Aachen - Citykirche: Feine Aussichten im Chorraum

Citykirche: Feine Aussichten im Chorraum

Von: Stefan Herrmann
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Derzeit ist der alte gotische Altar im Chorraum der Citykirche zu sehen: In wenigen Wochen verschwindet dieser aber unter dem frühgotischen Hochaltar. Der dreistöckige Holzbau kehrt nach dem Brand restauriert und in neuem Gewand in wenigen Wochen nach Aachen zurück und verhüllt nach abgeschlossener Montage regelrecht den ursprünglichen Altar. Foto: Andreas Steindl

Aachen. So eine Weitsicht konnten Besucher der Citykirche St. Nikolaus seit vielen Jahren nicht mehr genießen. Genauer gesagt: seit der Silvesternacht 2010/11.

Damals brach das Unglück in Form von Silvesterraketen über die Kirche hinein, als diese durch die Fenster des Chores in das Kirchenschiff einschlugen und den kostbaren frühbarocken Hochaltar sowie einen Großteil des Gewölbes und die Ostseite der Kirche in Brand setzten.

Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Schnell war man sich einig, den Sakralbau wieder herzurichten. Doch die Sanierungsarbeiten gestalteten sich aufwendiger als gedacht. Und sie dauerten deutlich länger als anfangs vermutet.

Kosten gehen in die Millionen

Gut fünf Jahre nach dem Feuer steht die evangelische Pfarrerin Sylvia Engels nun im Kirchenschiff und lässt den Blick durch das 50 Meter lange Gebäude schweifen. „Das ist das erste Mal, dass ich das in der Form tun kann“, erzählt sie. Denn Engels trat ihre Stelle im Pastoralteam der Citykirche 2011 kurz nach dem Brand an.

„Damals war hier alles zerstört, die ersten Gottesdienste konnten wir im Herbst 2011 feiern, umgeben von Gerüsten“, erinnert sie sich. Und die Chorhalle war all die Jahre vom Kirchenschiff komplett durch eine riesige Staubschutzwand, hinter der die Sanierungsarbeiten tagein, tagaus liefen, abgetrennt. Bis jetzt. Die Wand ist weg und der gut 600 Jahre alte Franziskaner-Baukörper erstrahlt im Innern in vollem Glanz. Zumindest fast.

Denn ein paar Bauzäune bleiben der Kirche weitere Monate erhalten. Der dreistöckige Hochaltar aus dem Jahr 1625 befindet sich weiterhin in einer Restaurationswerkstatt in Köln. Beim Brand ist er zwar stark in Mitleidenschaft gezogen worden, doch stellte sich trotzdem heraus, dass die Substanz so gut erhalten geblieben ist, dass man ihn bald wieder in Aachen aufbauen möchte – allerdings in veränderter Erscheinung, wie Cityseelsorger Dieter Spoo verrät. Derzeit wird der Ruß am etwa zwölf Meter hohen Holzbau mit Harz verfestigt.

Anschließend kommen hellgraue Kalkschlämme auf die Oberfläche. Voraussichtlich in der Osterzeit soll mit den Aufbauarbeiten begonnen werden. Dort, wo sich die drei beim Brand zerstörten Ölgemälde am Altar befanden, wünschen sich Spoo und Co. künftig wechselnde Gemäldeausstellungen von Künstlern aus der Region, die – so der Plan – im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetauscht werden sollen.

Doch wie so oft, wird in diesen Tagen viel über das liebe Geld diskutiert. Und so steht hinter den Wechselausstellungsplänen noch ein kleines Fragezeichen. Die Kosten für die gesamte Sanierung des Baus ebenso wie für die Restaurierung des frühgotischen Altars sind in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen.

Zwar hüllt man sich von Seiten des Bistums zu genauen Zahlen weiterhin in Schweigen, dementieren möchte man die vier Millionen Euro, die als Summe für die Gesamtsanierung im Raum stehen, aber auch nicht. Die Versicherung habe sich in den vergangenen Jahren in jedem Fall stets sehr kooperativ gezeigt, versichern alle Beteiligten. „Sie ist die Wege mitgegangen, die nötig waren“, bestätigt auch Architekt Mathias Paulssen.

Ob nun jedoch noch die von Spoo gewünschten 60.000 Euro da sind, um zumindest die ersten drei Zyklen der Wechselausstellung im Hochaltar mit Künstlern zu organisieren, steht bisher nicht fest. „Diese Kirche zeichnet sich in ihrer besonderen Art der Nutzung durch eine ständige Dynamik aus“, betont Spoo und ist zuversichtlich, bei den hin und wieder etwas „starren Herren des Bistums“ doch noch ein offenes Ohr zu finden für das neue Altarkonzept in der Citykirche. So tut man das, was man in der Nikolauskirche mittlerweile (fast) am besten kann: sich in Geduld üben.

Zumindest erste kleinere, intimere Veranstaltungen und Gottesdienste sollen in Kürze im lange Zeit abgesperrten Bereich der Kirche stattfinden. Bis dahin, verspricht Spoo augenzwinkernd, habe man auch das Chorgestühl abgestaubt und in Schuss gebracht. Bis allerdings wirklich alles fertig sein wird in dem zentral gelegenen Sakralbau an der Großkölnstraße, haben die Menschen aller Voraussicht nach ein weiteres Mal Silvester gefeiert. So paart sich in der Citykirche nun Weitsicht mit langem Atem.

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