„Danke Toni Jansen“: Umarmungen für den Volkspriester

Von: cz
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Ein Ständchen für Toni Jansen (links): Die capella a capella singt für den beliebten Aachener Priester, der vor 31 Jahren das Sozialwerk Aachener Christen aus der Taufe gehoben hat. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. “Danke Toni Jansen!” Mit weißer Kreide auf schwarzer Tafel stand es handgeschrieben an der Wand. Keine anderen Worte konnten es für einen wahrhaft großen Menschen passender sagen als schlicht diese drei. Mehr als 100 Wegbegleiter, Freunde, Mitgestalter und Gäste sagten tiefempfunden Dank dem Priester Toni Jansen, der vor 31 Jahren das Sozialwerk Aachener Christen aus der Taufe hob.

Vor Monaten schon ließ die rasch von Mund zu Mund laufende Nachricht, “Toni Jansen ist schwer erkrankt“, viele Menschen in Aachen erschrocken innehalten. Seit einem halben Jahr lebt der 78-Jährige im Hospiz. Er war noch einer der rar werdenden Volkspriester. Nun verabschiedete er sich am Stammsitz in der Rosstraße von seinen Ämtern im von ihm gegründeten Sozialwerk.

Gute Nachrichten

Die Feierstunde wurde zu einem Freudenfest, zu einem Wiedersehen mit vielen Umarmungen. Weil ein quicklebendiger Toni Jansen seine Gäste begrüßte, zwar auf den Stock gestützt und mit kleinen Schritten tippelnd, doch putzmunter und verschmitzt wie eh und je. Die große Erleichterung aller mündete in Beifall, als Walter Eßer, Aufsichtsratsvorsitzender des Sozialwerks, verkünden durfte: “Eine neue Diagnose der Ärzte sagt, dass die frühere negative nicht zwingend ist. Wir sind wieder guter Hoffnung, dass unser Toni noch lange unter uns weilt.” Eßer ernannte den “lieben Toni” zum Ehrenvorsitzenden des Sozialwerks.

„Arbeit ist mehr als Geld verdienen!“ Diesen Leitgedanken Toni Jansens hob Birgit Legewie für die Mitarbeiter des Sozialwerks in ihrer Dankesrede hervor. Mit seiner Philosophie, dem Eintreten für Verständnis, Toleranz, Menschlichkeit und Humor hätten sich alle im Werk identifiziert. Die Niederlegung der Ämter sei kein Abschied. „Niemals geht man so ganz”, erinnerte Legewie an einen Trude-Herr-Song und versicherte Toni Jansen: “Sie sind und bleiben die Seele des Sozialwerks Aachener Christen.”

Alt-Oberbürgermeister Jürgen Linden hielt die Laudatio. Mit einem Hinweis auf die Mahnung von Papst Franziskus an seine Römische Kirche, sich mehr der Welt zu öffnen und dem Dienst an den Menschen zuzuwenden, sagte Linden: „Schon lange vorher hatte Toni Jansen den Auftrag begriffen, nahe bei den Menschen zu sein.” Er habe sich den Unterprivilegierten, Schwachen und Hilfsbedürftigen gewidmet, ihnen Zeit und Gehör geschenkt, bei der Eingliederung ins Berufsleben Hoffnung gegeben und geholfen, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln. In einer Zeit des wirtschaftlichen Strukturwandels und des bis dahin unbekannten Phänomens der Massenarbeitslosigkeit habe Toni Jansen mit dem Sozialwerk “etwas gemacht, was so von der Gesellschaft nicht geleistet werden konnte”. Er sei dabei immer Motor und fähig gewesen, „Menschen um sich zu scharen, die sich die gleichen Aufgaben stellten”.

„Das Sozialwerk ist eine besondere Erfolgsgeschichte”, rühmte Linden. Toni Jansen sei „als Feingeist, als Kulturmensch, stets auch den Fragen nach dem Sinn des Lebens hinterhergegangen”. Die Begriffe Arbeit, Leben, Sinn des Lebens habe Jansen zu vermitteln versucht, sie seien die Kernstücke, die das Sozialwerk charakterisierten. Den Abstand in der auseinandergehenden Arme-Reiche-Schere habe Jansen „ein klitzekleines Stück kürzer gemacht”. Gesellschaft und Hunderte junger Menschen müssten dankbar sein. Unter starkem Beifall der Gäste wünschte Jürgen Linden dem Gefeierten “noch einen guten, guten Lebensabend mit wunderbaren medizinischen Diagnosen”.

Mit der „ihm eigenen, mitreißenden Güte” habe Toni Jansen ein „Netzwerk zu den Herzen” geknüpft und dabei andere mitgenommen, dankte auch Oberbürgermeister Marcel Philipp. Gemeinsam wolle man deshalb „fröhlich danke sagen und nicht trauern, dass Sie nicht mehr in den Ämtern sind”. Eine nicht immer einfache Arbeit und eine schwere Last würden Jansen von den Schultern genommen. „Genießen Sie, was aus dem Sozialwerk geworden ist und dass wir uns oft noch begegnen”, wünschte Marcel Philipp.

Der so freundlich und warmherzig liebevoll umsorgte Toni Jansen ersparte sich eine lange Gegenrede, riss aber gestenreich einen Witz („Sitzt einer beim Frisör . . .”), in dem sich selbst der Papst mit einem Kraftausdruck des Öcher Platts mächtig zeigte, bevor er priesterlich verkündete: „Lassen wir uns mal wieder einen fröhlichen Tag machen, Amen!”

Die capella a capella hatte die Feier musikalisch eröffnet mit “Froh soll unser Lied erschallen . . . schenk Dir Gott ein langes Leben”, brillierte zwischendurch auf Öcher Platt mit dem “Plaatekopp” und dem “E jölde Hazz”, bevor sie nach dem verdienten vielfachen Lob auf Toni Jansen sang: “Hoch soll er leben, er lebe hoch, hoch, hoch“, was die wieder einmal bravourösen Sänger ausklingen ließen in den Jubel „auf Toni Jansen, Prost, Prost, Prost!”

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