Aachen - Daniels angenehme Katerstimmung

Daniels angenehme Katerstimmung

Von: Tim Habicht
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Machtlos: Den Schuss von Timo
Machtlos: Den Schuss von Timo Brauer zum 1:0 für die Alemannia kann Daniel Johnen nicht halten. Der Keeper des SV Eilendorf machte ein großes Spiel auf dem Tivoli.

Aachen. Am Tag danach herrscht Katerstimmung. Nein, nicht wegen der Niederlage. Nicht wegen der fünf Gegentore. Dieser Kater ist ausnahmsweise einmal ein ausgesprochen angenehmes Gefühl, sagt Daniel Johnen. Der 26-Jährige hat gefeiert. Und wie!

Mit seinen Mannschaftskollegen, mit Freunden und Familie. Bis in den frühen Sonntagmorgen hinein. Eine Fete der besonderen Art, nach einem Fußballspiel, das für die Eilendorfer sicher mit vielen Ausrufezeichen in die Vereinsgeschichte eingehen wird.

Rückblende: Es ist Samstagmittag, 13.15 Uhr. Daniel Johnen packt seine Sporttasche - wie vor jedem Fußballspiel. Schuhe, Trainingskleidung und zwei Paar Handschuhe. Daniel Johnen ist Torwart beim Landesligisten. Zusammen mit seinem Vater Paul Johnen, gleichzeitig sein Torwarttrainer, geht es wenig später mit dem Auto zum Spiel. Wie immer eigentlich.

Nur dass diesmal der Gegner des SV Eilendorf nicht in der Landesliga spielt, sondern Alemannia Aachen heißt. Und der Ball nicht in der Halfenstraße, sondern im rund 50 Millionen Euro teuren Tivoli rollt. Stadtderby im Mittelrheinpokal. Eigentlich haben die Eilendorfer ja Heimrecht, aber aus Sicherheitsgründen muss das Spiel an der Krefelder Straße stattfinden.

Daniels gesamte Familie sitzt vor seiner Abfahrt zum Stadion gespannt im Wohnzimmer. Man kann ihnen die Vorfreude auf den Nachmittag ansehen. „Dieses Spiel wird ein richtiges Highlight. Anfangs war ich nicht so nervös. Aber die Nervosität steigt von Minute zu Minute”, sagt Johnen und lächelt. Als Dortmund-Fan war Daniel mit einem Freund gemeinsam bei einem Champions-League-Spiel. Damals sagte er zu seinem Kumpel: „In so einem Stadion will ich auch mal spielen.” Jetzt soll der Traum Realität werden.

Als die Tasche fertig gepackt ist, geht es für Daniel los Richtung Stadion. „Wir wollen einfach das Beste mitnehmen. Ein Sieg wird aber vermutlich nicht drin sein”, glaubt Daniel Johnen. „Nicht so negativ sein!” ruft Sandy Honnen, seine Freundin. Zum Abschied gibt es von ihr einen Glückskuss.

Bevor sich alle Spieler des SV Eilendorf vor dem Tivoli treffen, gehen Daniel und sein Vater noch in den Fan-Shop. Der Schal zum Spiel muss gekauft werden. Bereits um 14 Uhr sind alle Exemplare vergriffen. „Da hat wohl ganz Eilendorf zugeschlagen”, schmunzelt Daniel. Weiter geht es zum vereinbarten Treffpunkt. Johnen zündet sich auf dem Weg eine Zigarette an und lacht schelmisch: „Als Amateurspieler darf ich mir das noch erlauben.”

Als sich die Mannschaft vor dem Stadion trifft ist die Stimmung ausgesprochen gut. Das gesamte Team freut sich riesig. Mit zwei Kästen Bier geht es in die Katakomben des Stadions. Obwohl Eilendorf Heimrecht genießt, geht es in die Gästekabine. „Auf die Heimkabine haben wir freiwillig verzichtet”, sagt Paul Johnen lachend.

Doch als die Mannschaft des SV den Rasen des Tivoli betritt, herrscht erstmals Schweigen. Die Spieler sind sichtlich beeindruckt vom Stadion und zücken ihre Handys, um Erinnerungsfotos zu schießen. Nach einigen Minuten kehrt die Unbefangenheit der Truppe zurück. Ein Spieler ruft: „Auf so einem Bolzplatz spiel ich nicht!” Es wird viel gelacht. „Das ist doch etwas anderes, als bei uns an der Halfenstraße. Es ist richtig schön”, sagt Johnen. Und mit strahlenden Augen fügt er hinzu: „Jetzt kriege ich langsam richtig Bock.”

Egal wie das Spiel ausgeht, die Mannschaft wird danach ordentlich feiern, haben sich die Eilendorfer vorgenommen. Eine große Party im Vereinsheim ist angesagt. Das Pokalderby soll gebührend gefeiert werden. Daran denken die Spieler allerdings noch nicht. Sie sind trotz all der Witze auf dass Spiel fokussiert. Paul Johnen sagt vor dem Anpfiff: „Ich freue mich für meinen Sohn, die Mannschaft und den ganzen Verein. Das wird ein großartiger Tag! Daniel ist definitiv ziemlich nervös gerade. Aber wenn er die ersten Bälle pariert, macht er sicher ein gutes Spiel.” Er sollte Recht behalten.

Bereits nach 42. Sekunden hat Daniel Johnen alles im Griff. Eine Flanke segelt in den Strafraum, souverän pflückt der 26-Jährige die Kugel herunter. Johnen hat gegen die unglaublich schwachen Aachener viel weniger Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Was auf seinen Kasten kommt, meistert er souverän, gegen die Tore, die dann doch fallen, ist er machtlos. Keine Frage. Er ärgert sich offensichtlich. Welcher Keeper holt schon gerne Bälle aus dem eigenen Netz! Und dann letztlich sogar fünf Stück.

Das zweite Tor der Alemannia, das hätte er verhindern können, glaubt Johnen. Aber geschenkt. Dass in der zweiten Halbzeit sogar „Johnen! Johnen!”-Sprechchöre durch das Stadion schallen, kann Johnen dann doch genießen. Nach Spielende werden die Amateurspieler im Stadion bejubelt wie Helden. Sie sind es ja auch. Gegen die „große Alemannia” im großen Stadion gespielt zu haben - das Erlebnis genießt man in vollen Zügen. Das nimmt man mit, als vielleicht das Highlight der Karriere.

Die Feierlaune transportiert die ganze Mannschaft mit in die Kabine und dann nach Eilendorf. „Wir haben kräftig einen draufgemacht”, sagt Johnen am Sonntagnachmittag. Und wie er sich fühlt, am Tag nach diesem Spiel? „Ich habe einen Kater!” schmunzelt der sympathische Keeper. Der vergeht, die Erinnerung an einen ganz besonderen Tag nicht
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