Das Baustelleninfosystem hat mehr als einen Haken

Von: Robert Esser
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Ein halbes Jahr Slalom-Fahren: Zwischen den Baulöchern auf der Debye-straße spült die Stawag dreckige Stromleerrohre. Foto: Michael Jaspers
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Umwerfender Zeitplan: Mehr als zweieinhalb Monate dauert die Betonierung einer Bushaltestelle auf der Mozartstraße. Foto: Robert Esser

Aachen. Manche Baustellen kann man schlichtweg vergessen. Das gilt vor allem für solche, die gar nicht mehr existieren – vor denen aber trotzdem im Baustelleninformationssystem der Stadt Aachen gewarnt wird. Dies gilt zum Beispiel für Kanalarbeiten in der Junkerstraße und die Teilsperrung des Pontdrieschs – beides erledigt.

Weil laut städtischem Presseamt aber Kapazitäten fehlen, „ständig jeder Verkehrsanordnung hinterherzurennen“, ist das Baustelleninformationssystem, das eigentlich Bürger via Internet jede Baustelle mit Anlass und Dauer auf einer Stadtkarte anzeigen soll, längst nicht so aktuell und vollständig wie anfangs erwartet. Bei der feierlichen Inbetriebnahme im Dezember 2013 hieß es noch: Das neue System solle gewährleisten, dass alle Baumaßnahmen und genehmigungspflichtige Sondernutzungen im Straßenraum – etwa die Aufstellung von Kränen und Gerüsten oder Veranstaltungen wie beispielsweise der „Sylvesterlauf“ – zentral in einer Datenbank erfasst werden.

Dies gelte für Maßnahmen von Stawag, Stadt, Stadtbetrieb, Telekom, NetAachen, Unitymedia sowie private Bauherren. „Die Bürger sollen auf einen Blick erkennen können, wo was los ist und wer wann und warum eine Straße aufreißt“, hatte das Baudezernat angekündigt.

Zwei Jahre später muss die Stadt einräumen, dass ihr Baustelleninformationssystem zuweilen ziemlich hinter der Realität herhinkt: So wurden erst kürzlich die extrem verlängerten Bauarbeiten für die Betonierung einer einzigen Bushaltestelle an der Ecke Mozartstraße/Reumontstraße aktualisiert. Ende November, nach mehr als zweieinhalb Monaten, soll die Haltestellen-Baustelle inklusive umfassender Baustellenabsperrung endlich verschwunden sein. Dabei muss der Beton für die Aseag-Boliden laut Presseamt zwar 28 Tage aushärten.

Aber: „Zu der Verzögerung kam es, weil nach Ausheben der Grube Zweifel aufkamen, ob der Untergrund standfest genug ist. Daraufhin musste ein Gutachten beauftragt werden, um das zu prüfen“, erklärte Axel Costard vom Presseamt auf AZ-Anfrage.

Hingegen tauchen die Baustellen auf der Debyestraße sowie Neuenhofstraße – Baubeginn Juni 2015 – überhaupt nicht im Baustelleninformationssystem auf: „Wir verlegen dort in bestehende Leerrohre Stromkabel, können also derzeit auf Gräben verzichten und benötigen nur etliche sogenannte Kopflöcher“, erläuterte Stawag-Sprecherin Eva Wußing. Allerdings stellte man fest, dass die Leerrohre extrem dreckig sind. „Sie müssen nun gereinigt und gespült werden, was sehr aufwendig ist und voraussichtlich noch einige Wochen dauern wird, zumal es um eine lange Strecke geht.

Dabei müssen wir – Ausnahmen auf der Debyestraße – meistens nur auf dem Gehweg oder im Bereich der Grünstreifen arbeiten, haben also nicht die sonst üblichen Verkehrsbehinderungen“, teilte Wußing mit. So soll die Stromversorgung in Richtung Aachen Süd-Ost/Kornelimünster sowie des Gewerbegebietes Pascalstraße verstärkt werden. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 50 bis 70 Jahren der Leitungen muss die Stawag jährlich rund 200 Kilometer Grabenlänge erneuern. Das bedeutet rund 20 bis 25 größere Baumaßnahmen jährlich. Zehn große Baustellen zählt die Stawag im Moment.

Warum das Baustelleninfosystem zuweilen unzuverlässig Maßnahmen anzeigt, erklärt die Stadt so: „Die Mitarbeiter verschiedenster Abteilungen müssten die Häkchen bei der Computereingabe der Verkehrsanordnungen an der richtigen Stelle setzen“, hieß es. Sonst könne man das System vergessen...

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