Aachen - Damit „Maria“ ihre Stimmgewalt behält

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Damit „Maria“ ihre Stimmgewalt behält

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Sanfte Hörprobe: Der Glockensachverständige Norbert Jachtmann prüft jede Glocke auf Klang und Substanz. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein kurzer Hammerschlag und „Maria“ fängt an zu singen. Ein wohlklingendes „G“, fast jedem Aachener bekannt, aber in den Ohren von Norbert Jachtmann ein besonders ästhetischer Ton. Jachtmann ist Glocken-Sachverständiger und kennt sie besonders gut. 5800 Kilogramm bringt „Maria“ auf die Wage, sie hat einen Durchmesser von 207 Zentimetern – und ist doch wunderschön.

 Ihr Zuhause ist – genau wie das ihrer sieben Geschwister – die Spitze des Glockenturms im Aachener Dom. Aber wie alle schönen Geschöpfe muss auch „Maria“ hin und wieder in Inspektion, und dann ist Norbert Jachtmann gefragt. Am Montag lieh er den acht Glocken des Münsters wieder sein feines Gehör und prüfte den Klang der Glocken. Gemeinsam mit den Experten der Firma Petit & Edelbrock wurden zudem die mechanischen Teile, Lager und die Kettenspannung der Läutemaschinen überprüft. Was das Domgeläut angeht, steht der Heiligtumsfahrt im kommenden Jahr jedenfalls nichts mehr im Wege.

Jeder Schritt lohnt sich

Die Glockenexperten haben sicherlich einen der interessantesten Arbeitsplätze in dieser Stadt. Über die zahlreichen Steinstufen führt der Weg in endlosen Runden hinauf in das eigentliche Glockengebälk, durchzogen von einem diffizilen Leitersystem. Jeder anstrengende Schritt hinauf in die imposante Balkenlandschaft lohnt. Denn unterwegs ist man quasi per Du mit den acht Glocken, die einerseits den Öchern klarmachen, was die jeweilige Stunde geschlagen hat, andererseits für festliches Geläut an den hohen Feiertagen sorgen. Sieben der Kolosse aus Kupfer und Zinn stammen aus dem Jahr 1659, sind die direkten Nachfolger der Klangkörper, die unter dem Stadtbrand 1656 zu stark gelitten hatten und erneuert werden mussten. „Maria“ ist 1958 als Nesthäkchen hinzugekommen. Ihre Vorgängerin war die größte Glocke und vielleicht auch deshalb von den Nationalsozialisten als „Kriegsspende“ geopfert worden.

Ihrer Neuauflage leiht Norbert Jachtmann am Montagmittag sein feines Gehör, misst die Wandstärke an den Schlagstellen, überprüft die Joche, an denen die Glocken aufgehängt sind und ob die Lager noch korrekt ausgerichtet sind. In erster Linie kommt es ihm aber auf den Klang an, denn Jachtmann ist ausgebildeter Kirchenmusiker. Der gebürtige Krefelder hat am Aachener Gregoriushaus studiert, dann in Heidelberg die weitere Ausbildung zum Sachverständigen absolviert und in Erfurt die Prüfung abgelegt. Dort hat er auch die wohl schönste Glocke Deutschlands, die „Gloriosa“ im dortigen Dom, kennengelernt. Sein musikalisches Herz schlägt aber für das Rheinland. Er ist zuständig für die Dome in Aachen, Köln und Essen, verliert aber dabei seine kirchenmusikalischen Lieben nicht aus dem Auge.

„Hier in Aachen haben wir schon ein herausragendes Geläut“, versichert er – was Aachens Dombaumeister Helmut Maintz sicherlich gerne hört. Deshalb achtet der auch peinlich genau auf die regelmäßigen Inspektionen. Dass aber die Glocken selbst peinlich genau inspiziert werden, passiert eher seltener – es sei denn, man befindet sich im Jahr vor einer Heiligtumsfahrt. So wie jetzt. Ein kleiner metallischer Schaden muss dabei nicht unbedingt gravierende Folgen haben.

„Unseren Anwohnern fällt es in der Tat auf, wenn die Glocken nicht regelmäßig läuten“, betont der Dombaumeister, denn die Menschen im Domviertel brauchen im Grunde genommen keine Uhr. Jeder Viertelstunde wird mit einem kleinen Hammerschlag gegen die Glocke angezeigt, nur bei einem besonderen Anlass – Weihnachten, Ostern, Papstwahl – werden die großen Klöppel in Bewegung gesetzt. Dies alles geschieht aus der Sakristei heraus mit einem Knopfdruck. Diese Aufgabe übernimmt der Küster. Der muss sich aber an eine exakt festgeschriebene Läutordnung halten. Im Schaltkasten kann man auch die Auswahl der Lieder festlegen, das „Salve Regina“ oder auch das „Gloria“. Damit dabei jeder Ton passt, muss eben auch die Kettenspannung der Läutemaschine stimmen. Aber da sind Norbert Jachtmann und Helmut Maintz augenscheinlich entspannt. Sie haben die Technik im Griff und das Vertrauen in die Kraft ihrer „Maria“.

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