Collinet ist neuer Vorsitzender des Architektenbeirates

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Aachen. Hans-Dieter Collinet, Ministerialdirigent a.D., ist neuer Vorsitzender des Architektenbeirats der Stadt Aachen. Er wurde von den sieben Mitgliedern des Gremiums zum Nachfolger von Prof. Dr.-Ing. Peter Fuhrmann gewählt.

Der 66jährige Aachener war während seiner hauptberuflichen Tätigkeit beim Kreisbauamt des Kreises Heinsberg, als Abteilungsleiter bei der Stadt Stolberg und zuletzt im Ministerium für Stadtentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen beschäftigt. An der RWTH hatte er Architektur mit Schwerpunkt Städtebau studiert.

„Ich fühle mich geehrt, als Vorsitzender des Architektenbeirats gewählt worden zu sein und hoffe, den Erwartungen gerecht zu werden”, sagte er heute auf einer Pressekonferenz. Als geschichtsträchtige Stadt habe Aachen eine Verpflichtung, einfühlsam weiterzubauen und Antworten zu finden auf Fragestellungen wie den Klimawandel und die demographische Entwicklung. „Mit dem Architektenbeirat gibt es ein Instrument, um in einen offenen Dialog mit der engagierten Bürgerschaft einzutreten”, so Collinet. Der Abwägungsprozess trage dazu bei, das klassische Frontenverhältnis aufweichen.

Seinen Schwerpunkt sieht der langjährige Mitarbeiter des Landesministeriums in der Gestaltung des öffentlichen Raums: „Park und Platz, Freiraumgrün und Gärten interessieren mich schon seit vielen Jahren.” Durch seine Tätigkeit für das Land NRW habe er einen guten Überblick über die Situation in anderen Städten. Aachen nehme neben Münster in Sachen Baukultur eine Spitzenstellung in Nordrhein-Westfalen ein, sagte Collinet. „Die kreativen Kräfte suchen sich ihre Städte aus.” Das historische Erbe, die Urbanität, die Qualität der Architektur, Bildung und die Hochschule trage dazu bei, erläuterte der neue Vorsitzende. „Wohnen in der Innenstadt hat hier noch Tradition.”

Collinet weiter: „Die Baukultur ist schon lange nicht mehr nur ein Thema von Stadtplanern und Architekten, die sich verwirklichen wollen, sondern ein elementarer Bestandteil eines urbanen Stadtprofils, ein Standortfaktor für wirtschaftlich dynamische Städte. Dies ist durch viele Untersuchungen belegt. Baukultur ist keine Kür, sondern Pflicht.”

Besonders fasziniert sei er von französischen Städten wie Angers, Montpellier, Tours, Strasbourg und Grenoble.

Planungs- und Umweltdezernentin Gisela Nacken bezeichnete den Architektenbeirat als „wichtiges Gremium, das hilft, dieser Stadt Qualität zu geben.” Viele Bauanträge seien durch die Arbeit des Beirats wesentlich besser geworden. Er habe zwar nur eine beratende, keine entscheidende Stimme, habe aber immer sowohl Politik als auch Verwaltung gute Anregungen geben können. Beispiele für eine Veränderung der Entwürfe seien die Gestaltung des Daches der Musikhochschule am Theaterplatz und die Mayersche Buchhandlung, zuletzt die Domsingschule, die Erweiterung des Marienhospitals, das Dominformationszentrum, die Moschee, das Karmeliterkloster und das Gregoriushaus mit sehr intensiven Beratungen. Auch die Front des neuen Tivoli wurde auf Anregung des Architektenbeirates modifiziert.

Wann dieses Gremium in Aachen genau entstanden sei, wisse man nicht mehr so genau, erläuterte Günter Nellissen, Leiter des Fachbereichs Bauaufsicht. Es gebe bereits Sitzungsprotokolle aus dem Jahr 1954 - viel früher als der Erlass der Landesregierung aus den sechziger Jahren, der für größere Städte die Einrichtung solcher Gremien vorgeschrieben hatte.

In den über 50 Jahren seiner Geschichte seien geschätzte 1.500 Bauvorhaben im Beirat behandelt worden. Heute schafft der Beirat etwa 25 bis 30 pro Jahr. „Wir konzentrieren uns auf die Innenstadt, beraten in erster Linie über exponierte, einen Raum markierende Bauvorhaben”, so Nellissen. Oft seien es auch kleinere Dinge, aber keine Einfamilienhäuser. Auch wenn Architekten schon mal uneinsichtig seien, bei den Bauherren treffe man fast immer auf ein offenes Ohr. Seit den achtziger Jahren diskutiere man die Entwürfe nicht mehr beiratsintern, sondern im Dialog mit den Verfassern.

Dass bei einer Beurteilung eines Entwurfs nicht nur Gestaltung und Qualität eine Rolle spielen, ist Hans-Dieter Collinet durchaus bewusst. „Es gibt auch andere Zwänge.” Er bedauert, dass in Deutschland der Baukultur in der Bauordnung keinen allzu großen Stellenwert eingeräumt werde. „Das ist in den Niederlanden anders.” Ob das aber auch immer besser sei, könne man allerdings auch nicht wissen.
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