„Chronoskope“: Touristen stoppen und auf Knopfdruck informieren

Von: Oliver Schmetz
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Touristenstopper: So sieht der erste Entwurf der „Chronoskope“ aus, die die Stadt rund um den Dom aufstellen will. Im Hof würde sich die 2,40 Meter hohe Info-Stele, die über drei Gucklöcher verfügt, mit einem kurzen Film dem Thema „Aachener Thermalquellen“ widmen. Foto: Büro Müller-Rieger

Aachen. An markanten Punkten der Innenstadt sollen sie so geschickt positioniert werden, dass Touristen wie zufällig über sie stolpern, doch bloßen (Stolper-)Steinen haben sie Entscheidendes voraus. Denn: „Steine können ja nicht sprechen“, sagt Stadtplanerin Gertrude Helm. Die „Chronoskope“ aber wohl.

Diesen merkwürdig anmutenden Namen, der schlicht Stoppuhr bedeutet, tragen die übermannsgroßen Info-Stelen, die die Stadt an sechs Standorten im Pfalzbezirk aufstellen will. Sie sollen rund um das Weltkulturerbe Dom auf Knopfdruck Wissenswertes über die meist steinernen Zeugen der Vergangenheit verkünden – und zeigen. Denn die 2,40 Meter hohen Bauwerke verfügen je über drei Gucklöcher, durch die man betitelte Bildfolgen und kleine Filme betrachten kann. Und da sich diese Löcher in verschiedenen Höhen befinden, können auch Kinder oder Rollstuhlfahrer in den Genuss der kurzen historischen Exkursion kommen – und das im Übrigen neben Deutsch auch in Englisch, Französisch und Niederländisch.

„Robuster Industriecomputer“

Aufstellen will man die „Chronoskope“ auf dem Münsterplatz, dem Katschhof, dem Markt, am Hühnerdieb, neben Karls Kräutergarten und im Hof, es geht dabei um die Themen Dom, Pfalz, Rathaus, Granusturm, Quellen und um das „Capitulare de Villis“, die Landgüterverordnung Karls des Großen. Die kleinen Filme sollen mit historischem zeitgenössischem Bildmaterial arbeiten und mit Karten, Collagen und Animationen binnen zwei bis drei Minuten Essenzielles über den jeweiligen Ort vermitteln. Am Ende jeder Bildfolge soll stets auf das Centre Charlemagne, die zentrale Anlaufstelle der Route Charlemagne, verwiesen werden.

Je nach Thema soll es aber auch weiterführende Hinweise auf andere interessante Orte oder Institutionen geben – so zum Beispiel beim „Capitulare de Villis“ auf Gut Melaten und den Freundeskreis Botanischer Garten. Ausstatten will man die Stelen laut Verwaltung mit einem „robusten Industriecomputer“, der zentral vom städtischen Fachbereich Presse und Marketing gesteuert werden soll. Auf diese Weise sollen die „Stoppuhren“ immer auf der Höhe der Zeit sein, kann man so doch bei Bedarf Bilder und Informationen austauschen, um den aktuellen Forschungsstand wiederzugeben. Oder man verweist auf laufende Ausstellungen, was etwa im Karlsjahr 2014 hilfreich sein dürfte.

Dass sich die Chronoskope auf sechs Punkte rund um den Dom konzentrieren, hängt mit der Finanzierung zusammen, denn die macht das Konjunkturpaket I aus dem Jahr 2009 möglich. Über diesen Fördertopf hat Aachen nicht nur kräftig in sein Weltkulturerbe Dom investiert, sondern auch dessen Umfeld – den Pfalzbezirk – aufgewertet. Dabei entstanden unter anderem die neue Dominformation und die große Freitreppe auf dem Katschhof, gearbeitet wird derzeit beispielsweise noch an der Umgestaltung der Ritter-Chorus-Straße.

Doch langsam drängt die Zeit. Die Laufzeit des Konjunkturpakets endet mit Ablauf dieses Jahres, auf Antrag hat Aachen eine viermonatige Verlängerung erhalten. Am kommenden Donnerstag, 10. September, soll der Planungsausschuss grünes Licht für die „Chronoskope“ geben und das Münchener Büro Müller-Rieger, das die bisherige Konzeption erstellt hat, mit der Umsetzung beauftragen.

380.000 Euro stehen im Haushalt

380.000 Euro, zwei Drittel davon Zuschüsse aus dem Konjukturpaket, stehen für das Projekt im städtischen Haushalt, denn laut Verwaltung war es von Anfang an Ziel, neben der Erneuerung des Pfalzbezirks auch ein Vermittlungskonzept im öffentlichen Raum zu entwickeln, das Passanten einen „sehr unmittelbaren, spontanen, niederschwelligen Zugang“ zu Aachens Historie verschafft. Und so soll es künftig neben Ausstellungsorten wie dem Centre Charlemagne, die man bewusst aufsuchen muss, auch die „Chrono-skope“ geben, auf die man zufällig stößt – sozusagen „Stoppuhren“, die Touristen stoppen.

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