Aachen - City-Service läuft auch durch die City

City-Service läuft auch durch die City

Von: Oliver Schmetz
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Nein, sie laufen nicht Streife
Nein, sie laufen nicht Streife, aber sie haben den City-Service in der Innenstadt gemeinsam wieder auf die Beine gestellt: (v.l.) Bezirksbürgermeister Achim Ferrari, Holger Brantin (Katholikenrat), Bernd Botzenhardt (Gewoge), Heinz Bayer und Dieter Genten (beide Sozialwerk Aachener Christen), Joachim Weniger (Gewoge) und Jochen Luczak (Grüne). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es war das, was manche heutzutage gerne eine „Win-Win-Situation” nennen - also eine Sache, bei der alle profitieren und es nur Sieger gibt. Denn mit der Einführung des City-Services im Jahr 2007 verschaffte man einerseits schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen eine sinnvolle Beschäftigung und erreichte andererseits einen deutlichen Mehrwert für die Bürger und die Besucher Aachens.

Denn die in ihrem einheitlichen Outfit weithin erkennbaren Service-Kräfte informierten seitdem Ortsunkundige, hielten allerorten die Augen auf, meldeten wilde Müllkippen und marode Spielplatzgeräte und gaben mit ihrer bloßen Präsenz nicht zuletzt auch vielen älteren Aachenern ein Gefühl von Sicherheit und Ordnung.

Doch damit war es vor einigen Monaten vorbei, weil der Bund die Mittel für die Ein-Euro-Jobber zusammenstrich. Die Service-Kräfte gingen nicht mehr, sie standen auf der Straße. Doch nun gibt es erneut in Trägerschaft des Sozialwerks Aachener Christen einen Neustart. Weitgehend über das Bundesprogramm Bürgerarbeit finanziert, sind seit dem 1. August bereits elf Mitarbeiter in fünf Außenbezirken - nur Haaren ist nicht dabei - im Einsatz.

Und ab dem 1. Oktober läuft der City-Service auch wieder durch die City. Fünf Stellen gibt das Bundesprogramm für die Innenstadt in den nächsten drei Jahren noch her. Doch mit diesen Mitteln alleine wäre es nicht getan. Zwar deckt das Geld aus Berlin die Lohnkosten und Sozialabgaben für die nun sozialversicherungspflichtigen 30-Stunden-Stellen, aber nicht die sogenannten „Overhead-Kosten” für Qualifizierung und Schulung, für Kleidung und Material.

Mancherorts übernehmen das die Bezirke ganz oder teilweise aus eigenen Mitteln, anderswo springen Sponsoren in die Bresche, damit das Projekt nicht an der vergleichsweise geringen Kostenlücke scheitert - schließlich belaufen sich die „Overhead”-Aufwendungen gerade einmal auf 1200 Euro pro Jahr und Stelle.

Diese Mittel steuern nun auch in der Innenstadt Sponsoren bei, denn die Bezirksvertretung Mitte hatte entschieden, das Projekt zwar zu unterstützen, aber nicht für die gekürzten Bundesgelder mit eigenen Mitteln geradezustehen, wie Bezirksbürgermeister Achim Ferrari erklärt. Ferrari selber und seine Ehefrau Elisabeth übernehmen die Nebenkosten für eine Stelle, drei weitere ermöglicht die Gewoge, und die fünfte soll beim Solidaritätslauf des Katholikenrates am 18. September erlaufen werden. „Damit unterstützen wir direkt arbeitslose Menschen”, begründet Holger Brantin, Sprecher des Katholikenrates, dieses Engagement, an dem sich auch der grüne Ratsherr und Hobbyläufer Jochen Luczak beteiligt. „Sponsoren zahlen für gelaufene Runden, da kann jeder Aachener mitmachen”, wirbt er.

Dass die Gewoge sich finanziell engagiert, ist für deren Chef Bernd Botzenhardt ebenfalls eine „Win-Win-Situation”, schließlich profitierten die vielen Mieter der Wohnungsbaugesellschaft ja auch von Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit auf städtischen Straßen. Und Dieter Genten, Geschäftsführer des Sozialwerks Aachener Christen, ist vor allem glücklich darüber, dass es statt der ehemaligen Ein-Euro-Jobs jetzt „ordentliche Arbeitsplätze” gibt.

Allerdings deutlich weniger als früher. Waren zu den besten Zeiten bis zu 22 Kräfte in der City unterwegs, sind es jetzt nur fünf. Rein personell betrachtet, ähnelt die Neuauflage einer „Light-Version”. Und noch einen Misston gibt es inmitten der ganzen frohen Botschaften. Da kritisiert Bezirksbürgermeister Achim Ferrari, dass der Märkte- und Aktionskreis City (MAC) den City-Service trotz Bitte um Unterstützung nicht finanziell fördere, obgleich er davon profitiere. „Das finde ich sehr enttäuschend”, sagt Ferrari.

Allerdings kann genau dies der MAC-Geschäftsführer Manfred Piana überhaupt nicht verstehen. „Wir bezahlen dem City-Service wie bisher die Handykosten. Und nach mehr bin ich auch nicht gefragt worden”, sagt er auf AZ-Anfrage hörbar irritiert. Was dann allerdings - ausnahmsweise - nicht nach einer „Win-Win-Situation” klingt.
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