Damit Europa seine Seele nicht verliert

Von: Werner Breuer
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Auszeichnung im Aachener Dom (
Auszeichnung im Aachener Dom (von links): Andrea Rösch von der Fokular-Bewegung, Preisträger Hans Maier, Kardinal Walter Kasper und Peter Forst von der Fokular-Bewegung. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Hauptperson des Abends sprach von einer „kaum verdienten Ehre, jetzt mit solchen Persönlichkeiten in einer Reihe zu stehen”. Seit dem Wochenende gehört Professor Hans Maier nun zum honorigen Kreis derer, die mit dem Klaus-Hemmerle-Preis ausgezeichnet wurden.

Vor ihm waren der jüdische Professor Ernst-Ludwig Ehrlich, der ehemalige Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof i.R. Dr. Christian Krause, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel und der emeritierte Erzbischof von Oppeln, Alfons Nossol, mit dem Preis für ihre Verdienste als Brückenbauer zwischen Kirchen, Religionen und Weltanschauungen geehrt worden.

Mit Preisträger Nummer 5 kommt nun auch die Politik ins Spiel - zumindest ein bisschen. Schließlich war Maier einstmals Kultusminister des Freistaates Bayern, außerdem lange Jahre Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Als „Universalgelehrten” bezeichnete ihn Kurienkardinal Walter Kasper in seiner Laudatio im Aachener Dom. Den habe man „aus diesem Anlass festlich bearbeitet”, sagte Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff augenzwinkernd und verwies auf die frisch restaurierten Mosaike.

Auf die europäische Bedeutung dieses Bauwerks wies Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hin, um den Preisträger als Europäer zu würdigen. Maier kenne „wie kaum ein anderer die Vielfalt und den Reichtum europäischer Geschichte und Kultur, ihre jüdischen und christlichen wie ihre griechischen und römischen Wurzeln, ihre romanische, germanische, angelsächsische wie ihre östlich byzantinische Gestalt”.

Und es sei die Kultur, die Europa zusammenhalte, sagte Kasper, der davor warnte, angesichts von Globalisierung und Schuldenkrise alles einseitig nach ökonomischen Gesichtspunkten zu beurteilen. „So kann Europa, wie wir hoffen, den Euro retten, aber es wird seine Seele verlieren.”

In solchen Zeiten sind Brückenbauer gefragt. Und in diesem Sinne habe sich Hans Maier immer wieder hervorgetan, sagte der Kardinal aus Rom in seiner Laudatio. Als Laie, Gelehrter und Politiker habe er die Solidarität und das Zusammengehörigkeitsbewusstein unter deutschen und europäischen Christen gestärkt. Kasper hob Maiers „gebildeten Glauben” hervor; von der sogenannten „katholischen Enge” sei bei ihm nichts zu spüren.

Zuvor hatte Landesbischof i. R. Christian Krause als Vertreter der bisherigen Preisträger sich vor der „Lebensleistung” Maiers verneigt und erläutert, was die mit dem Klaus-Hemmerle-Preis Ausgezeichneten verbindet. Die Fokular-Bewegung, die den nach dem 1994 verstorbenen Aachener Bischof benannten Preis vergibt, setze sich ein für die „Verwirklichung jener Einheit, um die Christus bittet”.

Fokulare-Präsidentin Maria Voce unterstrich in einem Grußwort, dass von Elfriede Glaubitz von der Kölner Fokular-Gemeinschaft verlesen wurde, dass Maier in vielen hohen Ämtern „als katolischer Laie in die deutsche Gesellschaft hineingewirkt” habe. Dabei habe er gezeigt, dass das Christentum nicht im Gegensatz zu den anderen handelnden Kräften steht, sondern „einen komplementären Beitrag zum Aufbau und Wachstum der Zivilgesellschaft geben kann”.

In seiner Dankesrede erinnerte der Universalgelehrte Maier zunächst an seinen langjährigen Freund und Wegbegleiter Klaus Hemmerle, um dann einen anspruchsvollen Vortrag über das „Reich” zu halten. Er zeichnete die Entwicklung nach vom ostfränkisch-sächsischen Reich über das Heilige Römische Reich deutscher Nation bis hin zum Dritten Reich, womit der Begriff des Reichs nunmehr gründlich diskreditiert sei. Jenes erste Reich mache in der Reihe dessen, was danach kam, keine schlechte Figur, meinte der Preisträger. „Daran kann man in diesem Aachener Dom durchaus erinnern.”
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