Das Ende für die Thermalbrunnen im Elisenbrunnen?

Von: Stephan Mohne
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Die Rotunde am Elisenbrunnen wird saniert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zumindest in einer Beziehung geht es in der Rotunde des Elisenbrunnens vorerst nicht mehr rund: Die Salsa- und Tangofreunde, die sich dort samstags abwechseln, müssen sich einen neuen Tanzboden suchen. Sie würden dort nämlich in den kommenden Wochen oder Monaten in ein tiefes Loch fallen.

Verzicht üben heißt es auch für die Freunde des Aachener „Stinkewassers”, das mancher Öcher wie auch Tourist als Quell körperlichen Wohlseins die Kehle herunter rinnen ließ. Damit ist es vorbei - und das nicht nur kurzfristig, sondern auf unbestimmte Zeit.

Die tonnenschweren Trinkbrunnen in dem 1827 nach Architekt Schinkels Plänen gebauten und nach Elisabeth Ludovika von Bayern benannten Bauwerk wurden am Freitag abgebaut, verpackt, verladen und ins „Zwischenlager” zum Steinmetz nach Stolberg abtransportiert.

Hohe Arsenwerte

Hintergrund der Aktion: Der Boden in der Rotunde muss erneuert werden, auf Dauer drohte er einzustürzen und in das darunter liegende Gewölbe zu krachen. Dass der Quellwasserhahn zugedreht wurde, hat wie berichtet noch einen anderen Grund. Laut neuer EU-Verordnung handelt es sich unter anderem wegen des hohen Arsengehalts hierbei um ein Medikament, das nicht mehr unkontrolliert abgegeben werden darf. Eine Lösung, wie das wegen seines Schwefelgehalts nach faulen Eiern riechende Getränk den Trinkwilligen doch noch weiter zugänglich gemacht werden kann, ist laut Stadtpressesprecher Hans Poth nicht in Sicht.

Der Abbau der Brunnen ist nicht das Einzige, worüber die Menschen am Freitag staunten, die mitten in der City buchstäblich zu Zaungästen wurden. Der vor gar nicht allzu langer Zeit neu gestaltete Vorplatz des Bauwerks wurde nämlich inklusive der dortigen Springbrunnen mit einer schnöden Asphaltschicht überzogen, bevor man auch noch besagte Zäune sowie Baugerüste und Schutzplanen hochzog. Der Asphalt dient just dem Schutz des Platzes.

Über ihn werden ab sofort schwere Laster rollen, die den bisherigen Boden der Rotunde wegkarren. Diesen aus dem denkmalgeschützten Bauwerk herauszuholen ist wiederum eine Sache für sich. Der Presslufthammer scheidet laut Poth als Werkzeug aus.

Zu groß ist die Gefahr, dass der Rest des Elisenbrunnens Schaden nehmen könnte. Deswegen wird das Objekt der Bauarbeiterbegierde in Scheiben geschnitten und Stück für Stück herausgehoben, bevor dann ein neuer Boden eingesetzt werden kann. Kostenpunkt der Maßnahme: rund 200.000 Euro.

Wenn der Boden liegt, kommen laut Poth wohl auch die Brunnen zurück. Doch sie bleiben trocken. Derzeit wird nachgedacht, wie man das mit dem Heilwasser regelt. Vorgeschlagen worden ist schon ein Kiosk in der Rotunde, an dem „fachkundiges Personal” das Wässerchen kredenzt. So schreibt es die EU-Regel vor. Diese Idee wurde jüngst im Planungsausschuss vorgestellt, dort aber vorerst auf Eis gelegt. Aus dem Rennen ist eine Zapfstelle in der früheren Trinkhalle unter der Rotunde. Weil man dann auch einen Aufzug einbauen müsste, würde das zu teuer.

Möglich ist, dass man zu einer Lösung greift, die derzeit in Burtscheid umgesetzt wird. Dort fließt das Wasser. Allerdings so, dass man kein Trinkgefäß befüllen kann. Dagegen laufen viele Burtscheider derzeit schon Sturm, die SPD hat eine Unterschriftenkampagne gestartet und hält es auch für ausreichend, eine Warntafel aufzuhängen. Allein: Die Stadt findet das eben nicht ausreichend. Ende offen.
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