Aachen - Das Privatauto ist ab sofort im Dienst tabu

Das Privatauto ist ab sofort im Dienst tabu

Von: Annika Kasties
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Möglichst emissionsfrei unterwegs: Seit Anfang November kann ein Großteil der städtischen Mitarbeiter Fahrtkosten mit dem Privatauto nicht mehr abrechnen. Stattdessen sollen sie neben dem E-Auto auf Bus, Bahn und Pedelecs umsteigen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zugegeben, mit einem herkömmlichen Autoschlüssel eines entsprechend exklusiven Herstellers dürfte Oberbürgermeister Marcel Philipp unter statusbewussten PS-Zählern mehr Eindruck schinden als mit seiner rot-weißen Plastikkarte.

Der OB grinst dennoch sichtbar stolz, als er vor Medienvertretern die Karte im Scheckkartenformat vor die Windschutzscheibe des weißen Smarts hält und damit zumindest sinnbildlich deutlich mehr entriegelt als nur dessen Fahrertür. Schließlich geht es um den sprichwörtlichen Schalter im Kopf, den die Verwaltung nun endgültig bei ihren Mitarbeitern umgelegt hat.

Seit Anfang November ist das neue Mobilitätskonzept der Verwaltung nicht mehr nur ein theoretisches Gedankenspiel, sondern auf der Straße angekommen. Die rund 2600 von insgesamt 5000 städtischen Mitarbeiter, die regelmäßig Außentermine wahrnehmen, sollen Dienstfahrten nämlich nicht mehr mit dem Privatauto zurücklegen und stattdessen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umsteigen – und damit einen Beitrag zur Luftreinheit leisten.

Dafür hat die Stadt ihren Fuhrpark jüngst um 15 elektrisch betriebene Smarts erweitert und dafür inklusive Ladeinfrastruktur rund 400.000 Euro in die Hand genommen. Stationiert werden sie am Klosterplatz, an der Lagerhausstraße und an der Mozartstraße. Damit verfügt die Stadt nun über 18 Elektroautos, die von den Mitarbeitern genutzt werden können.

Den Auftakt machen die rund 380 Angestellten an den Standorten Katschhof und Mozartstraße. Ihnen werden Dienstfahrten mit dem Privatauto ab sofort nur noch in absoluten Ausnahmefällen erstattet, sagte OB Philipp, der das neue Flottenmanagement am Montagmit seinem Referenten Axel Costard erläuterte. In den kommenden Monaten sollen sukzessive weitere Standorte folgen, noch in diesem Jahr könnten die Kollegen am Hauptbahnhof dabei sein.

Dabei solle das städtische E-Auto zukünftig nur auf Platz 3 der Prioritätenlisten der Mitarbeiter stehen, und zwar hinter Bus und Bahn und der etwas sportlicheren Variante, Außentermine zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem elektrisch betriebenen Pedelec zurückzulegen. Weitere Optionen sind das Carsharing-Auto und – wenn’s sein muss – das Taxi.

Mit welchem dieser Verkehrsmittel sich das Ziel am besten und umweltfreundlichsten erreichen lässt, sollen die Mitarbeiter selbst abwägen, so die Marschrichtung. Abgewickelt wird das Prozedere über die App Mobility Broker. Die noch recht junge Plattform verbindet die Verkehrsangebote von Aseag, Velocity und Cambio Carsharing – und speichert sämtliche Daten auf besagter rot-weißer Plastikkarte, mit der ab sofort nicht nur Philipp seine Dienstfahrten koordiniert.

Eine Vorbildfunktion einnehmen

Mit dem neuen Konzept will die Verwaltung eine „Vorbildfunktion“ einnehmen. „Es geht darum, den Schalter im Kopf umzulegen, um eine neue Herangehensweise an die eigene Mobilität“, so Philipp. Dass dieser Prozess auch in Aachen nicht ganz ohne Reibungen vonstatten gehe, räumt Referent Costard ein. „Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Schließlich trennt man sich von liebgewonnenen Gewohnheiten.“ Mittlerweile überwiege bei den Mitarbeitern jedoch eine „positive Neugier“.

Neugierige Blicke werden nach Aussagen von Stadtsprecher Bernd Büttgens mittlerweile auch auf überregionaler Ebene auf das Aachener Konzept geworfen. Andere Städte würden zwar auch zunehmend neue Wege in Sachen Mobilität gehen, doch keine sei dabei so weit wie Aachen.

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