anlass angemessenen Garderobe.

Der Einsatz zog sich über Stunden. Man musste auf die ebenfalls alarmierten Sprengstoffexperten warten, während die Fahndung nach dem Verdächtigen aus dem Rathaus bereits lief. Von ihm gibt es eine gute Beschreibung: Es soll sich um einen etwa 20 Jahre alten Deutschen von schmaler Statur handeln. Er hat kurze dunkelblonde Haare. Er trug ein auffälliges weißes T-Shirt mit der „Rolling-Stones-Zunge“ als Aufdruck. Dazu trug er Bluejeans und grüne Sportschuhe – sogenante Chucks. „Der Mann machte auf die Zeugen einen verwirrten Eindruck“, so Polizeisprecherin Petra Wienen.

Erst um 19.30 Uhr traf das Spezialistenteam ein. Die Tasche wurde schließlich unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen untersucht. Sprengstoff oder Ähnliches wurde zum Glück nicht gefunden.

Um 19.53 Uhr kehrte die Innenstadt wieder zur Normalität zurück, drehten die Gastronomen wieder die Zapfhähne herunter, stellten die Köche wieder die Pfannen auf den Herd.

Die Braut und der Bräutigam vom Anfang dieser Geschichte werden diesen unvergesslichen Tag in ihrem Leben nun noch ein Stück unvergesslicher finden – und wohl noch ihren Kindern und Enkeln vom Bombenverdacht nach dem Ja-Wort erzählen. Ach ja: Die FH-Absolventen feierten dann doch noch im Krönungssaal.

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