„Dat es ene Lejjve“: Marcel Philipp ist jetzt Ehren-Pferdeschwanz

Von: Bernd Mathieu
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Hohe Ehre: Dieter Herff, Vorsitzender der Pferdeschwänze, zeichnete OB Marcel Philipp mit dem „Stammtischabzeichen am Bande“ aus. Foto: Ali Rahnama-TOP AACHEN.de

Aachen. Eigentlich, sagt der Oberbürgermeister, eigentlich sei er ausgerechnet an diesem Abend der CHIO-Woche immer beim Abendessen der Städteregion zu Gast. Die Akteure dort dürfe man nicht alleine lassen, weil die sonst gefährliche Ideen entwickeln könnten.

Und dann gäbe es irgendwann nicht mehr den „Großen Preis der Stadt Aachen“, sondern den „Großen Preis der Stadt Baesweiler“.

In diesem Jahr ist Marcel Philipp dieses gewiss erhebliche Risiko eingegangen, weil die Gemeinschaft der Starter, Ziel- und Hindernisrichter „Der Pferdeschwanz“ ihn mit dem „Stammtischabzeichen am Bande“ und der damit verbundenen Ehrenmitgliedschaft auszeichnet. Das ist schon eine hohe Ehre; denn das Abzeichen tragen bekannte Persönlichkeiten rund ums Aachener Reitturnier von Bundestrainern wie Kurt Gravemeier über den Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Breido Graf zu Rantzau, bis zu der Stadionsprecher- und ARD-Legende Hans-Heinrich Isenbart.

Nun also der Aachener OB, der an diesem Abend jedes rhetorische Hindernis ohne Fehlerpunkte und Zeitüberschreitung souverän bewältigt. Die Laudatio auf ihn hält Dieter Herff, der Vorsitzende der „Pferdeschwänze“. Er steht schon seit vier Jahrzehnten Jahr für Jahr als Hindernisrichter im schönsten Parcours der Welt und schaut mit seinen Kollegen genau nach. Er ist eine Art Hindernis-Detektiv und Fehlern auf der Spur. Nicht mit der Lupe, aber mit genauem Auge beobachten er und seine Freunde aus der verschworenen Gemeinschaft, was Pferd und Reiter möglicherweise anrichten.

„Ohne meine Jungens wäre ich hier gar nichts!”, hat er einmal in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt. Und viele der „Jungens“ sind auch heute Abend dabei und hören der Laudatio von Dieter Herff amüsiert zu. Auch die anwesende Prominenz hat ihren Spaß, zum Beispiel der Bundestrainer der deutschen Springreiter, Otto Becker, einige aktive Reiterinnen und Reiter, ALRV-Vorstandsvorsitzender Frank Kemperman und Mitglieder des ALRV-Aufsichtsrates.

Dieter Herff hat genau recherchiert, sich informiert über Philipp und sein Leben. Mit einem Satz beschreibt er ihn: „Dat is ene Lejjve“, also ein richtig Lieber. „Der wurde schon mit einem Heiligenschein geboren. Ihre Frau Mama erzählte mir, dass sie in der kompletten Schulzeit nicht einen einzigen Lehrer hat kennenlernen müssen. Da konnte meine Mutter nur von träumen.“ So unterschiedlich sind Schul-Karrieren!

Allein schon der Name Philipp habe etwas mit Pferden zu tun. „Er kommt aus dem griechischen Philippos: der Pferdefreund.“ Herff blickt – in aller Kürze – auf Philipps Schulzeit und Jugend zurück, auf seine Meisterprüfung im Maler- und Lackierer-Handwerk sowie als Restaurator, auf seinen Abschluss als Betriebswirt im Handwerk und auf sein politisches Engagement. Dieter Herff kann aufgrund seiner detaillierten Recherche viele Details aus der Biografie des Oberbürgermeisters nennen, und er packt das in eine sympathische Wertschätzung als Grundmuster: „Ich habe unzählige Gespräche geführt, beginnend mit Ihren Eltern über Ihre Frau, Freunde, Verwandte, politische Gegner und Freunde, wobei hier der Unterschied oft fließend ist und immer wieder der gleiche Tenor: Dat es ene Lejjve, kein einziger Jugendstreich, keine Entgleisung.“

Philipp kenne keine schlechte Laune, und man erfährt als staunender Zuhörer an diesem Abend auch, dass der Aachener Oberbürgermeister in der Lage sein soll, „zwischen einem Espresso von Eduscho und Tschibo unterscheiden zu können“. Ausschlaggebend ist dann letztlich aber nicht die feinfühlige kaffeetechnische Leistung gewesen, sondern Philipps Engagement für das Reitturnier und seine Verbundenheit zu den ehrenamtlichen Richtern. Er erhalte den „diesjährigen Orden am Bande“, so Dieter Herff, in „Anerkennung für Ihre unermüdliche Tätigkeit für den Pferdesport“.

Der Geehrte dankt ebenso humorvoll und dann auch ernsthaft mit seinem Hinweis auf die enorme Bedeutung ehrenamtlicher Aktivitäten und Initiativen, ohne die eine Stadt wie Aachen wesentlich ärmer sei.

Später gibt es stärkende Elemente essenspolitischer Natur: Rheinischer Sauerbraten gehört dazu. Natürlich nicht – vom Pferd. Das wäre ja noch schöner und gar nicht auszudenken. Alleine der Gedanke ist wohl defätistisch, Verzeihung.

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