Conti tritt auf die Bremse: Kurzarbeit im Reifenwerk

Von: Oliver Schmetz
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An viereinhalb Tagen stehen alle Räder still: Das Conti-Reifenwerk in Rothe Erde hat für Februar Kurzarbeit angemeldet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im Conti-Reifenwerk an der Philipsstraße muss man jetzt notgedrungen auf die Bremse treten - weswegen im Februar an manchen Tagen die Räder ganz stillstehen werden.

Kurzarbeit hat das Werk angemeldet, zunächst für einen Monat. Viereinhalb Produktionstage weniger werden in diesen vier Wochen in dem Betrieb mit rund 1300 Beschäftigten gefahren. Der Grund ist am Standort Rothe Erde der gleiche wie fast überall in der Republik: die Absatzkrise in der Automobilbranche und bei ihren Zulieferern.

Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist entsprechend gedrückt, wenn auch der jetzige Schritt „für die Belegschaft keine Überraschung war”, wie Betriebsratsvorsitzender Bruno Hickert sagt. Schließlich seien bereits in den vergangenen Monaten alle Möglichkeiten flexibler Arbeitszeit- und Urlaubskonten „ausgereizt” worden.

Denn bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte das Werk seine Reifenproduktion aufgrund der verschlechterten Auftragslage gedrosselt - um rund 250.000 Pneus von 6,65 auf 6,4 Millionen pro Jahr.

Die aktuelle Kurzarbeit schlägt mit einer Reduzierung um etwa 110.000 Reifen zu Buche. „Das ist bisher alles, was nicht heißt, dass es nicht noch mehr werden kann”, sagt Werksleiter Dirk Weber. „Wir müssen uns anpassen wie viele andere in der Branche auch.”

Die Sorgen der Belegschaft kann der Chef verstehen, er warnt aber ebenso wie der Betriebsrat vor Schwarzmalerei. Zwar habe man zum Jahreswechsel die Zahl der Leiharbeiter um 50 reduziert, doch seien weitere Jobs derzeit nicht in Gefahr. „Es gibt keine Pläne zum Abbau von Stellen”, sagt Weber.

Auch der hiesige Conti-Standort stehe nicht zur Disposition: „Das Werk arbeitet hoch profitabel, was für die gesamte Conti-Gummisparte gilt.” Auch Hickert sieht den Standort nicht in Gefahr: „Das war niemals ein Thema und wird es auch nicht sein.”

Sehr wohl Thema in der Belegschaft ist dagegen die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe mit all ihren offenen Fragen. Wie sieht der Konzern demnächst aus? Wird die Gummisparte ausgegliedert? Wer wird der neue Inhaber? Neben der Konjunkturkrise schwebe über allen auch noch „diese große Ungewissheit”, räumt der Werksleiter ein.

Aber: „Sorgen machen muss sich niemand, es sei denn, die Krise verschärft sich noch weiter.” Doch an Letzteres denken Weber und Hickert nicht, verbreiten eher Optimismus. „Es wird weiter Auto gefahren”, sagt der Werksleiter. Und deshalb hoffen auch die Aachener Reifenbäcker, bald wieder Gas geben zu können.
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