Aachen - Couven-Gymnasium ehrt ehemaligen Schüler Fredy Hirsch

Couven-Gymnasium ehrt ehemaligen Schüler Fredy Hirsch

Von: Stefan Herrmann
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Ein Festakt für Fredy Hirsch: (v.l.) Andrea Genten, Reiner Herrmann, Hicham Zagotti, Susanne Hollmann, Dietmar Landscheidt, Valentin Amian, Friederike Tiedeken, Nele Pudenz, Dr. Peter Johannes Droste, Günther Sonnen, Ece Ibili und Dr. Jürgen Nendza verbindet der unermüdliche Einsatz, mehr über das Leben des Ex-Schülers des heutigen Couven-Gymnasiums herauszufinden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Hätte man Hicham Zagotti vor einem Jahr nach Fredy Hirsch gefragt, der Schüler des Couven-Gymnasiums hätte vermutlich eher kopfschüttelnd mit den Schultern gezuckt. Umso erstaunlicher, dass Zagotti und einige seiner Mitschüler im Februar 2016 der NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann in kleiner, exklusiver Runde ihre Forschungsarbeiten zum Leben Hirschs, des ehemaligen Schülers des heutigen Couven-Gymnasiums, präsentieren werden.

„Mich hat die Neugier gepackt, mehr über diesen Menschen zu erfahren“, sagt Zagotti. Dafür hat er mit seinen Mitschülern der Fredy-Hirsch-AG schon das Stadtarchiv durchstöbert, in vielen Stunden die Puzzleteile zusammengesetzt, die das Bild eines außergewöhnlichen Schicksals zeichnen. Ein Schicksal, das künftig noch enger mit dem Couven-Gymnasium verbunden sein soll.

Denn in einem großen Festakt wird die Schule an der Lütticher Straße am Freitag, 12. Februar, ihre Mensa in Fredy-Hirsch-Forum umbenennen. Ein symbolischer Akt, hinter dem für das Couven aber noch viel mehr steckt, wie Schüler und Lehrer im Einklang betonen.

100. Geburtstag am Donnerstag

Wer war Fredy (Alfred) Hirsch? In Aachen lange Zeit in Vergessenheit geraten, beschäftigen sich seit einigen Jahren immer mehr Menschen mit seiner Geschichte. Geboren am 11. Februar 1916 in Aachen, wäre der zweite Sohn des jüdischen Ehepaars Heinrich und Olga Hirsch in dieser Woche 100 Jahre alt geworden. Doch auf Fredy Hirsch wartete ein anderes, schlimmes Schicksal. Er starb am 8. März 1944 im Konzentrationslager Auschwitz. Hirsch war äußerst engagiert als Sport- und Pfadfinderfunktionär. Er war Jude und homosexuell.

Über Theresienstadt landete er schließlich in Auschwitz, wo er vielen Menschen – vor allem Kindern – das Leben rettete. Hirsch war, so deuten es viele Quellen, kein glattgebügelter Charakter, alles andere als einfach, eher eitel, vielleicht sogar etwas hochnäsig und gewissermaßen mit geradezu preußischen Tugenden ausgestattet. Und dann wäre da natürlich noch seine Verbindung zu Aachen und zum heutigen Couven-Gymnasium, das damals noch Hindenburg-Gymnasium hieß und das Hirsch bis 1931 besuchte.

Facettenreiche Persönlichkeit

„Ein Held muss nicht immer perfekt sein“, findet Schüler Hicham Zagotti heute gerade den Facettenreichtum von Hirschs Persönlichkeit und seiner Vita spannend. Für den bisherigen Schulleiter Günther Sonnen, der sich offiziell seit Ende Januar im Ruhestand befindet, stellen die Erinnerungs- und Dokumentationsarbeit, die Schüler und seine Lehrerkollegen leisten, einen sehr wichtigen Baustein dar, der nun im Festakt am 12. Februar auch öffentlich gewürdigt werden.

Schluss ist damit in Sachen Fredy Hirsch am Couven aber noch lange nicht. „Wir wollen weiter dokumentieren, forschen, hinterfragen“, schweben dem verantwortlichen Lehrer Dr. Peter Johannes Droste weitere Pläne vor. Dabei spielt die Kooperation mit dem Stadtarchiv eine wichtige Rolle. Dort können Schüler weiter auf Spurensuche gehen und anhand von Originalquellen das Leben der gesamten Familie Hirsch noch besser ausleuchten. Dieses Projekt wird vom Land NRW im Rahmen des Programms „Archiv und Schule“ gefördert.

Schon jetzt haben erste Presseberichte über Fredy Hirsch dazu geführt, dass sich Menschen beim Couven-Gymnasium gemeldet haben. So habe ein Mann, erzählt Sonnen, vor wenigen Tagen erst ein altes Fotoalbum abgegeben mit Aufnahmen, die mutmaßlich Fredy und/oder seinen älteren Bruder Paul zeigen. „Wenn es weitere Zeitzeugen gibt, sind wir sehr dankbar, wenn sich diese bei uns melden!“, so Günther Sonnen. Kontakt zum Couven-Gymnasium: Telefon 705200

Wie schnell manchmal alles gehen kann bei einer Geschichte, die eigentlich schon seit Jahrzehnten darauf wartet, aufbereitet zu werden, lässt Sonnen immer noch staunen. Denn erst in Vorbereitung auf die Feier zum 70-jährigen Bestehen des Couven-Gymnasiums im vergangenen Jahr war man an der Schule auf Fredy Hirsch aufmerksam geworden – und würdigte ihn mit einem Beitrag in der Festschrift. Daraus entwickelte sich schließlich mehr bis hin zur Umbenennung der Mensa am kommenden Freitag und dem Besuch der Zeitzeugen. Klar ist: „Fredy Hirsch wird bei uns in die Lehrpläne eingebracht“, sagt Sonnen. So soll jeder Schüler, der das Couven-Gymnasium besucht, das Leben und Schicksal des Mannes, der in Aachen geboren und dort zur Schule gegangen ist und später im KZ Auschwitz starb, kennenlernen.

Geburtsurkunde unter Verschluss

Sicher ist: Auch in Zukunft warten noch Dokumente über Fredy Hirsch und seine Familie auf Historiker ebenso wie auf die Schüler des Couven-Gymnasiums. Denn zum Beispiel die Geburtsurkunde des 1916 geborenen Hirsch lagert noch bis 2026 im Standesamt unter Verschluss. Erst dann, nach 110 Jahren, wandert sie ins Stadtarchiv und kann öffentlich eingesehen werden, wie Stadtarchiv-Mitarbeiterin Friederike Tiedeken weiß. Und möglicherweise nimmt die Schülergeneration, die nach Hicham Zagotti und Co. das Couven besucht, das dann zum Anlass, um noch mehr über den „vergessenen Helden“ Hirsch herauszufinden.

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