Aachen - Comedy-Truppe „Grautvornix“ gehen Ideen auch nach 33 Jahren nicht aus

Comedy-Truppe „Grautvornix“ gehen Ideen auch nach 33 Jahren nicht aus

Von: Katharina Menne
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Große Gaudi in der Kappertzhölle: die Aachener Kabarett- und Comedytruppe „Grautvornix“ verzückte sein Publikum mit Sketchen, artistischen Einlagen und feinem Humor. Foto: H. Lachmann

Aachen. Mal haben sie Märchenphobien, mal machen sie Public Viewing im Schnee und zwischendurch nehmen sie auch gerne mal Politiker aufs Korn: Die Aachener Kabarett- und Comedy-Truppe „Grautvornix“ hat am Wochenende mal wieder gezeigt, dass sie nicht umsonst als die glorreichen Sieben der Öcher Kleinkunstszene gelten.

Getreu dem Motto „Uns graut es vor nix“ sangen, tanzten, spielten und blödelten sich Eva Vleek, Gaby Dufern, Krenne Aymans, Norbert Becker, Manni Grouls, Dieter Große-Heilmann und Stefan Huppertz im Saalbau Rothe Erde in die Herzen ihres Publikums.

Seit 33 Jahren machen die studierten Lehrer jetzt schon zusammen feinsten Quatsch und Slapstick, gewürzt mit einer Prise Artistik, Tanz und Musical und einer ordentlichen Portion Öcher Lokalpatriotismus obendrauf. „Wir überlegen uns noch immer alles selbst“, schwört Krenne Aymans. „Nur ganz selten übernehmen wir etwas – und wenn, dann wird es noch gehörig verändert und auf uns angepasst.“

So war zum Beispiel ein Youtube-Hit die Vorlage für ihren Handtuchtanz. In dem Video tanzen zwei nackte Männer einen akrobatisch-gewagten Tanz zu klassischer Musik und halten sich nur ein weißes Handtuch vor den Körper. Es gehört schon viel Übung dazu, das beste Stück nicht zu entblößen. „Grautvornix“ hat es wunderbar umgesetzt. Das Publikum johlte vor Vergnügen.

Ein weiteres Highlight des Abends war der Sketch zum Thema Public Viewing im Jahr 2022 auf dem Aachener Weihnachtsmarkt. „Olé, olé, olé, olé, wir gucken draußen im Schnee“ heißt es da oder „Süßer die Tore nie klingen“. Bei der Fußball-WM in Katar wird bis zum Finale gezittert – vor Kälte, versteht sich. Und statt La-Ola-Welle gibt es die Grippewelle. „Ein echtes Wintermärchen mit Heizdecke und Glühwein“, bringt es einer der Fußballfans im Sketch auf den Punkt. Den Abschluss der Szene machte eine neu getextete Version des letzten WM-Songs: „Wer friert uns diesen Moment ein?“

Ebenfalls schön: Angela Merkel und Sigmar Gabriel sitzen, wie die beiden älteren Herren bei Loriot, zusammen in der Badewanne und fachsimpeln über ihre Politik. Währenddessen tauchen immer wieder andere mehr oder weniger politische Gestalten zwischen ihnen auf, wie zum Beispiel Erdogan, Putin oder auch Jogi Löw. Dem gibt Angie dann auch direkt einen heißen Tipp für die EM-Aufstellung: „Ich beziehe seit Jahren keine Positionen und habe riesigen Erfolg damit.“

Als echte Öcher konnte die Truppe es sich auch nicht entgehen lassen, Stadt, Alemannia und Karl den Großen zu thematisieren. Da gab es die vollautomatische Paarberatung der Stadt Aachen in schönstem Öcher Slang: „Juten Tach, Sie haben en Problem, wa?“ oder den Jeräusche-Abfallsack mitsamt Jeräusche-Sammeltonne, mit dem ganze Hörspiele über Karl den Großen vertont werden können. Auch das Publikum wurde eingespannt und musste an den richtigen Stellen blubbern wie eine heiße Quelle, jubeln („Nein, nicht wie bei der Alemannia – es soll fröhlich klingen“) oder bedauernd „Au wia!“ rufen.

Zahlreiche kleine Akrobatik-Einlagen, lustige Bildershows und anderes lockerten die Sketchfolge zwischendurch auf. Spitzen in Richtung Deutsche Bahn, RTL, Billig-Fluglinien und englischem Königshaus blieben selbstverständlich auch nicht aus. Wer bis hierhin noch nicht voll auf seine Kosten gekommen war, um den war es spätestens bei der letzten Zugabe geschehen: beim Männer-Wühltisch. Nur in knappen Höschen mussten die Herren sich den kritischen Blick der Ladies gefallen lassen. Doch im Schlussverkauf, gibt es nur noch Restposten: der eine hat einen unansehnlichen Fleck am Hintern, der nächste ist zu behaart („Modell Flokati“) und der Dritte – ach, den könnte man doch mal anprobieren. „Steht der mich?“ Da blieb kein Auge trocken.

Die Nummer ist nicht nur der Liebling des Publikums. Auch Manni Grouls gibt zu, dass der Wühltisch zu seinen Favoriten gehört. „Der Sketch sendet die richtigen Signale: Mut zum Makel und dass man sich selbst nicht so wichtig nehmen soll – und außerdem haben mal die Ladies die Wahl.“ Ein Ende des Erfolgs von „Grautvornix“ ist jedenfalls auch nach 33 Jahren noch nicht in Sicht.

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