Clubsterben: Diskothek „B9“ macht dicht

Von: Luisa Thomé
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Ausgetanzt: Das „B9“ an der Blondelstraße schließt. Foto: Jaspers

Aachen. „Malteserkeller“, „FiftyFive“, dann „Königkeller“, „Stairs“ und schließlich der alte Jakobshof – das Clubsterben beunruhigt die Partyszene seit Monaten. Nun folgt die nächste Hiobsbotschaft für Nachtschwärmer: Ende Juni macht mit dem „B9“ an der Blondelstraße einer der ältesten Clubs Aachens dicht.

 Rudi Wesner, der Pächter der Kellerräume, möchte sich zur Ruhe setzen. 

1983 empfing die Location in der Blondelstraße die ersten Gäste – damals unter dem Namen „Zounds“. Als „Metropol“ diente der Laden anschließend als langjährige Konzertbühne für bekannte Musiker und hochkarätige Bands – Simply Red, Die Ärzte, Nina Hagen, The Sweet, John Mayall und viele andere Stars standen hier auf der Bühne. Vor 20 Jahren änderte Wesner nicht nur den Clubnamen zum jetzigen „B9“, auch das Konzept wurde neu aufgezogen: weniger Konzerte, mehr Partys.

Dem wird nun – zumindest vorübergehend – ein Ende gesetzt, denn ab Ende Juni wird es das „B9“ nicht mehr geben. Nach 30 Jahren wird Wesner den Ruhestand einläuten und der Clubszene den Rücken kehren. „Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit im B9 und habe die Entscheidungen auch aus emotionalen Gründen lange vor mir hergeschoben, doch irgendwann ist Schluss. 30 Jahre sind genug.“, erklärt Wesner. Hinter Wesner und dem „B9“ liegen Höhen und Tiefen.

2008 wurde das Rauchen in Gaststätten jeglicher Art auf abgetrennte Bereiche beschränkt – ein Gesetz, das erhebliche Besucher- und Umsatzeinbußen bedeutete. Als ab Mai 2013 das radikale Rauchverbot der rot-grünen Landesregierung in Kraft trat und Rauchen in allen gastronomischen Bereichen verbot, ging‘s vielerorts bergab. Mangels Gästen reduzierte Wesner die Öffnungstage der Diskothek. Wo zuvor häufig in der Woche gefeiert werden konnte, musste das Tanzen nun meist auf drei Tage pro Woche beschränkt werden. Die Abende mit langen Besucherschlangen am Eingang wurden seltener – mal abgesehen von Rauchergruppen.

Das Rauchverbot, die seit Jahren sinkenden Besucherzahlen, die reduzierten Öffnungstage – all das macht auch einem erfahrenen Gastronom zu schaffen. Wesner betont jedoch, dass all dies nicht der Grund für seinen Ruhestand sei: „Das B9 hat in 30 Jahren nie rote Zahlen geschrieben. Auch wenn es gute und schlechtere Zeiten gab, werfe ich nicht das Handtuch. Ich erlaube mir nur einen wohlverdienten Ruhestand und mache den Weg frei für die nächste Generation“, sagt er.

Allerdings: Es gibt neue Aachener Interessenten, die an der gleichen Stelle etwas Neues aufziehen möchten. „Es ist in meinem Interesse, die Räume des derzeitigen B9 in kompetente Hände weiterzureichen“, sagt Wesner. Auch die Stadt sieht die Veranstaltungsräume als attraktive Lokalität: Die Räume seien weiterhin als Diskothek voll konzessioniert, heißt es. Ob es zu einer Neuverpachtung kommt, ist aber offen. Sicher ist: Ende Juni wird das momentane „B9“ schließen. Vorher, am Samstag, gibt es noch eine Party zum 20-jährigen Jubiläum.

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