Aachen - Ciao Salvatore: Restaurant „Da Salvatore“ schließt nach 46 Jahren

Ciao Salvatore: Restaurant „Da Salvatore“ schließt nach 46 Jahren

Von: Stephan Mohne
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„Gracie und Ciao Aachen“: Padron Salvatore Tucconi schließt nach 46 Jahren Ende des Monats sei Restaurant „Da Salvatore“ und seine Pizzeria „La Stazione“ gleich nebenan. „Es ist mir wirklich nicht leicht gefallen“, sagt der 70-Jährige, der mit 17 nach Aachen kam. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Tränen kann er kaum zurückhalten. Der Abschied fällt schwer. „Ich habe es mir wirklich nicht leicht gemacht“, sagt Salvatore Tucconi. Kein Wunder. Denn seit sage und schreibe 46 Jahren betreibt der sympathische Italiener sein Restaurant „Da Salvatore“ gegenüber dem Hauptbahnhof. Doch jetzt packt er die Pfannen und Töpfe ein. Tucconi macht Schluss. Und das bereits am 30. Juni.

„Ich habe das jetzt lange genug gemacht und möchte noch etwas vom Leben haben, wenn der liebe Gott mir weiterhin Gesundheit schenkt“, begründet der 70-Jährige seinen Entschluss. Bislang hat das mit der Gesundheit jedenfalls bestens geklappt: „Ich habe in all den Jahren nicht ein einziges Mal krankheitsbedingt im Restaurant gefehlt.“

Mit 17 nach Deutschland

Die Geschichte nahm indes bereits vor 53 Jahren ihren Anfang. Es sei einfach Schicksal gewesen, erinnert sich Tucconi. Sein älterer Bruder lebte damals schon in Deutschland, war mit einer Frau aus Kohlscheid verheiratet. „Er sagte mir, ich solle auch kommen, in der Heimat gebe es doch keine Arbeit“, erzählt der Gastronom und fügt an: „Ich habe mich damals gefragt: Was soll ich denn da? Ich kann die Sprache nicht, und ich habe keine Ausbildung.“ Aber er kam doch – mit 17 Jahren. Und er blieb.

Seine gastronomische Karriere begann an der Stelle, um die sich auch die Geschichten von Selfmade-Millionären ranken: „Ich habe als Tellerwäscher in einem Restaurant angefangen.“ Der Chefkoch habe ihn dann aber ziemlich flott zu seinem Küchengehilfen gemacht, obwohl sie sich sprachlich überhaupt nicht verständigen konnten. Man habe sich aber auch ohne Worte immer sofort verstanden.

Weiter ging es in diversen Restaurants, mal in Aachen, mal in Trier, dann wieder in Aachen. Im Mai 1972 fasste Salvatore Tucconi den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Er tat es dort, wo sein Restaurant bis zum heutigen Tag beheimatet ist – in der Ecke zwischen Leydel-, Bahnhof- und Römerstraße. Später eröffnete er gleich nebenan noch die Pizzeria „La Stazione“. Nun verkauft er das gesamte Gebäude, das ihm gehört, an einen Investor aus Monschau, wie er sagt.

Noch kein Nachfolger für das Restaurant

Einen Nachfolger für das Restaurant gebe es wohl noch nicht. Zunächst hatte Tucconi selber nach einem solchen Ausschau gehalten – vor allem in der eigenen Familie. So betreibt sein ältester Sohn Damiano ein Restaurant in Geilenkirchen. Dieser wird das „Da Salvatore“ nun aber doch nicht übernehmen, das Restaurant in Geilenkirchen laufe gut und die Familie lebe dort. Die drei weiteren Kinder machen ganz andere Dinge. Und so ist es nun unumstößlich, dass er geht.

Auch seinem Wohnort Aachen wird er den Rücken kehren, auch wenn er weiterhin oft hier sein werde, weil Kinder von ihm hier wohnen. Ansonsten wird sich Salvatore Tucconi quasi zweiteilen. Erstens wird er in seiner Heimat auf der Mittelmeerinsel Sardinien leben. Dort hat er von seinem Vater ein Haus geerbt: „Da gibt es auch einen schönen Garten mit vielen Obst- und Olivenbäumen. Die werde ich jetzt pflegen“, so Tucconi. Lachend fügt er hinzu: „Da kann ich Auberginen und Tomaten jetzt auch selber anbauen.“

Zweitens wird er eine Zeit des Jahres in Geilenkirchen verbringen, wo er ebenfalls ein Haus gleich neben dem Restaurant seines Sohnes hat. „Ich werde im Restaurant natürlich auch ab und zu aushelfen“, erzählt er. Über die Jahrzehnte habe sich in der Gastronomie so manches verändert. Vor allem beim Personal: „Es ist sehr schwierig geworden, gute Leute zu finden.“ Er habe zwar ein sehr gutes Team, aber immer weniger Leute seien bereit, auch an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten.

Traurig macht es den Padron, dass er sich von seinen vielen Stammgästen verabschieden muss. Manche sind dem Restaurant schon in dritter Generation treu. Eltern kamen mit ihren Kindern, diese Kinder dann mit ihren Kindern. Regina Poth, Abteilungsleiterin bei der Stadt, zum Beispiel. Seit 28 Jahren ist sie Stammgast: „Da geht ein Stück italienische Lebensart verloren“, bedauert sie.

Salvatore Tucconi sagt zum Abschied: „Gracie und Ciao Aachen. Ich sage Danke für 46 Jahre Treue.“ Mit Blick auf den 30. Juni und die Zeit danach fügt er hinzu: „Jetzt wartet etwas Neues auf mich. Wie es wird, weiß ich nicht. Aber es wird ein neuer Anfang.“

 

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