Das einst neue AWO-Konzept ist jetzt allerorten Standard

Von: Kathrin Albrecht
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Aachen. 2003 wurde die Offene Ganztagsschule (OGS) im Primarbereich von der Landesregierung eingeführt. Auch in Aachen fasste die OGS Fuß.

Einer der ersten Träger, die das Angebot in den Grundschulen etablierten, war die Arbeiterwohlfahrt. Gabriele Niemann-Cremer, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes, wirkte damals maßgeblich bei der Einrichtung einer OGS mit.

„Das Konzept der Landesregierung sah vor, die Angebote mit Honorarkräften auf 400-Euro-Basis durchzuführen, ohne jeglichen pädagogischen Hintergrund“, erinnert sie sich, „das entsprach nicht unseren Ansprüchen.“ Ein eigenes Konzept für den Offenen Ganztag wurde erarbeitet, mit dem Niemann-Cremer gezielt die Aachener Kommunalpolitiker ansprach. „Uns war es wichtig, von Anfang an pädagogisches Fachpersonal einzubinden und viele Kinder mit dem Angebot zu erreichen, auch die, die außerhalb der Schule keine Möglichkeit haben, Sport- oder Musikkurse zu besuchen“, sagt die Geschäftsführerin.

Die Rechnung ging auf: Das von der AWO erarbeitete Konzept fand sowohl politische als auch finanzielle Unterstützung der Stadt. Der Verein „Betreute Grundschule e. V.“ wurde gegründet, dessen Vorsitzende Niemann-Cremer ist. 235 Mitarbeiter betreuen in 15 Grund- und drei weiterführenden Schulen das Angebot des Vereins. Neben einem Mittagsangebot und Hausaufgabenbetreuung bietet der Verein ein ganzheitliches Bildungs- und Betreuungsangebot, zu dem Museumsbesuche, Musik- und Kreativangebote, aber auch Ruhephasen beinhalten. 1427 Regelkinder und 405 Kinder mit besonderen Förderbedarf sind in 82 OGS-Gruppen von Vaalserquartier bis Walheim untergebracht. „Das entspricht einer Deckung von 60 Prozent“, erläutert Stefanie Koszucki, Geschäftsführerin des Vereins.

Doch nicht nur quantitativ habe sich etwas getan, auch qualitativ habe sich der Verein in den zehn Jahren positiv entwickelt. Sozialpädagogen und Erzieher bilden ein Leitungsteam, vor Ort arbeiten ebenfalls Sozialpädagogen, Erzieher und Heilpädagogen in den Angeboten. Allen steht ein umfangreiches Fortbildungsprogramm zur Verfügung. Die Arbeit von der Basis aus ist für Stefanie Koszucki der Schlüssel zum Erfolg. Auch in der Zusammenarbeit mit den Schulen habe sich in der Zeit ein konstruktives Miteinander entwickelt. „Im OGS findet ganzheitliche Bildung statt“, unterstreicht Stefanie Koszucki, „die informelle Bildung nachmittags unterstützt die formelle Bildung vormittags. Wenn ein Kind Spaß am Lernen hat, können wir das in unserem Angebot aufgreifen und fördern. So findet permanent eine Rückkopplung zum Schulunterricht statt. Kinder werden nicht nur betreut, sondern gut begleitet.“

Auch in der Politik hat sich das Konzept ein gutes Ansehen erarbeitet. Dennoch muss Stefanie Koszucki immer wieder die Erfolge der Arbeit bei entsprechenden Landes- und kommunalen Stellen in Erinnerung rufen. „Vor allem im Personalbereich stoßen wir an unsere Grenzen.“ Insbesondere die Inklusion stelle auch an die Ganztagsbetreuung Anforderungen. Doch nicht nur mehr Personal, sondern auch eine angemessene Bezahlung der Fachkräfte sei vonnöten. „Hier brauchen wir das Land“, betont Koszucki.

Auch baulich stoßen viele Schulen inzwischen an ihre Grenzen. Mensen, die zu Beginn der Offenen Ganztagsschule auf 75 bis 80 Kinder ausgelegt waren, müssen jetzt oft die doppelte Kinderzahl fassen. Hier seien weitere Mittel für den Ausbau nötig. Aachen komme da aufgrund der breiten Unterstützung seitens der Stadt noch gut weg. „Wir müssen aber jede Kommune gleichstellen“, sagt Stefanie Koszucki.

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