„Containern“: Aktion mit peinlichem Irrtum

Von: Stephan Mohne
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Lebensmittel gehören nicht in den Container: Das Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“ machte am Elisenbrunnen auf sein Anliegen aufmerksam. Im Kampf gegen die Kriminalisierung von Menschen, die Lebensmittel aus Containern holen, gab es jetzt jedoch auch einen „peinlichen Irrtum“. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Elf Millionen Tonnen durchaus noch brauchbare Lebensmittel landen jährlich in Deutschland auf dem Müll. Geschätzter Wert: 25 Milliarden Euro. Viele dieser Lebensmittel werden von Supermärkten in Containern entsorgt. Es gibt Menschen, die sich damit nicht abfinden und die Lebensmittel da wieder herausholen. Das nennt man dann entsprechend „containern“.

Nur: Auf einem Supermarktgelände derart vorzugehen, ist von Gesetzes wegen Diebstahl. Dagegen wehrt sich in Aachen ein Aktionsbündnis namens „Containern ist kein Verbrechen“. Und man wehrt sich dagegen, dass zwei dieser Aktivisten sich demnächst aufgrund eines Ermittlungsverfahrens der Aachener Staatsanwaltschaft wohl wegen des Vorwurfs des schweren Diebstahls vor Gericht verantworten müssen.

Aus diesem Anlass gab es am Samstag ein „Picknick“ am Elisenbrunnen, bei dem das Bündnis einmal anschaulich darlegte, was man so alles im Container findet. Nämlich unter anderem Obst und Gemüse, das derart dargeboten fast wie frisch aussieht. Doch während einige Supermärkte die Ware zum Beispiel an Tafeln weitergeben, seien sie für andere Märkte einfach nur Müll. Der fülle jährlich so viele Lkw, dass diese aneinandergereiht eine Kolonne bis nach Lissabon ergäben, wie die Verbraucherzentrale einmal ausgerechnet habe.

Ein durchaus hehres Anliegen also, das die Aktivisten verfolgen. Wobei sie in der vergangenen Woche allerdings deutlich übers Ziel hinausgeschossen sind. Und zwar in Bezug auf besagte Strafverfahren. Da hatten die Aachener Aktivisten gemutmaßt, es gebe seitens eines Aachener Supermarkts auch noch eine Nebenklage wegen Hausfriedensbruchs. Und hatten diesen Supermarkt im Internet bildlich an den Pranger gestellt mit der Aufforderung, auch dessen Internetauftritt mit Kommentaren zu versehen, dass die Nebenklage zurückgenommen werden solle. Zu der Veröffentlichung habe man sich entschlossen, nachdem weder der betreffende Konzern, noch die Filiale selber auf Bitten um Stellungnahme reagiert habe, hieß es zur Begründung.

Nur: Offenbar hat es eine solche Nebenklage von dem Supermarkt nie gegeben. Christian Walter, Sprecher des Bündnisses, reagierte daraufhin. Die Sache sei ein „peinlicher Irrtum“. Gleichzeitig forderte er dazu auf, Kommentare im Internet wieder zu löschen, und entschuldigte sich für den Fehler. Der Grundtenor jedoch bleibt. Besagtes „containern“ dürfe keine Straftat sein, meint das Aktionsbündnis. Und fordert deshalb auch die Aachener Staatsanwaltschaft auf, die Verfahren gegen die beiden Aktivisten einzustellen.

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