Das ganz besondere Gefühl: Aachen feiert den Heiligen Abend

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Die Kugeln am geschmückten Weihnachtsbaum im Café Plattform leuchteten im Hintergrund. Foto: Andreas Steindl
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Die Pfarre Sankt Jakob besuchten schon ab Mittag viele Besucher, die unter dem Motto „Heilig Abend anders“ zusammenkamen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Weihnachten ist kein Zeitpunkt und keine Jahreszeit, sondern eine Gefühlslage“. Der Satz des 1933 verstorbenen amerikanischen Politikers Calvin Coolidge liegt zwar schon viele Jahre zurück, hat aber nicht an Aktualität verloren.

Denn Weihnachten ist mehr als nur ein Datum, mehr als gebackene Plätzchen und mehr als Geschenke. Weihnachten ist immer auch ein Fest, das bei nicht wenigen Menschen für gedrückte Stimmung sorgt. Mal sind es Familienstreitereien, mal berufliche Misserfolge, die dazu führen, dass man am Heiligen Abend alleine ist. Und bei manch einem entspricht irgendwie der ganze Lebenslauf nicht dem, was man als alltäglich und normal bezeichnen würde. 

Aber egal was die Gründe sind, an Weihnachten möchte niemand gerne alleine sein. Dank vieler Angebote braucht dies aber auch keiner. In der Pfarre Sankt Jakob begrüßte Marita Delheid schon ab Mittag viele Besucher, die unter dem Motto „Heilig Abend anders“ zusammenkamen. Bereits zum dritten Mal organisierten die Gemeindereferentin und ihr Team aus vielen ehrenamtlichen Helfern den Treff für Jung und Alt.

„Bei uns kommen die verschiedensten Menschen zusammen. Senioren, die die Zeit bis zum Besuch der Familie überbrücken, Obdachlose, Menschen in Trauer oder diejenigen, die beruflich von ihrer Familie getrennt sind und nicht in die Heimat fahren können“, erzählte Delheid. Hier finden sie eine Gemeinschaft und können dabei selbst entscheiden, wie viel Nähe sie zulassen möchten. Neben einem Buffet mit vielen Leckereien wurden auch Weihnachtslieder gesunden, Gedichte und Geschichten vorgelesen. André Gintel kam bereits zum zweiten Mal. Er schätzt vor allem die Stimmung hier.

„Meine Familie wohnt in Polen, ich sehe sie leider nur ganz selten und lebe alleine hier. Später gehe ich noch in die Christmette im Dom, das mache ich immer so“, betonte Gintel. Für Ruhullah Mirzaie ist das Weihnachtsfest Anlass der Freude und Trauer zugleich. Vor einem Jahr und zwei Monaten floh er von Afghanistan nach Deutschland und lebt zwar seitdem in Sicherheit, allerdings ohne seine Eltern. Mit seinem Bruder und zwei seiner Klassenkameraden hat er den Weg in die Pfarre gefunden.

Er hat schon einige Freunde gefunden und fühlt sich wohl in Aachen, nur wenn er an seine Eltern denkt, dann wird er ganz ruhig. Aber auch die leisen, traurigen Töne bedeuten Weihnachten. Für Simone Holzapfel, Leiterin des Café Plattform, ist der 24. Dezember traditionell ein Tag, an dem besonders viele Menschen die Einrichtung aufsuchen. Manche möchten einfach nur ein warmes Essen und einen Schlafplatz, andere wiederum wollen gemeinsam die weihnachtliche Atmosphäre genießen.

Gottfried Siegers und Tobias Malms sorgten auch dieses Jahr wieder für passende Weihnachtslieder, während viele freiwillige Helfer Kaffee ausschenkten und da halfen, wo eben Hilfe benötigt wurde. Und manchmal passieren Dinge, die man so gar nicht erwartet hat. Auf eine Privatinitiative hin erhielten Holzapfel und ihr Team eine große Spende an Winterjacken, Mützen und Schals. „Damit haben wir gar nicht gerechnet“, erzählte Holzapfel, die die ganzen Kisten sortierte.

„Dass unsere Besucher ein kleines Geschenk erhalten, ist üblich und eine schöne Tradition, aber das kam jetzt unerwartet“, fügte sie hinzu. Zwischen dem Kistenstapeln hörte man immer wieder weihnachtliche Töne, darunter „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Die Kugeln am geschmückten Weihnachtsbaum im Café Plattform leuchteten im Hintergrund und manch ein Besucher sang erst zaghaft, dann aber ganz selbstverständlich mit. Denn ein Lächeln und ein wohlmeinender, ermutigender Blick sind einfach ansteckend. Auch im Festsaal der Offenen Tür Josefshaus trafen sich Menschen aller Konfessionen und jeden Alters um gemeinsam das Weihnachtsfest zu feiern.

Sicherlich gab es einige unter ihnen, die froh sind, wenn die besinnlichen Tage vorbei sind, weil Trauer, Schmerz oder Verlust nicht so recht in das Bild von Weihnachten passen wollen, aber für ganz viele waren es genau diese Stunden des Beisammenseins, in denen die Probleme, Ängste und Nöte nicht so präsent waren, wie sonst. Und hier zeigte sich: Weihnachten ist kein Zeitpunkt und keine Jahreszeit, sondern eine Gefühlslage.

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