Aachen - Das laufende Öcher-Platt-Rümmselche

Das laufende Öcher-Platt-Rümmselche

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
Vergaß selbst in der Stunde d
Vergaß selbst in der Stunde der höchsten Mundart-Auszeichnung die Bedürftigen nicht: Herbert K. Oprei verschenkte (gegen freiwillige Spende) seine selbstgebastelten Schlüsselanhänger, mit denen er das Hilfsprojekt in Ruanda von Franz Baumann weiterführt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es ist ein kurzer Moment. Vielleicht gerade mal zwei, drei Sekunden lang. Und doch erzählt dieser Spot fast die ganze Geschichte des Herbert Kaspar Oprei. Er steht bereits auf der leicht erhöhten Bühne im Krönungssaal des Rathauses und weiß, dass in wenigen Minuten die Scheinwerfer genauso exklusiv auf ihn gerichtet sein werden wie die Kameraobjektive.

Dann wird sich der Träger des Thouet-Mundartpreises 2012 bedanken. Aber vorher ist da eben noch diese kleine Szene, in der Liesel Ehrensberger eine kleine, aber feine Rolle spielt. Die Dame zählt 86 Lenze und lebt im Seniorenheim, in einer Einrichtung, die Herbert K. Oprei regelmäßig besucht und dort den Bewohnern mit seinen Öcher Platt Rümmselcher und -Gedichten viel Freude macht. Und davon will Liesel Ehrensberger ihm etwas zurückgeben. Dem würdigen Alter geschuldet, zögert sie etwas beim Besteigen der Bühne. Und Herbert K. Oprei springt auf und geleitet die Dame ans Rednerpult, wo diese eine überaus liebenswürdiges Gedicht vorträgt.

Ein großer Teil im Leben des pensionierten Lehrers ist hier zusammengefasst: Aachen, das Platt, die Liebe zu den Mitmenschen und das Herz für diejenigen, die ohne Hilfe nicht mehr so leicht oder gar nicht mehr zurecht kommen.

Auch das ist ein Grund für die Verleihung des wichtigsten Mundartpreises unserer Stadt, den die rund 500 geladenen Gäste in Aachens schönstem Festsaal leicht nachvollziehen können. Und selbst wer den Mann zuvor nicht gekannt haben sollte, der ist am Ende des rund dreistündigen Programms absolut überzeugt: Hier hat es ohne Zweifel den Richtigen erwischt. Ihm zu Ehren haben die Organisatoren ein feines Programm zusammengestellt, bei dem das Herz eines jeden Öchers hüpft und das viele Tränen vor Lachen und einige wenige aus Rührung provoziert. Auch das passt zum Preisträger.

Er ist einer der Männer, die das vom Aussterben bedrohte Platt mit neuen Impulsen versehen. „Sie sind Repräsentant der Arbeit zum Erhalt der Sprache, Sprachkunde und Sprachlehre. Und das alles haben Sie an Ihre Schüler weitergegeben. Sie können stolz sein!”, würdigt Oliver Thouet stellvertretend für seine Familie und das Kuratorium den neuen Preisträger.

„Es war ein Gedicht seines Vaters, das die Liebe zum Platt weckte”, erzählt der Laudator des Abends, Professor Bernd Mathieu den Gästen. Dass gerade der Chefredakteur der AZ Herbert K. Oprei würdigt, ist natürlich kein Zufall, denn dieser hat um die 250 Rümmselcher für unsere Zeitung geschrieben. Oprei sei ein lebendes Beispiel dafür, dass der Öcher herzgelenkt spreche. Mit dem Engagement für die Schüler und deren Teilnahme bei Platt-Wettbewerben habe Oprei den Kindern seiner Förderschule viel Leistungsdruck genommen und ihnen über Sport und Sprache neues Selbstwertgefühl vermittelt. Der Preisträger in spe habe es ihm in Vorgesprächen zur Laudatio leicht gemacht. Man brauche ihn nur zitieren: als „liebes Sau-Aas”, als Jogger, der auf 90.000 Kilometern seine Rümmselcher gelernt habe. Es seien alles vollmundige, herzgelenkte Zitate gewesen.

Herbert K. Oprei berührt die Menschen auch an diesem Abend. Er dankt seinem „großen Platt-Vorbild” Hein Engelhardt, philosophiert über das „g”, das im Platt komplett durch das „j” ersetzt wird und kredenzt eine „Weltpremiere” - sein neuestes Gedicht „Mi janz jrueß Leävensjlöck”. Das berührt erst recht. Er hat das Ruanda-Hilfsprojekt einst vom verstorbenen Franz Baumann übernommen und 800 Schlüsselanhänger persönlich gebastelt, „e de Färve schwazz e jeäl”. Die verschenkt er, gegen freiwillige Spende versteht sich. 2000 Euro sind die Benefizerinnerungen den Gästen wert. Das passt zu Herbert Opreis Satz: „Et schönnste es, wenn me va sich selv jät a angere jevvt.” Die Gäste sind längst zum Publikum geworden, das sich zum Verneigen erhebt. Liesel Ehrensberger gehört auch dazu. Und sie kann sicher sein: Auch als Träger des Thouet-Mundartpreises wird Herbert Kaspar Thouet seine Senioren und Schüler nicht vergessen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert