Aachen - Dehoga: Rauchverbot wäre „Katastrophe”

Dehoga: Rauchverbot wäre „Katastrophe”

Von: Robert Esser
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Vor die Tür gesetzt: „Insula
Vor die Tür gesetzt: „Insulaner”-Wirtin Steffi Kessel demonstriert, wie ungemütlich es für Raucher werden kann. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Feuer und Flamme sind Aachens Gastronomen nicht gerade für Nordrhein-Westfalens grüne Gesundheitsministerin Barbara Steffens. „Ohne jede Not will die Dame den hervorragend funktionierenden Nichtraucherschutz mit Raumangeboten für Raucher und Nichtraucher wegfegen und ein radikales Generalverbot erzwingen”, ist Dirk Deutz („Altes Zollhaus”) wütend.

Der Aachener Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) spricht von einer „drohenden Katastrophe”, wenn das Landeskabinett im Jahr 2012 tatsächlich ein Gesetz durch den Landtag peitscht, das Rauchen in Kneipen, Festzelten und auf Karnevalssitzungen unter Strafe stellt.

In den Ruin getrieben

„Erst kommt die überfällige Senkung der Mehrwertsteuer nicht, dann gibts zusätzliche Bürokratie durch die neue Hygiene-Ampel - und nun das nächste Drama: Das wird jede Menge Wirte Kopf und Kragen kosten - nicht nur in Eckkneipen, in denen derzeit geraucht werden darf”, prophezeit Deutz. In Irland und Spanien seien reihenweise Gastronomie-Betriebe durch radikale Rauchverbote in den Ruin getrieben worden, ebenso in Bayern, erklärt der Dehoga-Chef.

Kai Keßler („Sowiso”), Sprecher der Pontstraßen-Wirte, sieht riesige Probleme auf die Stadt zukommen: „Gerade erst ist es uns im Schulterschluss mit Ordnungsamt und Polizei gelungen, Lärm und Müll auf offener Straße einzudämmen”, sagt er. „Und jetzt will die Landesregierung Raucher in Massen aus den Lokalen auf die Straße zurückzwingen. Das ist doch völlig kontraproduktiv!”, warnt Keßler im studentischen Partyviertel. Zumal die Niederlande seit August Rauchverbote in der Gastronomie wieder lockern. Offenbar, weil zu viele Pleiten drohten - und es in vielen Diskotheken unerträglich nach Schweiß und Alkohol stank.

Unterdessen scheint die Aachener Stadtverwaltung nach jahrelangen Verhandlungen endlich Einigkeit mit Geschäften und Kiosken im Pontviertel erzielt zu haben. Ab dem 1. Januar sollen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens keine hochprozentigen Alkoholika (auch keine „Cocktails to go”) verkauft werden - zunächst in der kalten Jahreszeit befristet bis zum 31. März. Die Verdrängung der Raucher auf die offene Straße könnte den beruhigenden Effekt ab Sommer jedoch zunichte machen, heißt es. „Ich finde es unerträglich, wie die Politik uns immer weiter in unserer persönlichen Freiheit einschränken will”, kritisiert Keßler.

Und die immensen Kosten für Glaswände, Raucher-Séparées und andere bei der jüngsten Nichtraucherschutzinitiative erzwungene Umbaumaßnahmen in Kneipen und Restaurants? „Wir werden gegebenenfalls unseren Anwalt einschalten, um Regressansprüche gegen das Land NRW zu prüfen”, sagt etwa „Insulaner”-Wirtin Steffi Kessel. „Erst zwingt man uns zum Umbau, dann soll alles Makulatur sein? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Anderswo haben Wirte bereits erfolgreich geklagt”, sagt die Gastronomin.

Sitzungskarneval in Gefahr?

Für den Karneval - vor allem die kleinen Vereine - befürchtet etwa der Präsident der Närrischen Gilde, Norbert Mertens, traurige Zeiten. „Wir veranstalten unsere Festsitzung im Saalbau Kommer. Und die am häufigsten gestellte Telefonanfrage im Vorfeld lautet, ob man bei uns noch rauchen darf”, erzählt Mertens. „Wenn das wegfällt, verlieren zig Vereine zahllose Sitzungsgäste”, glaubt Mertens. Erhebliche finanzielle Gefahren sieht auch der Vorsitzende des Ausschusses Aachener Karnveal (AAK), Wilm Lürken. Aber der bekennende Nichtraucher steht auf der Seite der grünen Gesundheitsministerin: „Ich bin für ein generelles Rauchverbot, auch wenn ich mich damit unbeliebt mache.”
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