Das Da Theater präsentiert eine Liebesgeschichte mit Hindernissen

Von: Katharina Redanz
Letzte Aktualisierung:
11310485.jpg
Kulinarisches zum Kulturgenuss: Zum Theaterdinner in der Brasserie Aix serviert das Das Da Theater das Ein-Mann-Stück „Macho Man“ mit Tobias Steffen, der auf der Bühne in die Rollen von acht Personen schlüpft. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. In den 70er Jahren aufgewachsen mit Eltern, die der 68er-Bewegung angehören: „Ich bin zu einem Mann erzogen worden, der Frauen als emanzipierte Wesen sieht und erst recht keine politisch inkorrekten Aussagen treffen kann.“

Daniel Hagenberger ist im Urlaub in Antalya, im Rixa Diva Club Hotel, um die Trennung von seiner Freundin zu verarbeiten – die ihn verlassen hat, weil er nicht männlich genug ist. Definitiv eine Folge seiner alternativen Erziehung, wie er findet.

In Wirklichkeit steht Daniel (Tobias Steffen) auf einer Bühne in der Brasserie Aix und erzählt seine Liebes- und Leidensgeschichte. Jetzt fand vor ausverkauftem Haus die Premiere des Stückes „Macho Man“ von Moritz Netenjakob des Das Da Theaters statt. Inszeniert als Theaterdinner wurde dem Publikum mit einem Fünf-Gänge-Menü und einem überragenden Schauspieler ein Bühnenstück der besonderen Art geboten.

„Die Bühnenfassung ist brandneu“, erzählt Maren Dupont, die für die Inszenierung zuständig ist. „Wir selber haben dann noch ein paar Lieder hinzugefügt.“ Zwischen einzelnen Abschnitten des Stücks wurden die Gänge serviert – von Tapas über Zucchini-Senfsuppe und Perlhuhnbrust bis zu Mousse au Chocolat und Tiramisu. Zum siebten Mal gibt es diese Kombination aus Theater und Kulinarik. Gerade „Macho Man“ eigne sich perfekt als Theaterdinner: „Es passt von der Atmosphäre her toll in diesen Rahmen“, so Dupont, „die Zuschauer werden angesprochen und teilweise mit eingebunden, das ginge in unserem großen Haus mit vielen Metern zwischen Bühne und Publikum gar nicht.“

So braucht Daniel beispielsweise bei seiner Ankunft in der Türkei Hilfe mit seinem Koffer – eine Zuschauerin ist zur Stelle. Während seines Urlaubs in Antalya lernt Daniel Aylin, Animateurin im Hotel, kennen und verliebt sich in sie: Und Aylin, hinter der das ganze Hotel her ist, verliebt sich auch in ihn. In Daniel, das „Weichei“ aus Deutschland. Wie es der Zufall will, wohnt Aylin, ebenso wie Daniel, in Köln, so dass ein Wiedersehen kein großes Problem ist. Allerdings nicht nur zu zweit: Zurück in Deutschland lernt Daniel Aylins türkische Großfamilie kennen – inklusive Kaffeesatz lesen, Griechen-Witzen und Aylins „Macho-Bruder“ Cem.

Auf den Punkt werden auf der Bühne die Eigenschaften und Verhaltensweisen sowohl der Türken als auch der Deutschen, insbesondere der alternativen 68er-Generation, getroffen – wenn auch mit vielen Klischees. Doch gerade das bringt das Publikum zum Johlen, vor allem wenn der Hauptdarsteller sich selbst auf die Schippe nimmt: „Wenn ich alle Getränke zusammenrechne, die ich im Laufe meines Lebens aufgrund missglückter Flirts bestellt habe – ich käme locker auf ein Eigenheim.“

Er sei halt kein Macho, der immer genau wisse, wie mit Frauen umzugehen sei, erklärt Daniel. Doch im Laufe des Stückes wird ihm klar, dass Frauen wie Aylin gar nicht auf Machos stehen: „Wenn ich einen Macho will, gibt es in der Türkei viele Originale. Dann brauche ich keine billige Kopie aus Deutschland“, macht sie ihm klar.

Was sich anhört wie ein Dialog, wird alles von Schauspieler Tobias Steffen gesprochen und gespielt: „Macho Man“ ist ein Ein-Mann-Stück. „Das war es auch für mich eine Premiere“, erzählt Steffen. In die Rolle von insgesamt acht Personen schlüpft er während des Stückes. Die Herausforderung dabei sei, die ganze Zeit hochkonzentriert zu sein. Nach der Premiere nun sei er aber mehr als glücklich: „Ich bin total positiv überrascht. So eine Resonanz vom Publikum habe ich wirklich nicht erwartet.“

Am Ende des Stücks, nach der Nachspeise, gibt es einen Szenewechsel in die Türkei – und Daniel ergreift seine Chance, Aylin seine Liebe zu beweisen: mithilfe der hoteleigenen Karaoke-Anlage. Hier begreift er, dass die alternative Erziehung seiner Eltern, vielleicht doch nicht die schlechteste war.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert