Container für 550 Menschen in Burtscheid

Von: Matthias Hinrichs
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Kritische Masse: Auf dem Gelände der Leo-Löwenstein-Kaserne wird Platz für 400 Flüchtlinge geschaffen. Auf dem nahen Sportplatz sollen 150 Menschen Unterkunft finden – rund 60 mehr als zunächst geplant. Viele Anwohner fühlen sich massiv getäuscht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die vollendeten Tatsachen stehen in Gestalt der ersten „Spaceboxen“ bereits seit ein paar Tagen sozusagen vor den Nasen der Anwohner. Letztere haben die Vertreter der Bürgerinitiative Burtscheid inzwischen gestrichen voll.

Auch wenn im Bereich zwischen der Leo-Löwenstein-Kaserne (früher Gallwitz-Kaserne) und dem ehemaligen Sportplatz an der Ecke Heidbendenstraße/Adenauerallee noch kein Flüchtling gesichtet worden ist.

Denn das wird sich bald gründlich ändern. „Inzwischen müssen wir davon ausgehen, dass auf kurz oder lang nicht – wie seitens der Stadt immer gesagt wurde – rund 90 Asylsuchende in unserem Umfeld untergebracht werden, sondern mindestens 750“, wettert Stefan Lindner von der Initiative. Und: „Wir fürchten, dass es selbst dabei nicht bleibt.“

„Versprechen nicht eingehalten“

Dies weist die Verwaltung auf Anfrage zwar mit Nachdruck zurück: Im Ganzen würden an den beiden Standorten „definitiv“ nicht mehr als maximal 550 Personen einquartiert, nämlich bis zu 400 auf dem Bundeswehr-Areal sowie bis zu 150 auf dem Sportplatz, betont Vera Ferber, Geschäftsführerin des städtischen Gebäudemanagements, auf Anfrage. Damit aber wäre das „Kontingent“ in Sachen Container bereits mehr als erreicht – und zwar flächendeckend.

„Wir halten uns an den Beschluss des Rates, Wohnmodule für rund 500 Flüchtlinge zu errichten“, sagt Evelin Wölk vom Presseamt. Heißt: Zumindest der Plan einer möglichst dezentralen Verteilung von Containerbauten wäre ein Fall für die bürokratische Tonne. Von den ursprünglich ebenfalls ins Auge gefassten Standorten Laachgasse und Kronenberg habe man inzwischen Abstand genommen, bestätigt Ferber überraschend. Die zunächst anvisierten Grundstücke seien langfristig ohnehin für eine reguläre Bebauung vorgesehen. Und die Option, auf das Kasernengelände auszuweichen, habe sich „nicht zuletzt aufgrund der guten Infrastruktur dort“ angeboten.

„Uns hat man über die Aktion noch nicht einmal in Kenntnis gesetzt“, schimpft dagegen Lindner. Und: „Auch das Versprechen, dass auf dem Sportplatz höchstens 90 Flüchtlinge untergebracht werden sollen, wird jetzt nicht eingehalten.“ Davon habe man erst erfahren, nachdem man ein Kölner Anwaltsbüro eingeschaltet habe. Dem sei auf Anfrage prompt beschieden worden, dass in direkter Nachbarschaft der Heidbendenstraße nunmehr nicht 52, sondern 104 „Spaceboxen“ aufgestellt werden.

„Wir haben immer betont, dass wir überhaupt nichts gegen Flüchtlinge haben. Unter diesen Umständen aber fragen wir uns natürlich umso mehr, wie diese vielen Menschen auch nur ansatzweise integriert werden können – im direkten Umfeld des Sportplatzes wohnen ja nicht einmal 70 Leute“, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen in diesem Zusammenhang lieber nicht in der Zeitung lesen will, weil sie fürchtet, „völlig grundlos in die rechte Ecke gestellt zu werden“.

Daher setze man nun alles daran, die Bürger mit Flugblättern zu mobilisieren: Am kommenden Sonntag, 10 Uhr, wolle man im Hotel Buschhausen an der Ecke Adenauerallee/Kornelimünsterweg erneut über die Situation beraten. „Bisher wurden wir von der Politik nicht ernst genommen, deshalb ist es jetzt nötig, dass alle Burtscheider aktiv werden“, heißt es in dem Appell, der am Donnerstag in zahlreiche Briefkästen geflattert ist. Spätestens mit der überraschenden Aktion an der Kaserne, die nur wenige hundert Meter vom Sportplatz entfernt liegt, werde die Aufnahmefähigkeit des Stadtteils heillos überfordert.

Momentan liege die die Einwohnerzahl in der näheren Umgebung bei etwa 2000. Damit zeichne sich ab, dass der Anteil der Zuwanderer in „Burtscheid-Süd“ in absehbarer Zeit bei rund einem Drittel der Bevölkerung liegen könnte – während aktuell bereits etwa 200 Menschen im Stadtteil Zuflucht gefunden hätten.

Dass eine adäquate Betreuung durch Hausmeister und Sozialarbeiter in den Unterkünften gewährleistet sei, könne man sich ebenfalls nicht vorstellen. Selbstverständlich werde nun auch dafür gesorgt, dass ausreichend städtisches Personal „vor Ort“ zum Einsatz komme, heißt es dagegen beim Presseamt. Zurzeit stünden neun Hausverwalter und fünf Sozialarbeiter zur Verfügung.

„Wir stricken gerade an einem Konzept, um das Team noch zu erweitern“, so Evelin Wölk. Dennoch bleibe es dabei, dass die Notlösung in Sachen Container auf maximal zwei Jahre befristet sei, unterstreicht Vera Ferber: „Nicht von ungefähr ist hier nach wie vor grundsätzlich von temporären Lösungen die Rede.“

Die Vertreter der Bürgerinitiative wollen die Politiker gleichwohl an ihr Versprechen erinnern, für möglichst kleinteilige Unterbringung der Schutzsuchenden zu sorgen. Bei der Bürgerfragestunde in der Ratssitzung am kommenden Mittwoch (17 Uhr, Rathaus) hoffe man auf große Resonanz, sagt Lindner.

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