Citykirche lädt zur „Aachener Winterreise“ ein

Von: Kristina Toussaint
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Stellen die „Aachener Winterreise“ vor: Simone Holzapfel, Elisabeth Popien, Dieter Spoo und Stefan Weiller. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ob auf der Flucht, wohnungslos oder von Armut betroffen – Schicksale, die wie ein Rundumblick auf die sozialen Notsituationen in unserer Gesellschaft wirken. Im Kunstprojekt „Aachener Winterreise“ werden sie zu einem Abend mit Musik, Texten und Videoprojektion verwoben.

Den musikalischen Rahmen bietet Schuberts Liederzyklus „Winterreise“, vorgetragen von renommierten Musikern. Die aus Begegnungen mit Betroffenen entstandenen Texte sollen deren Not spürbar machen und den Zuschauer zum Nachdenken anregen. Quell der Hoffnung ist bei dieser düsteren Thematik die Gemeinschaft.

30 Begegnung

An die 30 Begegnungen hat Projektinitiator Stefan Weiller in monatelanger Recherche in Aachen erlebt – neben wohnungslosen, finanziell schwachen und geflüchteten Menschen sprach er auch mit Mitarbeitern von sozialen Einrichtungen wie Bahnhofsmission, Caritas oder Café Zuflucht. Vorgetragen werden die aus den Geschichten entstandenen Texte am Abend der „Aachener Winterreise“ von den Sprechern Helmut Krauss und Birgitta Assheuer, die Betroffenen bleiben auf eigenen Wunsch und zum Schutz vor Stigmatisierung anonym.

Die Verbindung zwischen den Schicksalen von Menschen und dem 190 Jahre alten Liederzyklus von Franz Schubert und Wilhelm Müller kam Weiller bereits vor sieben Jahren im Gespräch mit einem wohnungslosen Mann in den Sinn. Es begann eine Spurensuche nach weiteren Anknüpfungspunkten an die „Winterreise“, die das Projekt durch inzwischen 25 Städte touren ließ.

Durch die individuelle Recherche ist die deutsche Winterreise in jeder Stadt ein wenig anders. Das Kunstprojekt soll dabei nicht als politische Demonstration verstanden werden, sondern dokumentarisch die spezifische Situation der Stadt zeigen. Am 30. Oktober wird so also Aachens „sozialer Fingerprint“ deutlich werden, so Dieter Spoo von der Citykirche.

Anspruch des Projektes ist es, den Menschen nachvollziehbar zu machen, in welcher Lage sich Andere in ihrem Umfeld befinden, und an den Gemeinschaftssinn zu appellieren. Das Leid unserer Mitmenschen greifbar machen - gerade in der aktuellen Situation, in der die Stimmung in Bezug auf die Flüchtlingspolitik zu kippen droht, ist das wichtig, findet Weiller.

Videokunst

Der Fokus auf die Gemeinschaft spiegelt sich auch in der Auflösung der Frontalvorführung wieder: Die drei Sänger und der Heinrich-Schütz-Chor tragen die „Winterreise“ unter Klavierbegleitung von Hedayet Djeddikar aus verschiedenen Singposition vor. Dabei brechen die Lieder teilweise in die vorgetragenen Texte hinein, und ebenso unterbrechen Textfragmente die Musik. Als drittes Element werden Bild- und Textprojektionen des Videokünstlers Ralf Kopp in den Raum projiziert.

„Es ist ein Blick in den Abgrund“, sagt Weiller über das Kunstprojekt. Gegenwärtig in allem Leid ist jedoch auch die Zuversicht, die der „Winterreise“ die Finsternis zu nehmen vermag.

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