Citykirche lässt vor Jahresende die Hüllen fallen

Von: Robert Esser
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Allein dieses Maßwerk-Ornament am Flaschenzug wiegt 130 Kilogramm: Die Steinmetze Markus Müller (r.) und Sylvester Pawlik fügen die neuen Sandstein-Elemente in 20 Metern Höhe zusammen. Foto: Michael Jaspers
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Wieder stabil: Cityseelsorger Dieter Spoo (l.) und Architekt Mathias Paulssen begutachten die neuen Stahlbetonspangen unter dem Kirchendach. Foto: Michael Jaspers
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Bald ohne Baugerüstplanen: Wenn die neuen Maßwerkfenster inklusive Verglasung fertig sind, soll die Citykirche St. Nikolaus enthüllt werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auf viele Hiobsbotschaften folgt endlich frohe Kunde: Vier Jahre nach dem verheerenden Brandanschlag auf die Aachener Citykirche St. Nikolaus soll das riesige Baugerüst fallen. „Unser Plan ist, dass die Kirche noch vor dem Winter dicht ist“, erklärt Architekt Mathias Paulssen. Will sagen: rundum vor Wind und Wetter geschützt.

Obwohl im Innenraum noch unermesslich viel Sanierungsarbeit wartet, stünde das markante Gotteshaus dann noch vor Jahresende wieder hüllenlos an der Ecke Großköln-/Minoritenstraße.

Tonnenschweres Puzzle

Hinter den über 20 Meter hohen Planen des Gerüsts puzzeln Steinmetze gerade millimetergenau tonnenschwere Ornamente zusammen. Aus 30 Kubikmetern Nivelsteiner Sandstein wurden die sogenannten Maßwerkfenster erst computergesteuert gefräst, dann von Hand mit Hammer und Meißel filigran nachgearbeitet. Der seltene Stein, ursprünglich aus Herzogenrath, stammt aus Reserven des Domkapitels.

Er umrahmt künftig die hohen Fenster des Chorraums. In diesen hatte ein Unbekannter in der Silvesternacht 2010/11 eine Feuerwerksrakete geschossen. Der kostbare dreigeschossige Hochaltar fing sofort Feuer. In kaum mehr als 25 Minuten brannte er fast komplett nieder, die Hitze sprengte Bleiverglasungen und schädigte das Mauerwerk schwer. Später stellten Experten extreme statische Mängel rund um die Gewölbekappen des rund 600 Jahre alten Gemäuers fest.

Diese traten im Zuge der Brandsanierung zutage, sind aber wohl auf den Sparzwang des Bauherrn, des bettelarmen Franziskaner-Ordens, zurückzuführen. Im vergangenen Winter holten Experten historische Versäumnisse mit moderner Technologie nach: Gut zehn Meter lange Stahlbetonspangen klammern die Außenmauern. Was ewig hält. „Aber es war ein ungeheurer Aufwand“, sagt Paulssen.

Steinmetz Markus Müller und sein Team passen jetzt schon das dritte Maßwerkfenster an. „An solch einer Kirche zu arbeiten, ist eine riesige Herausforderung. Alles muss hundertprozentig passen. Es gibt keinen Spielraum“, sagt der Meister. Die Zeit drängt. Tausende Einzelscheibchen aus der Linnicher Glasmalerei Oidtmann liegen schon zur Montage bereit.

„Es ist ein gutes Gefühl, dass die Sicherungsarbeiten abgeschlossen sicnd“, freut sich Paulssen. „Jetzt läuft der Wiederaufbau, es geht zügig voran“, fügt er hinzu. Was nicht zuletzt an der – wie Paulssen und Cityseelsorger Dieter Spoo betonen – „absolut reibungslosen Zusammenarbeit“ mit der AachenMünchener liege. Die Feuerversicherung überweist Millionenbeträge. Dass jemals ein Täter ausfindig gemacht und auch finanziell zur Rechenschaft gezogen werden kann, gilt als aussichtslos.

AM-Sachverständiger Bernd Frantzen will sich noch nicht auf eine endgültige Schadenssumme festlegen. „Es können immer überraschende, kostspielige Schäden auftauchen“, warnt er. Auf über vier Millionen Euro ist die Summe knapp dreieinhalb Jahre nach dem Inferno geklettert.

Ob letztlich die Fünf-Millionen-Marke überschritten wird, liegt auch an der „Möblierung“ des Chorraums. Technisch wäre ein neuer Hochaltar auf Basis des verbliebenen Rumpfes zu bewerkstelligen. Cityseelsorger Spoo favorisiert jedoch eine weniger kolossale, bescheidenere Lösung. Die Entscheidung steht aus.

Zunächst muss die Kirche „dicht“ gemacht werden. So können Handwerker und Künstler die Innenwände des Chorraums im kommenden Winter verputzen, streichen und originalgetreu bemalen. Danach dürfte die Kirche die nächste frohe Botschaft verkünden: Spoo hofft, dass die komplette Wiederherstellung Ende 2015 erledigt ist – zwei Jahre früher als noch vor Monaten befürchtet.

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