Countdown für einen rekordverdächtigen Festakt läuft

Von: Matthias Hinrichs
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Auch eine Art, auf Tuchfühlung mit gekrönten Häuptern zu gehen: Laura Kraneburg und Anja Ortmanns bereiten die Tischsets für die erlauchte Gästeschar beim Dinner in der Aula Carolina vor. Foto: Michael Jaspers
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„Spezialkommando“ für Peter Maffay: Jonathan Querg, Lukas Bergrath und Thorsten Bergrath sorgen für perfekten Klang im Krönungssaal. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Laura Kraneburg und Anja Ortmanns sind an diesem Dienstagmittag wohl die einzigen im schier unüberschaubaren Heer der fleißigen Hände, die kurz vor dem großen Festakt am Himmelfahrtstag schon mal auf Tuchfühlung gehen dürfen mit Hoheiten, Exzellenzen und Präsidenten. Wenn auch nicht direkt.

Die beiden Studentinnen falten gerade hunderte von weißen Servietten, die am Mittwochabend an den festlichen Tafeln in der Aula Carolina bereitliegen müssen, bevor die illustre Gästeschar sich gütlich tut an feinsten Forellenröllchen, Filetsteak mit Bohnengemüse, edlem Schoko-Dessert und Erdbeeren an Rhabarberkonfit. Die sprichwörtliche ruhige Hand beweist allerdings auch der „Chef“ der charmanten Damen. Als „Banquet Service Manager“ im Quellenhof hat Günter Foré in den vergangenen 36 Jahren Generationen von blaublütigen und bürgerlichen Volksvertretern mit kulinarischen Raffinessen beglückt. „Ich freu‘ mich auf ein Wiedersehen mit Felipe“, raunt er jovial. Den spanischen König hat Fouré nämlich schon weiland wahrlich fürstlich bewirten dürfen – als der ihn mit seinen inzwischen 1,97 Metern noch nicht um mindestens zwei (gekrönte) Haupteslängen überragte. Das war 1982, Prinz Felipe zählte gerade mal 14 Lenze, als sein Vater und Vorgänger auf dem spanischen Thron, Juan Carlos, mit dem Karlspreis geehrt wurde. So viel Zeit für augenzwinkernde Reminiszenzen darf sein – auch wenn die Vorbereitungen für den Empfang des diesjährigen Preisträgers Martin Schulz zwischen Pontstraße und Katschhof naturgemäß im Turbogang laufen.

Während im Krönungssaal die letzten Stühle zurechtgerückt werden, sondiert Jonathan Querg vom Bühnentechnik-Team Bergrath und Siebert den Sound fürs spezielle Mischpult, an dem sein Kollege Matthias Lunau am Donnerstag Platz nehmen wird – damit Lunaus Chef Peter Maffay, begleitet vom Sinfonieorchester des Theaters, gänzlich (stimm-)sicher über die berühmten sieben Brücken gehen kann.

Protokoll-Expertin Claudia Wellen hat derweil die wohl schwierigste Gratwanderung rund um den Karlspreis zu bewältigen. „Momentan fehlen noch Zusagen von zwei bis drei Delegationen“, erzählt sie. Bevor die „Sitzordnung“ angesichts der rekordverdächtigen Präsenz erlauchter Gäste gänzlich komplett ist, steht also noch reichlich heikle und komplizierte „Puzzlearbeit“ an. Schließlich wollen auch die Bodyguards von allein sieben Staatsoberhäuptern, etlichen Regierungschefs und Würdenträgern partout kaum mehr als eine Armeslänge von ihren Chefs entfernt bleiben. „Da blieb uns nichts anderes übrig, als viele, viele Absagen zu erteilen“, bedauert Evelin Woelk vom Presseamt – allein rund 140 Journalisten haben ein Plätzchen auf den Akkreditierungslisten ergattert.

Auf eine bequeme „Pole Position“ inklusive Käffchen unter freiem Himmel dürfen indessen nicht einmal die Hobby-Fotografen hoffen – auch wenn das Öcher Wetter sich von seiner kaiserlichen Seite zeigen sollte. Schon angesichts der schieren Masse an Limousinen und Ü-Wagen, die den Markt über die Jakobstraße ansteuern, geht dort in Sachen Außengastronomie bis in den Nachmittag hinein nämlich gar nichts, erklärt Josef Wery vom Ordnungsamt. Tische und Stühle müssen auch am Münsterplatz, am Fischmarkt, in der Kockerellstraße und in der unteren Pontstraße drinnenbleiben. Die Jakobstraße wird als wichtigste Einflugschneise der Prominenz am Donnerstag sogar komplett fürs „Normalblech“ gesperrt. Auch darüber hinaus ist mit einigen Behinderungen und kurzzeitigen Sperrungen zu rechnen.

Und mit Protesten – zumindest politischer Art. Auf dem Hof veranstaltet das Antikriegsbündnis eine Kundgebung gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Erwartet werden laut Polizeisprecherin Iris Wüster bis zu 100 Demonstranten. Eher dezent fällt da die Kritik der Grünen an den Mächtigen zwischen Helsinki, Brüssel und Madrid aus. Während der Feierstunde im Krönungssaal wollen die Parteigranden Buttons mit der Forderung „Flüchtlinge aufnehmen“ tragen, um „Solidarität mit allen Flüchtlingen weltweit zu zeigen und Europa an dieser Stelle in die Pflicht zu nehmen“, wie die Ratsfraktion am Dienstag mitteilte. Auch rund um Markt und Katschhof sollen die Anstecker verteilt werden. Es wird mit Sicherheit nicht der einzige politische Nadelstich sein, der bei dieser Karlspreisverleihung gesetzt wird.

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