Couven-Museum zeigt die Geschichte des Fächers

Von: Angelina Boerger
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Achtung, Wortwitz: Über eine besonders breit gefächerte Ausstellung im Couven-Museum freut sich Kulturdezernentin Susanne Schwier (l.) mit Kuratorin Dr. Dagmar Preising nach dem Motto „galant und elegant“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer heutzutage flirten möchte, spricht entweder ganz ungeniert sein Gegenüber an oder nutzt den breiten Markt an Dating-Apps und sozialen Netzwerken. Ganz anders war das noch vor 400 Jahren, wo man zwar genauso kräftig flirtete, jedoch auf andere Kommunikationsmittel zurückgriff.

So kokettierten die vornehmen europäischen Damen beispielsweise mit prunkvollen Fächern, um ihr Interesse an einer Liebschaft kund zu tun. 36 dieser Fächer aus der Zeit von 1690 bis ins frühe 20. Jahrhundert werden vom heutigen Freitag, 6. November, bis zum 31. Januar 2016 unter dem Titel „galant und elegant – Fächer vom Rokoko zum Historismus“ im Couven-Museum ausgestellt.

Die Sammlung aus dem Mainfränkischen Museum Würzburg beginnt mit Fächern aus Fernost, die im frühen 16. Jahrhundert von portugiesischen Seefahrern nach Europa gebracht wurden. Die fragilen Gebilde sind das Statussymbol der höfischen Dame, ganz besonders in Frankreich, welches zum Hauptproduktionsland von kunstvollen Fächern aller Art wird. Das Gestell mal aus Elfenbein oder Perlmutt, das Blatt aus feinster Tierhaut: In arbeitsteiligem Prozess wurden die Fächer mit hochwertigen Malereien verziert und kunstvoll bestickt.

Im 17. Jahrhundert hat der kostbare Wedel seine Hochzeit. Dort dient er der Adeligen zur nonverbalen Kommunikation mit dem männlichen Geschlecht. Liebe und Ehe, zu dieser Zeit strikt von einander getrennt, bieten ein breites Spektrum an Möglichkeiten für Romanzen aller Art. Im 18. Jahrhundert bricht sogar eine wahre Fächer-Euphorie aus – und jede edle Dame, die etwas auf sich hält, besucht eine „Fächerakademie“, um die sogenannte Fächersprache zu erlernen.

„Hielt man den Fächer beispielsweise in der linken Hand, hieß das ‚Ich suche Bekanntschaft‘; hielt man ihn in der Rechten, war dies eine Aufforderung der Frau zu folgen,“ erzählt Kuratorin Dr. Dagmar Preising. „Und strich die Dame sich etwa mit dem Fächer über die Lippen, forderte sie zum Kuss auf.“

Im 19. Jahrhundert wird der Fächer dann bürgerlich. Die Frauen tragen im Gegensatz zur pompösen Barockzeit nun schlanke, unauffällige Roben, was auch den Fächer kleiner und weniger verspielt werden lässt. Auch die Verwendung des Fächers ändert sich im 19. Jahrhundert maßgeblich. Er wird zum modischen Accessoire und verliert nach und nach seine kommunikative Kompetenz. Statt friedlicher Hirtenszenen oder spielender Liebespaare in freier Natur, werden vermehrt aktuelle Ereignisse aus Politik und Kultur abgebildet. Auch die Wertigkeit der Fächer sinkt. Er wird billiger und besteht zunehmend nur noch aus Holz und Papier.

Im 20. Jahrhundert mutiert der Fächer dann zur Massenware und wird hauptsächlich nur noch bedruckt statt aufwendig bemalt. Auch die Fächersprache geht gänzlich verloren. Damals dem Adel vorbehalten, kann heutzutage wirklich jedermann seinen Liebsten einen Fächer als Souvenir aus dem Urlaub mitbringen. Wer dennoch einen Blick auf das höfische Leben erhaschen möchte, um hinter die Geschichte der kleinen Flirthelfer aus China, Japan, England, Italien, Frankreich und Deutschland zu blicken, kann dies noch bis Ende Januar. Und wer weiß, vielleicht hat ja auch das erste Date Interesse an einem Besuch der Ausstellung...

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