Das lange Warten auf den gültigen Bebauungsplan am Preusweg

Von: Ines Kubat
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Hat inzwischen einen ganzen Aktenordner über die Vorgänge und die Auseinandersetzungen zum Bebauungsplan Preusweg angelegt: Prof. Dr. Carl-August Witt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Viel Grün, prachtvolle Villen und ein hoher Grundstückspreis – das Gebiet zwischen Preusweg, Hasselholzer Weg, Lutherweg und Lütticher Straße gehört zu einer der nobleren Gegenden Aachens. So zumindest liest sich die Bestandsaufnahme des Viertels vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen.

Damit diese Besonderheiten bewahrt bleiben, sollte ein Bebauungsplan her, und die Stadt unternahm einen ersten Versuch. Das war im Jahr 2008. Jetzt – rund fünfeinhalb Jahre später – ist der Bebauungsplan, der mittlerweile ein anderes Kürzel trägt, immer noch nicht fertig. Und das nervt vor allem einen: Prof. Dr. Carl-August Witt, der am Preusweg wohnt.

Das Witt’sche Anwesen ist über 2000 Quadratmeter groß. Sein Haus ist durchaus geräumig. Aber um dieses Haus geht es ihm gar nicht so sehr. Viel interessanter ist für den Pensionär sein Garten, der sich – von großen Bäumen umrahmt – weit in die Tiefe erstreckt. Die Fläche ist so groß, dass man ein weiteres Haus darauf errichten könnte. Aber das darf Witt nicht, denn die Pläne der Stadtverwaltung sehen anderes vor.

Schon 2008 betonte man im ersten Bebauungsplan unter dem Namen 894N das Hauptproblem des Viertels: die „Nachverdichtung“. Das bestätigte auch Axel Costard, Mitarbeiter des Presseamts der Stadt Aachen. Das heißt, dass größere Grundstücke geteilt und neu bebaut wurden. Und weil das auf Dauer zu einem „Verlust an städtebaulicher Qualität“ führe, wollte die Stadt im Rahmen des Bebauungsplans dagegen vorgehen; beispielsweise mit festgeschrieben Mindestgrundstücksgrößen. Aber dagegen haben Witt und ein Nachbar aus dem Viertel geklagt. Vor dem Oberlandesgericht in Münster wurde das Verfahren 2010 entschieden. Der Richter gab den Klägern recht und der Bebauungsplan wurde für unwirksam erklärt. Die Begründung: Er entziehe den Anwohnern grundlegende Baurechte.

Also sollte es einen zweiten Anlauf geben: 933 lautet die Nummer des neuen Bebauungsplans für das Viertel, den die Stadt Aachen dann im Jahr 2011 auflegte. Wie vorgeschrieben, legte man diesen Bebauungsplan ebenfalls der Öffentlichkeit vor und prüfte Änderungsvorschläge. 933 umfasst ein größeres Einzugsgebiet als sein Vorgänger. Aber auch mit der Neuauflage ist Witt nicht einverstanden, und beschwerte sich wieder: Er bemängelt, dass sein Grundstück mit wenigen anderen großen Flächen eine Ausnahme in dem Viertel sei und daher nicht als Beispiel für den gesamten Bebauungsplan dienen dürfe.

Dass die villenartige Bebauung für die ganze Nachbarschaft prägend ist, war vielleicht früher so, jetzt sei es eine Illusion. Seine Begründung: Innerhalb des neuen Bebauungsplans werden fünf individuell bebaute Gebiete unterschieden, jedes mit einer anderen vorherrschenden Bauweise. Und das spräche klar gegen ein einheitlich planbares Gebiet. Außerdem stellte Carl-August Witt Vergleiche zu einem anderen Villengrundstück her, wo laut Bebauungsplan 933 drei neue Häuser die Villa ersetzen könnten. Setze man dieselben Maßstäbe bei ihm, müsste auch er in zweiter Reihe bauen dürfen.

Abgesehen von Witts Beschwerden, die eher Privatinteressen geschuldet sind, fällt auf: Im Jahr 2008 legte die Stadt einen ersten Bebauungsplan auf, der zwei Jahre später scheiterte. Seit 2011 ist die zweite Version in der Mache, und steckt noch immer in Änderungsverfahren fest. Während der ganzen Zeit hängen die Anwohner in der Luft. Denn am 14. September 2011 wurde eine Veränderungssperre verhängt, die im Laufe der Bebauungsplan-Entwicklung immer weiter verlängert wurde: Sie besagt, dass – solange keine klaren Beschlüsse getroffen sind – nicht geplant werden dürfe. Die Bewohner könnten theoretisch planen, aber ob man ihr Vorhaben genehmigt, wird dann anhand des aktuellen Stands des Bebauungsplans entschieden – selbst wenn der noch geändert werden sollte. Das bestätigte auch Costard: „Es ist schwierig, Dinge dort zu verwirklichen, die dem bisherigen Bebauungsplan widersprechen.“

Aber die Zeit der planerischen Unsicherheit könnte bald ein Ende haben: Die neuesten Änderungen sind vorgenommen, sollen vermutlich im kommenden Juni der Öffentlichkeit zur Prüfung vorgelegt werden und könnten danach vom Rat der Stadt als Satzung beschlossen werden, berichtet Costard. Genauere Daten werden noch bekannt gegeben.

Witt sieht dem erneuten Änderungen allerdings skeptisch entgegen: Aber er dürfte dennoch gespannt sein, ob sein Grundstück weiterhin als Exempel für die villenartige Bebauung in seinem Viertel dient oder er doch ein weiteres Gebäude errichten darf. Selbst bauen möchte er übrigens nicht.

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