Das „Kleine Theater“ zeigt Arthur Schnitzlers „Reigen“ in der Klangbrücke

Von: Svenja Pesch
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Der „Reigen“ hat begonnen: Rebecca Sohn und Christoph Friedrich agieren in der Inszenierung von Schnitzlers Bühnenwerk des „Kleinen Theaters“. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Er will, sie nicht. Oder ist es doch andersherum? Sie im Kleid, das ihre Beine umspielt, lockt ihn, den gestandenen Soldaten, mit allen Mitteln der weiblichen Verführungskunst in ihren Bann.

Dann, als das Objekt der Begierde angebissen hat, wandelt sich das Blatt und der Soldat muss zeigen, dass er jedes noch so vermeintlich schüchterne Wesen durch extremes Süßholzraspeln für sich gewinnen kann. Zumindest für eine Nacht.

Für den Psychologen, Arzt und Dichter Arthur Schnitzler war vor allem das „Davor“ und „Danach“ solcher mitunter kurzen Liebschaften von großer Bedeutung. Die Sehnsüchte, Ängste und die Moralvorstellungen der Menschen faszinierten ihn so sehr, dass er das Bühnenstück „Reigen“ verfasste, welches das „Kleine Theater“ in der Klangbrücke dem Publikum präsentiert. Inszeniert hat das Stück Georg Immelmann. Rebecca Sohn und Christoph Friedrich tauchen dabei in zehn Liebesszenen ein, in denen jeweils ein Partner in der nächsten Szene ausgetauscht wird. Der Soldat begegnet der Dirne. Schnitt. Der Soldat bezirzt das Stubenmädchen.

Schnitt. Das Stubenmädchen umgarnt ihren Chef, der dem jungen Mädchen ebenfalls nicht abgeneigt ist. So entwickeln sich die Szenen immer weiter, bis sich am Ende der Liebesreigen schließt. Was alle Aufzüge vereint, ist das Spiel mit den geschlechterspezifischen Klischees. Wobei man sich doch eingestehen muss, dass die gezeigten Inhalte einen gewissen Wahrheitswert haben. Denn das gegenseitige Umgarnen, das letztlich nur einem kurzen amourösen Vergnügen dient, hat für Mann und Frau oftmals völlig unterschiedliche Konsequenzen. Während er nicht schnell genug wieder seiner Arbeit nachgehen kann, sieht sie sich schon in einer beginnenden Beziehung mit dem Mann ihrer Träume. Was ein paar Komplimente und temporär anhaltende Liebesschwüre nicht alles auslösen können.

Auch die Ehe hat Schnitzler zu seinen Lebzeiten genau beobachtet. Von allzu großer Leidenschaft ist zwar nach einigen Ehejahren vielleicht nicht mehr ganz so viel zu spüren, aber ein guter Ehemann weiß auch hier Rat. Durch geschicktes, hochgestochenes Reden versucht er seiner Frau durch die Blume zu sagen, dass es ab und an ganz förderlich sei, als Ehepaar nicht immer ineinander verliebt zu sein, damit man sich immer wieder neu ineinander verlieben und die Zeit dazwischen anders nutzen könne. Blöd nur, dass seine bessere Hälfte ganz genau weiß, wie man die Zeit „dazwischen“ effektiv nutzt. Sind belügen und betrügen zwischen Mann und Frau also an der Tagesordnung?

Nun, für Schnitzler geht es vielmehr um die Kreativität und den Einfallsreichtum, den Frau und Mann nutzen, um ein paar Augenblicke der Versuchung, der Sünde, aber auch der Liebe zu genießen. Und das kommt sicher vielen Menschen bekannt vor.

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