Das Unglück am Everest: Bergsteiger Paul Thelen im Gespräch

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Aachen. Der Würselener Bergsteiger Paul Thelen (68) fordert Konsequenzen aus der schlimmsten Everest-Saison seit 1996. Beim Versuch, den Gipfel des höchsten Berges der Erde zu besteigen, starben in den letzten beiden Maiwochen wenigstens zehn Menschen, vier gelten weiterhin als vermisst.

Unter den Toten ist auch der Aachener Arzt Eberhard Schaaf (61), der in Herzogenrath praktiziert hat und im April gemeinsam mit Thelen nach Nepal reiste. Er starb nach seiner Gipfelbesteigung während des Rückweges am 19. Mai sehr wahrscheinlich an einem akuten Hirnödem infolge der Höhenkrankheit. Zwei Mitglieder derselben Expedition starben am gleichen Tag.

Während seines Auf- und Abstieges war Schaaf in zwei lange Staus in über 8700 Meter Höhe geraten, seine Wartezeit betrug insgesamt bis zu fünf Stunden, möglicherweise sogar länger. Mit Thelen waren etwa 300 Bergsteiger und Helfer zum Gipfel aufgestiegen. „Das sind eindeutig zu viele”, sagt Schaafs Seilpartner Paul Thelen, der selbst am darauffolgenden Tag zum Gipfel steigen wollte, nach Schaafs Tod aber seinen Abstieg begann.

Thelen schlägt vor, die sogenannten Permits (Genehmigungen) auf insgesamt 300 pro Saison zu beschränken. 2012 waren von den nepalesischen Behörden insgesamt 457 dieser Permits ausgegeben worden. Zusätzlich fordert er, den Preis für diese Permits von 10.000 auf 15.000 US-Dollar (etwa 12.100 Euro) zu erhöhen.

In der am vergangenen Wochenende beendeten Klettersaison am Everest wurden inoffiziellen Angaben zufolge 537 Gipfelbesteigungen gezählt. Eingerechnet sind darin die Sherpas, also die nepalesischen Träger und Helfer der Bergsteiger, die als Einheimische keine Genehmigung beantragen müssen.

Die Forderungen des erfolgreichsten und profiliertesten Himalaya-Bergsteigers Reinhold Messner (67), der vorschlägt, Everest-Besteigungen mit Hilfe von künstlichem Sauerstoff generell zu verbieten, hält Thelen für abwegig. „Dann kann der Everest nur noch von ganz wenigen Profi-Bergsteigern bestiegen werden”, sagt Thelen im Interview mit unserer Zeitung, seinem ersten, seit er vergangenes Wochenende aus Nepal zurückgekehrt ist. Beim Besteigen von Bergen über 7000 Metern ist zusätzlicher Flaschensauerstoff mittlerweile fast obligatorisch.
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