Das Thema Tod wird ein Stück enttabuisiert

Von: Svenja Pesch
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Es darf auch gelacht werden: In der Kapelle des Marienhospitals beendeten die Kinder der GS Michaelsbergstraße ihre Auseinandersetzung mit dem Thema sterben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Wenn ein Mensch tot ist, ist er nicht weg, er ist im Herzen“. Der Meinung ist Armis, wenn er an den Tod denkt. Emilia ist der Auffassung, dass die verstorbene Person im Himmel ein neues Leben anfängt. Wenn Kinder frei und unbefangen über den Tod reden, wirkt das für manch einen Erwachsenen etwas komisch.

Aber warum eigentlich? Schließlich gehört der Tod zum Leben dazu. Jeder wird eines Tages nicht mehr sein, so viel steht fest. Nur darüber reden möchten die Wenigsten.

Anders an der Grundschule Michaelsbergstraße. Hier haben sich 85 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse ein viertel Jahr lang mit dem Thema Sterben auseinandergesetzt. Im Rahmen der Schul-AG „Sterben, Tod und Trauer mit Kindern“ lernten die Kinder, was der Tod genau bedeutet und wie sie damit am besten umgehen können. Für Schulleiterin Gisela Boing war der Einstieg in das Themenfeld im Jahr 2013 eine wichtige Sache, wie anlässlich der Abschlusspräsentation erzählte. „Die Todesproblematik wird aus dem persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben oft komplett außen vorgelassen. Eltern sowie Pädagogen reagieren häufig mit Hilflosigkeit und Unsicherheit gegenüber ihren Kindern, weil sie selbst ebenfalls kaum noch Kontakt zu der Problematik haben.“

Über mehrere Wochen hinweg wurden die Schulkinder anhand von Büchern, Gedichten und Bildern spielerisch und ganz ungezwungen an den Themenkomplex herangeführt. Auch Besuche in einem Hospiz und Beerdigungsinstitut erfolgten im Rahmen der AG. Von einem Arzt erfuhren sie, was genau körperlich passiert, wenn man stirbt und eine Gemeindereferentin beleuchtete ethische Aspekte. Bei der großen Abschlusspräsentation in der Kapelle des Marienhospitals erhielten auch die Eltern einen Einblick in die Inhalte der letzten Monate.

Bei vielen fiel der Blick auf die kleinen Koffer, die jeder Schüler zu Beginn erhielt. Darin bewahrten sie persönliche Dinge auf, die sie im Verlauf der Schul-AG mit dem Thema Tod und Sterben assoziierten. Ulla Schmidt, Bundestagsvizepräsidentin und Vorsitzende des Kuratoriums der Hospizstiftung Region Aachen, lobte vor allem das Engagement der Akteure. „Ich hoffe sehr, dass das Projekt einen großen Teil dazu beiträgt, das Thema Tod aus dem Tabubereich zu holen. Wir als Gesellschaft müssen dafür sorgen, dass ein würdevolles Sterben für jeden möglich ist und dass der Tod als ganz selbstverständlich angesehen wird. Ich merke immer wieder, dass Kinder viel unbefangener mit der Thematik umgehen, als Erwachsene.“

So wollten einige Kinder beim Besuch in einem Bestattungsunternehmen gleich mal in einem Sarg Probe liegen. Makaber? Nein. „Es ging immer darum, Hemmschwellen abzubauen und den Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen und diesem mit Respekt zu begegnen. Und da viele Menschen in einem Sarg beerdigt werden, wollten sie eben wissen, wie das genau ist“, ergänzte Boing.

Auch die Reaktionen der Eltern waren durchweg positiv. Dank der Erfahrungen ihrer Kinder konnte manch eine Familie wesentlich unbefangener mit der Thematik umgehen. Und für Boing stand fest: Die AG, die bereits zum zweiten Mal stattfand, wird fortgesetzt. In drei Jahren geht es in die nächste Runde.

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