Aachen - Das Telefon ist 16 Tage tot: Telekom schweigt wie ein Grab

Das Telefon ist 16 Tage tot: Telekom schweigt wie ein Grab

Von: Oliver Schmetz
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Die Telefone sind tot, aber die Rechnung ist da: Günter und Hildegard Olschinka liegen mit der Telekom im Clinch. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Slogan ist ganz griffig: „Erleben, was verbindet.“ So wirbt die Deutsche Telekom für ihre Kommunikationsangebote. Doch dass Werbung nicht Wahrheit ist, verspürt Telekom-Kunde Günter Olschinka zurzeit am eigenen Leib. Denn der 81-Jährige erlebt seit mehr als zwei Wochen nur, was trennt – jedenfalls was seine Telefonleitung angeht. Und der Kommunikationsriese rührt sich nicht – und schweigt wie ein Grab.

Angefangen hat alles am Montag, 27. Mai, als Olschinka und seine gleichaltrige Ehefrau Hildegard bemerken, dass in ihrer Wohnung in Verlautenheide das Telefon tot ist. Weil seine Frau schwer krank ist, öfter einen Notarzt kontaktieren muss und dringend aufs Telefon angewiesen ist, kümmert sich der rüstige Rentner sofort um die Sache. Über die Service-Hotline vereinbart er einen Termin: Schon tags darauf, zwischen 13 und 16 Uhr, soll ein Techniker kommen. Doch gekommen sei niemand, erzählt er. Günter Olschinka übt sich danach erst einmal in Geduld. Er gibt sein Handy seiner Frau, wenn er weg ist, und wartet ab. Kann ja nicht so lange dauern, denkt er.

Am 5. Juni, neun Tage später, hat es ihm lange genug gedauert. Wieder vereinbart er einen Termin für den nächsten Tag, diesmal zwischen 8 und 12 Uhr. Und wieder kommt keiner. Es meldet sich auch niemand, obgleich sie natürlich ihre Handynummer mitgeteilt hätten, wie Olschinka erzählt. Der Mann hat nun die Nase voll und meldet sich bei der AZ.

Doch auch gegenüber der Presse behält der Konzern seinen am Kunden erprobten Kommunikationsstil zunächst bei. Mit dem zuständigen regionalen Ansprechpartner will man den am Freitag, 7. Juni, anfragenden Journalisten in der Bonner Telekom-Zentrale nicht verbinden, ehe der nicht ein Online-Formular ausgefüllt hat. Erst nach langen Diskussionen wird die Anfrage doch weitergeleitet: Gegen Mittag bittet eine Telekom-Sprecherin aus Berlin die AZ per Mail „um etwas Geduld“.

Danach ist wieder Schweigen, bis die AZ am Dienstag nachhakt. Die Olschinkas sind den 16. Tag ohne Telefon und ohne Telekom-Reaktion. Einigen ihrer Nachbarn in Verlautenheide soll es ähnlich gehen, erzählt Günter Olschinka. Die Berliner Konzernsprecherin sagt auf Nachfrage, es tue ihr Leid, aber sie habe noch keine näheren Informationen. Später mailt ein anderer Pressesprecher aus Bonn, dass „Bauarbeiten oder zumindest neue Bauteile erforderlich sind“, um die Störung zu beheben.

Einen Zeitpunkt könne er nicht nennen. Wegen der jüngsten „Unwetter in vielen Teilen Deutschlands“ habe man viel zu tun. Und dann fragt der Sprecher die AZ, ob sie vielleicht mit der Handynummer des Kunden aushelfen könne. Sie kann, und so meldet sich am Nachmittag tatsächlich die Telekom bei den Olschinkas. Man habe ihm gesagt, dass das Hochwasser schuld gewesen sei, erzählt der 81-Jährige. Zwar nicht an der Störung, aber daran, dass kein Techniker verfügbar gewesen sei. Und man wisse nicht, wann das Telefon wieder funktioniere. Das könne Tage dauern.

29 Euro Entschädigung

Ob das Hochwasser auch das Kommunikationsdefizit im Hause verschulet, verrät man Olschinka nicht, sondern verspricht eine 29-Euro-Gutschrift. Wahrscheinlich weiß der Anrufer nicht, dass sich die Telekom just an diesem Tag schon anders beim Kunden gemeldet hat. Am Dienstag findet Olschinka nämlich ein Schreiben im Briefkasten. Und als er es öffnet, erlebt er, dass ihn zumindest seine Bankverbindung mit dem schweigenden Riesen verbindet. Es ist die Rechnung: Die Telekom will 30,59 Euro für die tote Leitung.

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