Citykirche bleibt jahrelang Sanierungsfall

Von: Robert Esser
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Kaum Fortschritt: Gut 20 Monat
Kaum Fortschritt: Gut 20 Monate nach dem verheerenden Brand in der Citykirche kommt die Demontage des schwer beschädigten Hochaltars nur langsam voran. Der Wiederaufbau dauert Jahre. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kaum 25 Minuten wütete das Feuer vor rund 20 Monaten in der Citykirche. Die zeitlichen Prognosen für den Wiederaufbau des Gotteshauses mussten seitdem mehrfach um Jahre korrigiert werden.

Die jüngste Hiobsbotschaft: Der über 380 Jahre alte Hochaltar könnte frühestens 2017 wieder an Ort und Stelle glänzen. Und die Wiederherstellung der Chorhalle an der Großkölnstraße wird noch mindestens zwei Jahre dauern - zu verheerend sind die Schäden, zu schleppend ist der Sanierungsfortschritt.

Woran das liegt, erklärt der verantwortliche Architekt Mathias Paulssen vor Ort: „Wir mussten den Hochaltar zuerst mit hohem Aufwand bis ins Detail fotografieren.” Das dauerte fast ein Dreivierteljahr. „Diese dreidimensionale Dokumentation brauchten wir, damit das sehr komplexe Kunstwerk nach der Demontage und der Einlagerung bei einem Kölner Restaurator irgendwann wieder zusammengebaut werden kann”, sagt er.

Verborgen vor den Blicken der meisten Besucher der Citykirche, ragt hinter der provisorischen Trennwand zum Mittelschiff ein riesiges Gerüst hinauf bis zur Decke der rund 20 Meter hohen Chorhalle. Hier wird jetzt alles mühsam zerlegt und verpackt. Dann dürfen die Restauratoren ran. Hier schlugen die Flammen minutenlang hoch, bei Temperaturen von bis zu 1500 Grad Celsius schmolz und splitterte die Bleiverglasung, Sandstein wurde von Gewölberippen gesprengt, Putz platzte von den Wänden, und die sogenannten Windeisen - quasi Fensterrahmen - verzogen sich um mehrere Zentimeter. „Das sind brutalste Schäden”, betont Paulssen.

Obwohl die Feuerwehr in der Silvesternacht 2010/11 innerhalb von wenigen Minuten an der Einsatzstelle eintraf und den Brand schnell im Griff hatte, geht der Sachschaden in die Millionen. Wer - absichtlich oder aus Unachtsamkeit - in besagter Brandnacht die Feuerwerksrakete durch ein Fenster in den Chorraum der Kirche schoss, konnte die Polizei nicht ermitteln. Zeugen wollen Jugendliche beobachtet haben, erhärten konnten die Ermittler diesen Verdacht aber bislang nicht. Die AachenMünchener Versicherung sicherte schon früh zu, den immensen Schaden zu regulieren. Nur die akustischen Probleme muss das Team um Seelsorger Dieter Spoo selbst lösen: „Wir hoffen jetzt auf Spenden”, sagt er.

In Kistchen und Kisten transportieren Fachleute die teils völlig zerstörten Figuren, Ornamente und hölzernen Traversen des Altars zum Restaurator. „Viele Stücke des Altars, ehemals von unschätzbarem Wert, fühlen sich an wie Grillkohle”, sagt Architekt Paulssen. Und sie riechen auch so. Mehr als anderthalb Jahre nach dem Brand liegt der Geruch der Zerstörung noch in der Luft.

Wenn alles in Köln eingelagert ist, soll ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben werden. „Dann werden wir erleben, in welcher Form die unwiederbringlich zerstörten Bilder des Hochaltars und auch Figuren ersetzt werden können - abgesehen von der Rekonstruktion historischer Altarteile”, blickt Spoo in die Zukunft. Das Geld für den Wettbewerb ist bewilligt, aber der Prozess wird Jahre dauern. „Wie es hier in fünf Jahren aussehen wird, kann sich im Moment noch niemand vorstellen”, sagt der Seelsorger. In der Citykirche denkt man seit den schrecklichen 25 Minuten vor 20 Monaten in ganz anderen Dimensionen.

Abgedeckt: Unmittelbar nach dem Brand in der Silvesternacht zum 1. Januar 2011 wurden die zerstörten, rund 15 Meter hohen Chorfenster der Citykirche eingerüstet und mit Planen abgeschirmt. Ursache des Brandes war eine Feuerwerksrakete. Der oder die Brandstifter wurden nie gefasst.

Abgepackt: Architekt Mathias Paulssen ließ den zerstörten Hochaltar monatelang fotografisch dokumentieren. Jetzt gibt es ein 3D-Modell, anhand dessen der Altar irgendwann wieder zusammengesetzt werden könnte. Demontage und Abtransport nach Köln werden aber noch geraume Zeit dauern.

Abgesprengt: Etwa 25 Minuten wütete das Feuer und entwickelte dabei Temperaturen von 1200 bis 1500 Grad Celsius. Der Sandstein platzte von den Gewölberippen unter dem Dach der Chorhalle ab. Die Bleiverglasung schmolz, überall zeigten sich Haarrisse. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro.

Abgetrennt: Nachdem das Mittelschiff mit viel Aufwand nach dem Brand saniert worden war, zogen Handwerker eine weiße Trennwand zum erheblich beschädigten Chorraum. Hinter dieser Wand, die mit dem großformatigen Bild „Pulsar” geschmückt ist, geht die Sanierung nur langsam voran.

Spenden für wichtige akustische Dämmung

Seitdem das Mittelschiff der Citykirche saniert ist, gibt es wieder ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Konzerte und Vorträge leiden aber unter der dramatisch verschlechterten Akustik. Grund ist die fehlende Schalldämmung der provisorischen Trennwand, die noch jahrelang stehen bleiben muss. Eine Dämmung kostet 14.000 Euro, wird aber nicht von der Versicherung bezahlt. Deswegen bittet man um Spenden: Konto 1013260016, Pax-Bank (BLZ 370060193), Stichwort „Dämmung Citykirche”.

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