Aachen - Damit nach den Ferien beim Rechnen kein Bruch entsteht

Damit nach den Ferien beim Rechnen kein Bruch entsteht

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Bruchrechnung... wie war das noch mal? Vor den Sommerferien hatte Tim Müller (Name geändert) die Regeln noch drauf. Doch jetzt, in der 7. Klasse, fällt dem Schüler das Multiplizieren von Bruchzahlen plötzlich schwer. Einiges hat er vergessen. Im Mathe-Unterricht kommt er nicht mehr gut mit. Die Frustration wächst. „Genau in solchen Situationen setzt unser Konzept an“, erklärt Helmi Gehrt.

Die Lehrerin ist am Einhard-Gymnasiums Koordinatorin für individuelle Förderung. Seit vier Jahren gehören die Aachener einem NRW-weiten Netzwerk an, das sich die individuelle Förderung von Schülern auf die Fahne geschrieben hat. Geboren wurde die Idee vor acht Jahren in Köln an der dortigen Liebfrauenschule.

Mittlerweile haben sich auch Gymnasien aus Münster, Mülhausen und Düsseldorf dem Verbund angeschlossen. Vor kurzem fand in Aachen eine Tagung mit allen beteiligten Schulen statt, um die Förderkonzepte für die Kernfächer Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch und Latein weiter zu entwickeln.

Das Prinzip der individuellen Förderung sieht so aus: Merkt ein Schüler, dass er in einem der Fächer Nachholbedarf hat, kann er an seinen Schwächen zum Beispiel in Mathe oder Englisch arbeiten. Es kann aber auch sein, dass der Lehrer beim Korrigieren der Klassenarbeit feststellt: Tim Müller hat Probleme beim Bruchrechnen. Ein Vermerk sagt dann: Vielleicht könnten dir ein paar zusätzliche Stunden mit dem Thema helfen.

Am Einhard finden diese jeweils in der 7. Stunde statt – unter Aufsicht eines Fachlehrers. Allerdings: Frontalunterricht herrscht dort nicht. „Generell soll dies in selbstständiger Art und Weise geschehen“, legen Gehrt und ihre Kollegen viel Wert darauf, dass die Schüler in Eigenregie an ihren Mankos arbeiten.

Eine Hilfe gibt‘s natürlich trotzdem. Und da kommt das Netzwerk ins Spiel: Denn gemeinsam mit den Kollegen der anderen Teilnehmer-Schulen haben die Aachener Kollegen Lernmappen mit Aufgaben, vertiefenden Erklärungen und vielem mehr entwickelt.

Ist das nicht genau die Aufgabe, die eigentlich Schul- und Übungshefte übernehmen sollten? „Schulbücher werden für den klassischen Unterricht mit 30 Schülern und einem Lehrer geschrieben“, erklärt Ralf Gablik, Schulleiter des Einhard-Gymnasiums. Dies gehe aber am individuellen Förderbedarf oftmals vorbei. Und der ist definitiv vorhanden, wie Gablik versichert.

Gründe dafür gibt es viele. So nehmen die Anmeldezahlen an den Gymnasien in den vergangenen Jahren rasant zu. „Eltern legen zunehmend Wert auf eine gute Ausbildung“, weiß Gablik. Im Unterrichtsalltag heißt das dann: Das Lern- und Wissensgefälle der Kinder und Jugendlichen wird stärker.

In einigen NRW-Städten liegt die Quote derer, die von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln, inzwischen bei 60 Prozent. In Aachen wurde für das aktuelle Schuljahr die Prognose von 750 neuen Gymnasiasten abgegeben.

Tatsächlich sind es nun 1250 Schüler, die seit dem Sommer das Abitur anstreben. Allein das Einhard-Gymnasium fährt in diesem Jahr deswegen mit fünf statt vier Einstiegsklassen. Das stellt die Schulen vor Herausforderungen.

Der Einsatz der Lernmappen hilft dabei, dass jeder in seinem Tempo lernen kann – Schwächere ebenso wie Begabte.

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