Circus Roncalli: Und plötzlich hängt man selbst in der Luft

Von: Svenja Pesch
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Atemberaubende Höhenflüge: Ehe man sich versah, konnte man auch als Besucher blitzschnell zum Star in der Manege werden. Foto: Andreas Steindl
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Beim Tag der offenen Tür im Circus Roncalli kamen vor allem die kleinen Besucher kaum aus dem Staunen heraus. Foto: Andreas Steindl
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Maske von Meisterhand: Wer könnte Kinder besser zum Clown schminken als ein richtiger Clown? Foto: Andreas Steindl
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Ungewöhnliches Sitzmöbel: Für einige Besucher war beim Tag der offenen Tür Mitmachen angesagt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Auf manche Dinge ist einfach Verlass. Gerade in der bunten Zirkuswelt, in der Artisten in schwindelerregender Höhe Kunststücke präsentieren und Clowns das Publikum zum Lachen bringen, weiß man genau, wie man nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringt.

Der Traditionszirkus Roncalli, der mit seinem Jubiläumsprogramm „40 Jahre Reise zum Regenbogen“ am Blücherplatz gastiert, hat alle Interessierten zu einem Tag der offenen Tür eingeladen, um in die einmalige Zirkusatmosphäre einzutauchen.

Der Andrang ist so groß, dass sich schon weit vor Beginn eine lange Schlange vor dem großen Zirkuszelt bildet. Der Duft von Popcorn und Sägemehl sorgt bereits draußen für Zirkusfeeling. „So muss das sein. Die Gerüche sind typisch, und Familien fühlen sich direkt wohl“, erzählt Markus Strobl, Sprecher des Circus Roncalli.

Eine große Familie

In 100 Wagen fahren Artisten, Tänzer, Pferdedompteure, Beat-Boxer und Clowns von einer Stadt in die nächste. 120 Personen zählt die Roncalli-Familie derzeit, die seit 41 Jahren die Manege füllt. Damit die Künstler dort ihr Talent unter Beweis stellen können, benötigt es immer etwas Vorlaufzeit, wie Strobl betont: „Bis alles aufgebaut ist und steht, brauchen wir schon etwa vier Tage. Schließlich müssen Technik, Sitzplätze und Verkaufsstände immer wieder neu aufgezogen werden.“

Und während die ersten Besucher schon in dem großen Zirkuszelt Platz nehmen, sitzt Eddy noch in seinem Wagen vor einem mit vielen kleinen Glühbirnen beleuchteten Spiegel und schminkt sich. Der 46-jährige Clown ist seit 2013 Teil des Ensembles. „Eigentlich wollte ich nie Clown werden, aber mein Vater fand es toll, und so habe ich die Zirkusschule in Kiew besucht“, sagt Eddy, während er seine Lippen schminkt und die großen Schuhe anzieht.

Nur einen Wagen weiter arbeitet Sophie Plautz. Die Schneiderin der Zirkus-Artisten kümmert sich an ihrer Nähmaschine darum, dass bei jedem Akteur das Outfit perfekt sitzt. Gerade in den Minuten vor der Vorstellung kann es schon mal hektisch werden. So auch an diesem Tag. Ein Knopf an der Uniform eines Requisiteurs ist abgefallen. Jetzt muss Sophie schnell handeln. Im Handumdrehen sitzt wieder alles, und die Show kann beginnen. Auf Zusammenarbeit ist im Circus Roncalli eben Verlass.

Die Besucher, die in dem 16 Meter hohen Zelt sitzen, blicken gespannt in die Manege, wo Patrick Philadelphia durch die Vorstellung führt und gerne das ein oder andere Geheimnis über die Zirkuswelt verrät. So erfahren sie unter anderem, was die „Roncalli-Kuppel“ ist.

„Die Künstler werden mit 80.000-Watt-Scheinwerfern angestrahlt, da kann es locker 37 Grad heiß werden. Damit die Artisten nicht so stark schwitzen, haben wir oben im Dach eine kleine Kuppel errichtet, durch die die warme Luft abziehen kann.“ Roncalli sei der erste Zirkus mit dieser Idee gewesen, die mittlerweile von vielen anderen übernommen worden sei, erklärt Philadelphia.

Aber genug der Theorie. In der Praxis können an diesem Tag einige kleine und große Zirkusfans selbst Teil der Show werden. Maxim aus Kiew präsentiert an den „Bingo Straps“, zwei langen Seilen, spannende Kunststücke voller Körperbeherrschung – und das nicht nur als Solonummer.

Ehe man sich versieht, ist man plötzlich Teil der Seilnummer. Melina und Daniel dürfen durch die Lüfte fliegen, natürlich mit Hilfe von Maxim, der die Kinder mit einer Hand sicher festhält. Auch das „Schleuderbrett“, auf dem das „Trio Czaszar“ Sprünge und Akrobatik miteinander verknüpft, sorgt für große Augen. Und die neunjährige Pia beweist auf den starken Schultern eines der Artisten, dass für sie Körperbeherrschung auch kein Fremdwort ist.

Ab 2018 ohne Pferde

„Was in der Zirkuswelt immer wie ein Magnet wirkt, sind die Pferde“, sagt Strobel, ergänzt aber sofort: „Ab 2018 verzichten wir jedoch komplett auf Tiernummern, denn der Zirkus als Kulturgut verändert sich immer mehr, und der Anspruch an die Shows ist technischer geworden.“

Bereits Ende der 70er Jahre habe Zirkusdirektor Bernhard Paul erstmals Elemente aus dem Theater umgesetzt, sagt der Roncalli-Sprecher. Dieser Trend setze sich fort. „Theater und Oper spielen für uns in Zukunft deshalb eine noch wichtigere Rolle.“ Dennoch werden am Tag der offenen Tür die Ponys ausgiebig gestreichelt, nachdem sie unter der Leitung von Karl Trunk kleine Kunststücke gezeigt haben.

Gegen Ende der Show wird es dann noch einmal richtig akrobatisch, als die Gruppe „Bingos-Pole“ aus Kiew ihr Können an der Pole-Stange demonstriert. Da stockt manch einem der Besucher der Atem. „Da geht noch mehr“, verspricht Philadelphia. Doch dieses „Mehr“ gibt es dann in den großen Shows zu sehen. Ein bisschen Spannung muss ja schließlich bleiben. Denn auch wenn er seine Türen oder besser gesagt Vorhänge öffnet, zeigt der Circus Roncalli doch noch nicht alles.

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