Aachen - Das Da-Theater: Model gegen Mobbing und Aggression in Schulen und Kitas

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Das Da-Theater: Model gegen Mobbing und Aggression in Schulen und Kitas

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Sie wollen das Konzept von „Fels & Wasser“ noch stärker in der Städteregion verwurzeln: Tom Hirtz, Leiter des Das Da Theaters, und die Theaterpädagoginnen Miriam Peifer und Svenja Hamel (rechts) – mit Theaterhund Hera. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es wirkt auf den ersten Blick so einfach: über die Bühne laufen, kurz seinen Namen sagen und weiter geht‘s. Kann jeder. Oder doch nicht? Es geht um viel mehr bei „Fels & Wasser“, einem Projekt, das derzeit beim Das Da Theater mit Leben gefüllt wird. Über die Bühne laufen nämlich mitnichten geübte Darsteller.

Es sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 4 und 16 Jahren, die – und das ist der Knackpunkt – plötzlich im Mittelpunkt stehen. Alle Augen sind dann auf sie gerichtet. Und so etwas muss man als junger Mensch erst einmal auf die Reihe bekommen. Aber es klappt.

Weltweit umgesetztes Programm

„Fels & Wasser“ ist ein weltweit umgesetztes Programm, das im Das Da Theater seine regionale Heimat gefunden hat. Was kein Zufall ist, denn die Bühne in der Liebigstraße ist das theaterpädagogische Zentrum der Städteregion. In Svenja Hamel und Miriam Peifer hat der künstlerische Leiter und Geschäftsführer des Theaters, Tom Hirtz, offensichtlich das richtige Duo gefunden, um Ideen, Emotionen, Pädagogik und vor allem Spaß von „Fels & Wasser“ in den Köpfen und Herzen der Kinder anzudocken.

Der Spaß ist ein entscheidender Faktor der Idee – die Seriosität aber ihr Markenzeichen. „Es geht um beinharte Themen“, erklärt Tom Hirtz: „Um Training, um Selbstbehauptung, um Anti-Mobbing. Darum, die junge Generation selbstbewusst und stark zu machen für die vielen Herausforderungen, die sie zu bestehen hat.“ Dies umso mehr in Zeiten, in denen die Integration vieler Flüchtlingskinder alle vor neue zusätzliche Herausforderungen stellt.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Theaterpädagoginnen viel unterwegs. Sie fahren in Schulen und werden für eine Zeit Bestandteil des Schulunterrichts. Eine erste Modellphase ist abgeschlossen, bei der die Klasse 4c der Gemeinschaftsgrundschule in Roetgen dem Das Da Theater half, wichtige Erfahrungen zu sammeln. „Fels und Wasser sind die beiden Elemente der Selbstbehauptung und genauso im sozialen Umgang“, erklärt Miriam Peifer und geht ins Detail: „Fels sein bedeutet: Ich behaupte mich, stehe zu mir, zu meinen Freunden. Ich kann Grenzen setzen. Wasser bedeutet: Ich kommuniziere meine Bedürfnisse, ich nehme den anderen wahr. Ich höre zu, ich äußere mich, ich schließe Freundschaften und respektiere Grenzen.“ Der Fels steht im plakativen Namen des Projektes für die Stabilität, das Wasser für das flexible Reagieren auf Situationen und Herausforderungen.

Wie werden die theoretischen Ansätze mit Leben gefüllt? Wenn die Kinder zum Beispiel plötzlich im Mittelpunkt stehen und ihren Namen sagen müssen, dann haben viele bereits eine erste wichtige Hemmschwelle überwunden. Es folgen schnelle körperliche Übungen, bei denen man den anderen gleichermaßen aus dem Gleichgewicht bringen wie auffangen muss – eine Frage des Vertrauens. Man kommt sich im doppelten Sinn näher. „Kinder bewegen sich zu Musik und verharren auf Ansage von einer Sekunde auf die nächste zu einem Standbild, das ein bestimmtes Gefühl ausdrücken soll, und lernen so, spielerisch ihre Emotionen zu äußern“, erklärt Svenja Hamel. In einem niedrigschwelligen Prozess erfahren die jungen Menschen Verhaltens- und Wesensvarianten: Selbstbeherrschung, Selbstbewusstsein und Selbstreflexion, Kommunikation und soziale Kompetenz. Stressfrei und vor allem mit viel Spaß an der Sache.

Die jeweils sechs Einheiten in der Roetgener Schule waren der erste Schritt. In der integrativen Kita Sonnenschein und dem Kinder- und Familienzentrum St. Marien in Eschweiler folgte jetzt der zweite, in der Aachener Heinrich Heine-Gesamtschule der dritte. Überall ist die Resonanz überaus positiv. In Eschweiler wurden die Theaterpädagoginnen gebeten, doch unbedingt die Eltern einzubeziehen. „Die möchten verstehen, wovon die Kinder so begeistert erzählen und warum sich ihre Kinder plötzlich Zuhause kommunikativer verhalten“, freut sich Svenja Hamel über die offensichtlichen Erfolge.

Und in Roetgen setzten die Kinder das Erlernte wie selbstverständlich auch beim Fußball-Training um, ohne jede Anleitung. „Genau darauf kommt es uns an: Dass die Denkweise aus Fels & Wasser im Alltag ankommt“, betont Tom Hirtz. „Gerade vor dem Hintergrund der Flüchtlingsintegration. Die mimischen Elemente sind perfekt zur Kommunikation geeignet, wenn die Sprache noch eine Hürde darstellt. Und Kinder, die stark wie ein Fels und flexibel Wasser sind, brauchen vor Fremdem erst recht keine Angst zu haben.“

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