Aachen - Das Wintergrillen für Wohnungslose: „Klasse!“

Das Wintergrillen für Wohnungslose: „Klasse!“

Von: Dieter Spoo
Letzte Aktualisierung:
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Grillen passt auch im Winter: Zahlreiche Helfer der Pfarrei Franziska von Aachen servierten bedürftigen Menschen nicht nur Würstchen und Flammkuchen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Um 12 Uhr mittags standen etwa 70 Leute Schlange und warteten auf den Startschuss für ein ganz besonderes Mittagsmahl. Eine Frau, der man ihr Leben auf der Straße ansah, sagte: „So eine Vielfalt, so etwas Gutes bekomme ich sonst das ganze Jahr nicht zu essen.“

Es duftete wirklich verführerisch, was die „Rauchritter“ da zubereitet hatten: Flammkuchen mit „pulled pork“ oder Gemüse, Wildwürstchen und Rehragout, Rindersteaks und Schweinefilet, dazu Serviettenknödel, Nudeln, Bratkatoffeln, Rotkohl, Bratapfel mit Marzipan und mehr.

Seit einigen Jahren stehen zum Patronatsfest der Pfarrei Franziska von Aachen hochprofessionelle Grillstationen vor dem Pfarrheim am Hof 7 und brutzeln, was das Zeug hält. Die „Rauchritter“, ein Grill- und Kochclub aus Aachen, und Freiwillige der Pfarre machen etwas möglich, was arme Menschen sonst kaum erleben können: einmal im Jahr ein Schlemmen (fast) wie im Sternerestaurant.

Die Zutaten sind vom Feinsten. Spenden von Geschäftsleuten und Anwohnern der Innenstadt halfen auch dieses Jahr mit, dass hier nicht gespart werden musste. Inzwischen weiß die ganze Szene, was einmal im Advent hier geboten wird. Der große Pfarrsaal war vollbesetzt, und auf dem Flur des Pfarrheims war kein Durchkommen mehr. Hier standen lange Tische mit all den guten Sachen, die von Freiwilligen ausgegeben wurden. Sechs „Rauchritter“ und ein Dutzend Ehremamtliche der Pfarre grillten, schenkten Getränke aus, deckten ein und spülten dreckiges Geschirr.

Manche wollten nicht so lange warten und gingen direkt zu den Grills, die unter dem grauen Himmel wenigstens ein bisschen Wärme ausstrahlten. Thomas Schmitz, einer der Köche, sagte: „Wenn man hier so hört, wie Leute leben – das ist manchmal so unerwartet und schockierend. Da komme ich wirklich ins Grübeln.“ Sein Sohn Sebastian, der gerade den Flammkuchenteig belegte, meinte dazu: „Als wir vor einigen Jahren aus einer Bierlaune heraus überlegt hatten, dass wir so ein Wintergrillen für arme Menschen mal mitmachen könnten, hatte keiner von uns eine Ahnung, wie wichtig das werden würde – und wie dankbar die Menschen sind.“

An diesem Tag im Advent waren die Wohnungslosen und armen Menschen keinesfalls „die unterste Schublade“. Sie wurden bedient, und niemand schaute zu, ob jemand mehr oder weniger auf dem Teller hatte oder sich ein drittes Mal den Teller füllte.

Klaus Szudra, ein ehrenamtlicher Helfer, sagte: „Ich mache hier schon länger mit. Mir fällt auf, dass die Leute jedes Jahr zahlreicher und auch jünger werden. Meistens sind es Männer, die hierherkommen“Manchmal lockten die Gerüche Besucher des nahen Weihnachtsmarktes herbei. „Was kostet das?“, fragte ein junger Mann, vollbepackt mit Einkaufstüten – und zeigte auf ein großes Steak. „Gar nichts“, war die Antwort. „Das gibt es doch nicht!“, meinte der junge Mann. Als er die vielen Menschen erblickte, denen man ihr schweres Leben ansah, wollte er doch lieber nicht bleiben und mitessen. Hier und da verstanden auch bürgerliche Passanten, was hier geschah und reihten sich in die Schlange vor den Ausgabetischen ein.

Später am Mittag kam eine ältere Frau aus dem Pfarrheim, kramte einige Kisten mit alten Klamotten auf einen wackligen Einkaufswagen, ging zu „Rauchritter“ Sebastian Rehse und gab ihm einen fetten Kuss auf die Backe: „Ihr seid klasse, Jungs. Das hat so gut geschmeckt, und das tut so gut, mal richtig Mensch zu sein.“

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