Dahmengraben ist „absolute Katastrophe“

Von: Robert Esser
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Frust: Boutique-Chefin Gabriele Classen (l.) und Kosmetikstudio-Inhaberin Malu Wilz beklagen die Flaute am Dahmengraben.
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Sündhaft teure Parkplätze: Die Zufahrt von der Peterstraße zum Parkhaus Büchel führt – wegen der bis Juli angesetzten Baustelle auf der Ursuliner-straße – quer über den Dahmengraben. Die Umleitung ist als verkehrsberuhigter Bereich gekennzeichnet, Autofahrer parken hier reihenweise – was strikt verboten ist. Nur Halten ist erlaubt, sonst drohen Knöllchen.

Aachen. Am Dahmengraben steht manchen Geschäftsleuten das Wasser bis zum Hals. Till Schüler, Sprecher der dortigen Interessen- und Standort-Gemeinschaft (ISG), spricht von einer „absoluten Katastrophe“. Am Graben gehe die erfolgreiche Entwicklungsarbeit mehrerer Jahre gerade schnurstracks den Bach hinunter, klagt er.

Das Ausmaß der Misere ist in der kurzen Fußgängerzone zwischen Holzgraben und „Lust For Life“ unübersehbar: Mittlerweile stehen sechs Ladenlokale leer, ein weiteres plakatiert „Räumungsverkauf – wegen Geschäftsaufgabe“.

Vor dem Aus steht die Boutique „Zeitgeist“: Gabriele Classen zog mit ihrem Modegeschäft vor einem knappen Jahr von Würselen an den Dahmengraben. Ihre Bilanz klingt bitter: „Hier ist weniger los als in Würselen. Unser Umsatz ist deprimierend. Da hatten wir nach erfolgreichen Jahren in Würselen ganz andere Erwartungen“, sagt sie. Flaute. Weil auch das Schuhgeschäft „Tango“ zwei Häuser weiter die Segel streichen musste, ist das „Beauty Center“ von Malu Wilz bald von leeren Ladenlokalen geradezu umringt. Auf der anderen Straßenseite reihen sich leere Schaufenster aneinander – und eine alte Bar: „Le Bistrot“ hat bereits im Vorjahr dicht gemacht. „Das macht hier einen desaströsen Eindruck auf unsere Kunden“, ist Kosmetik-Expertin Malu Wilz sauer. „Von wegen Trendmeile! Hier geht‘s nur bergab“, ärgert sie sich über den Niedergang der traditionsreichen Einkaufsstraße.

Einzelhandelsspezialist Herbert Kuck von der Aachener Wirtschaftsförderung erkennt zwei Hauptgründe für den Negativ-Trend: „Man muss leider feststellen, dass der Einzelhandel – nicht nur am Dahmengraben – im Januar und Februar 2013 katastrophale Zeiten durchlitten hat. Offenbar kommt die Wirtschaftskrise erst jetzt beim Konsumenten an, er kauft spürbar weniger“, sagt Kuck. Zweitens: „Mancher Immobilieneigentümer leidet an fortgesetztem Realitätsverlust“, spricht der Experte Klartext. „Wenn für Ladenlokale am Dahmengraben Quadratmeter-Mieten von bis zu 100 Euro aufgerufen werden, muss man sich nicht wundern, dass das Geschäft keinen Mieter findet. Das ist einfach absurd!“ So verzichten einige Immobiliengrößen pro Jahr und Lokal problemlos auf 100.000 Euro Jahresmiete, weil sie anderswo glänzende Geschäfte machen. Und Geld wie Geduld haben.

Kuck denkt positiv: „Ich hoffe, dass Realismus einkehrt“, sagt er. Fachleute taxieren die realistische Quadratmeter-Miete am Dahmengraben auf rund 50 Euro. Kuck bietet Eigentümern wie Geschäftsleuten, die ein Ladenlokal suchen oder vermarkten wollen, die Hilfe der Stadt an: unter 4327612 und via Internet im Einzelhandelsinformationssystem (www.aachen.de). In den kommenden Wochen will die Stadt in einem speziellen Expertenkreis die strategische Entwicklung des Aachener Einzelhandels neu ausrichten. Denn die Haupteinkaufsstraßen formen in der historisch gewachsenen Kaiserstadt keinen Rundlauf für ideales Shopping. Vielmehr muss Aachens Einkaufswelt entlang der Haupt-Shopping-Route quer durch die City eine sogenannte „Knochenlage“ ausbalancieren. Damit den letzten Einzelhändler – etwa an der Großkölnstraße – nicht die Hunde beißen, wenn auf der anderen Seite die Kaiserplatz-Galerie Ende 2015 die Kundschaft an die Leine nimmt.

Dazwischen werde der Dahmengraben laut einem Immobilienbesitzer, der namentlich nicht genannt werden will, „in die Zange genommen“. Besagter Rechtsanwalt macht eine grundsätzlich falsche Konzeption der Einkaufsstraße für schrumpfende Passantenströme und verwaiste Geschäfte verantwortlich. „Die Straße mit dem Platz vor Lust For Life wirkt überhaupt nicht wie eine exklusive Shoppingmeile“, kritisiert er. Und fügt hinzu: „Das fängt schon beim Kopfsteinpflaster an: Darauf können Kundinnen mit Stöckelschuhen kaum laufen.“

2009 waren Holz- und Dahmengraben für 940.000 Euro generalüberholt worden. Der Jurist und Vermieter orakelt: „Es wird noch schlimmer werden.“

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