„Dafro” und „Befro”: Ex-Chef erneut vor dem Kadi

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Der Aachener Ex-Bauunternehmer Bernd F. (52) kassierte im Herbst eine Haftstrafe wegen Untreue und Bestechung - und wurde sofort im Gerichtsaal wegen Fluchtgefahr festgenommen.

Jetzt sitzt er wieder bei einer Großen Wirtschaftsstrafkammer des Aachener Landgerichts auf der Anklagebank.

Für Bernd F. geht es seit Mittwoch um zig Millionen Euro. Es sind Steuern, die er als Chef und Hauptgesellschafter der ehemaligen Aachener Tiefbaufirma „Dafro” alleine oder teilweise gemeinsam mit einer Angestellten und seinem Buchhalter hinterzogen haben soll.

Dabei floss unversteuertes Geld auf Geschäfts- oder Privatkonten und wurde vorsätzlich dem Zugriff des Fiskus vorenthalten, „verdeckte Gewinnausschüttung” heißt das im Jargon der Steuerfahnder.

Rückblick: Bereits im September sah es die 1. Große Strafkammer des Aachener Landgerichts als erwiesen an, dass der Aachener Bauunternehmer mit seinem prominenten Kumpel, dem ehemaligen Herzogenrather CDU-Chef Jürgen Gennen, die damalige Aseag-Energie (heute Enwor) um erhebliche Summen geprellt hatte - durch fingierte Aufträge und falsche Rechnungen der „Dafro” wie der Nachfolgefirma „Befro”.

Beide, der Kommunalpolitiker und Aseag-Energie-Mitarbeiter Gennen wie der Ex-Chef der Baufirmen, bekamen dafür vier Jahre Haft. Die Freunde hatten sich nach Ansicht des Gerichts „Aufträge zugeschanzt” und öffentliche Mittel in die eigene Tasche geleitet.

Jetzt sind rund 20 Taten von „Steuerverkürzung” zwischen 2001 und 2005 angeklagt, dazu das Nichtbezahlen von Sozialabgaben. Mit auf der Anklagebank sitzt die Geschäftsführerin einer weiteren „Dafro”-GmbH, Dagmar B. (47). Sie war als Subunternehmen für die „Mutter” Dafro-Tiefbaufirma tätig.

Auch der Angestellte Karl-Franz D. (55), der die Firmenbuchhaltung betreute, ist der Beihilfe zu einzelnen Tatkomplexen bezichtigt.

Finanzamt beobachtet

Staatsanwalt Jost Schützeberg listete am Mittwoch vor Richter Hans Laufenberg, dem Vorsitzenden der Kammer, minutiös die Summen auf, um die es in den kommenden neun Verhandlungstagen gehen wird.

Einmal waren es 1,9 Millionen Euro, die unversteuert auf einem Konto der Aachener Bank lagen. Ein anderes Mal fand die Steuerfahndung (der Finanzamtsleiter kam persönlich als Beobachter am ersten Prozesstag) 993.707 Euro auf einem Sparkassenkonto.

Insgesamt, so die Rechnung der Anklagebehörde, muss noch Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftssteuer sowie der anteilige „Soli” für beiseite geschaffte 3,1 Millionen Euro gezahlt werden.

Auch die Einkommensteuer für verdeckte Gewinne ist erheblich. Der Angeklagte Bernd F. kündigte für den kommenden Verhandlungstag (Mittwoch, 4. März, 9 Uhr, Justizzentrum Saal A.020) seine Einlassungen zu den Vorwürfen an.
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