Citykirche: Prachtvoller Barockaltar nicht zu retten

Von: Anja Klingbeil
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Ein Raub der Flammen: der historische Hochaltar von St. Nikolaus. Jetzt hat sich herausgestellt, dass er nicht mehr zu retten ist. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dieter Spoo wirkt gefasst. Der Cityseelsorger steht inmitten der St.-Nikolaus-Kirche an der Großkölnstraße. Links und rechts von ihm erheben sich mächtige Gerüste. Sie reichen bis unter die Gewölbe des alten Gemäuers. „Wir haben am Anfang noch gedacht, dass die Zerstörungen vielleicht nicht so groß sind”, sagt Spoo.

Doch das Feuer in der Silvesternacht war verheerender als angenommen: Der Hochaltar der Citykirche St. Nikolaus ist nicht mehr zu retten. Zu schwer ist das Kunstwerk aus dem 17. Jahrhundert beschädigt. Eine Feuerwerksrakete war in den Chorraum geschossen worden. Das trockene Holz und die alten Ölgemälde, die den Altar einst zierten, wirkten wie ein Brandbeschleuniger.

Damit sind wertvolle Kunstschätze für immer verloren. Das ganze Ausmaß ist erst jetzt bei den Renovierungsarbeiten sichtbar geworden. Neue Hinweise auf die Täter gibt es nicht. „Die würden auch in ihrem Leben nicht mehr glücklich. Immerhin handelt es sich hier um einen Schaden von mehreren Millionen Euro”, sagt der Cityseelsorger.

Die Malerarbeiten im Hauptschiff und in den Seitenschiffen sind abgeschlossen. In den kommenden vier Wochen sollen die Gerüste abgebaut werden. „Hier war alles voller Ruß, der Boden, die Wände, einfach alles.” Wenn die Gerüste weg sind, soll der Boden freigelegt werden. Dann wird sich zeigen, welche Schäden sich dort noch verbergen. „Wir glauben, dass wir dort vielleicht noch Wasserschäden finden.” Löschwasser könnte in den Blaustein- und Holzboden der Kirche eingedrungen sein.

Auf der Empore, wo bis vor dem Brand die Orgel stand, ist nun ein neuer Raum entstanden. Das Instrument ist gereinigt worden und wieder zurück nach St. Foillan überführt worden. „Dort sollte es eigentlich auch immer hin”, sagt Spoo. Der neue Raum, der sich nun bietet, soll genutzt werden, betont der Cityseelsorger. Dort könnte etwa neue Ausstellungsfläche entstehen.

Ab September soll der große Hauptraum im Mittelschiff wieder für Veranstaltungen genutzt werden, ist Dieter Spoo zuversichtlich. Die erste große öffentliche Veranstaltung soll am 27. September der internationale Tag des Flüchtlings sein. Am 7. Oktober steht die Nacht der Kirchen an. „Das Architektenbüro Paulssen & Schlimm sowie die Architektin des Bistums, Moemi Welter, leisten sehr gute Arbeit”, sagt Spoo.

Der Blick in den Altarraum wird den Besuchern dann allerdings verborgen bleiben. Er wird noch weitere zwei Jahre durch eine Trennwand separiert. Dahinter erhebt sich noch der mächtige Hochaltar, der gleichzeitig so zerbrechlich wirkt. Von ihm ist nichts mehr übrig als ein Grundgerüst. Feuer und Hitze haben ganze Arbeit geleistet. „Wenn man da jetzt kräftig gegen schlagen würde, dann würde der Altar einfach umfallen”, sagt Spoo. Auch der Altarraum ist eingerüstet. Durch die Hitze sind nicht nur die Fenster geborsten, auch der Putz platzt an vielen Stellen von den Wänden ab. Zudem haben die Architekten festgestellt, dass das Chorgewölbe durch den Brand auch statisch beschädigt wurde. Einige tragende Steine der Rippenbögen sind lose. „Es ist gut, dass ein Gerüst dicht unter dem Chorgewölbe steht”, sagt Dieter Spoo und blickt nach oben, „sonst würden uns wohl einfach Steine auf den Kopf fallen.”

Aber so zerstört es im Hochchor momentan auch aussieht, Dieter Spoo hat schon einige Ideen zur Neugestaltung - ein kleines, feines Kunstwerk eines modernen Künstlers etwa. „Wir brauchen ja keinen klassischen Altar”, sagt Spoo. Eine Reihe von Künstlern hat der Cityseelsorger bereits angesprochen. Dazu sollen einzelne gut erhaltene Fragmente des Altars den Raum schmücken. Fest steht auf jeden Fall eines: „Die Citykirche ist ein offenes Haus. Und das soll es auch weiterhin bleiben”, sagt Dieser Spoo.
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