Church-Party: Junge Bands in alten Mauern

Von: Kathrin Albrecht
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Spaßmacher mit musikalischem
Spaßmacher mit musikalischem Hintergrund: Im Rahmen der zweiten Church-Party in der Dreifaltigkeitskirche sorgten auch The Coconut Butts (Foto) neben Slim Jester für ausgelassene Stimmung bei den jungen Gästen. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. „Ein bisschen schade, dass nicht mehr gekommen sind, aber es braucht seine Zeit, bis sich eine Idee durchsetzt.” So das Fazit von Willi Schönauer zur zweiten Church-Party.

Etwa 180 junge Partygänger fanden am Samstag den Weg in die evangelische Dreifaltigkeitskirche an der Zollernstraße, die sich für eine Nacht wieder in einen Musiktempel verwandelte - im Vergleich zur ersten Kirchenparty mit 120 bis 150 Gästen Anfang April ist das schon ein kleines Plus.

Musikalisch sorgten die beiden lokalen Bands Slim Jester und The Coconut Butts - Gewinner des diesjährigen Stawag-Bandwettbewerbs - für angemessene Untermalung. Wobei sich das Publikum bei den „dünnen Narren” noch vornehm zurückhielt - Frontfrau Beda Su Auernhammer ließ jedoch nicht locker, animierte immer wieder zum Mitklatschen. Den Coconut Butts gelang es, das Eis vollends zu brechen.

Seit etwa zwei Jahren versucht die evangelische Kirchengemeinde Aachen, eine Jugendkirche in der Karlsstadt aufzubauen. Die Church-Partys sind Teil des Konzeptes, um einerseits auf das Projekt aufmerksam zu machen und andererseits als Türöffner bei jungen Menschen das Interesse wecken, sich auch weitergehend zu engagieren. Ein langer Marsch durch verschiedene Gemeinde-Gremien und viel Überzeugungsarbeit gingen dem voraus.

„Die Schwelle in Aachen liegt sehr hoch”, bestätigte auch Willi Schönauer vom Organisationsteam der Church-Party. Er hat in ganz Deutschland ähnliche Projekte aufgebaut und kann das einschätzen. Geduld und viel Fingerspitzengefühl brauche es, um sowohl die Jugendlichen als auch die verschiedenen Instanzen in Stadt und Gemeinden zu überzeugen. „Punktuell gibt es hier gute Jugendarbeit”, so Schönauer, „auch diesen Gruppen wollen wir zeigen, dass wir ihnen nichts wegnehmen, sondern dass wir uns hier gut ergänzen und zusammenarbeiten können.”

Das Prinzip der Jugendkirche ist ein offenes und ökumenisches Angebot für junge Menschen, die einen Raum für eigene Ideen und kirchliches Leben suchen. Charakteristisch ist die Arbeit in Projektteams. „Langfristig soll es so sein, dass die Jugendlichen selbst füreinander verschiedene Angebote erarbeiten,” so Guido Hinz, der für die evangelische Gemeinde ehrenamtlich im Mitarbeiterkreis der Jugendkirche arbeitet. „Was wir im Moment hier tun, ist eine Art Impuls setzen, aufzeigen, was möglich ist”, ergänzte Hinz. Doch er räumte auch ein, dass das „Church” vor der Party schon ein Hemmschuh für viele potenzielle Interessenten sei. „Daran müssen wir arbeiten.”

Erste Früchte trägt das Projekt schon, die 18-jährige Jana Dahlhoff hat Hinz bei einer seiner Touren durch Aachens Schulen kennengelernt und war begeistert. Bei ihrer Party-Premiere am Samstag schob sie spontan mit Freundin Jana Wildenberg Thekendienst. „Die Coconut Butts waren super, so etwas sollte man sich eigentlich nicht entgehen lassen.” Die Kirche als Partylocation habe für sie einen besonderen Reiz: „In einer Kirche sollte man sich wohl fühlen, es ist doch eine Stereotype, dass dort immer alles so ernst zugeht.”

Um zu testen, ob das Projekt Jugendkirche in Aachen tatsächlich tragbar wäre, ist ein dreijähriger Probebetrieb geplant - mit der Dreifaltigkeitskirche als Domizil. Ausschlaggebend dafür ist nicht nur der außergewöhnliche Charakter der Kirche, sondern auch die Tatsache, dass der Kirchenbau praktisch leer steht. „Mit der Jugendkirche hätte die Dreifaltigkeitskirche wieder eine Funktion”, so Hinz. Für den Probebetrieb sei ein Antrag bei der Gemeindeleitung gestellt, bis zum Ende dieses Jahres hofft Hinz auf eine Entscheidung. Die Chancen stehen seiner Meinung nach gar nicht so schlecht.

Zwei weitere Church-Partys soll es noch geben, am 17. November 2012 und am 5. Januar 2013. Vielleicht, wenn die Partybesucher vom Samstag dann noch zwei bis drei Freunde mitbringen, erlebt Willi Schönauer dann auch, wie es ist, wenn fast 500 Gäste in der Kirche feiern - „das wäre schon mein Traum”, sagt er.
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