Christa Plönes: „Ich will doch nur, dass die uns helfen”

Von: Oliver Schmetz
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Lebt lungenkrank in gefährlicher Umgebung: Christa Plönes und ihr Mann Hans-Dieter in ihrer verschimmelten Wohnung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Christa Plönes sitzt an ihrem Küchentisch, vor ihr steht das Inhaliergerät. Während sie erzählt, muss man manchmal genauer hinhören. Das liegt an dem Mundschutz, den sie trägt. Und daran, dass sie manchmal in Tränen ausbricht.

Die Frau ist verzweifelt, denn sie ist schwer krank, hat Pflegestufe 2 und lebt in einer für sie lebensgefährlichen Umgebung. „Ich will doch nur, dass die uns helfen”, sagt sie. Doch bisher hat das noch keiner geschafft.

Was Christa Plönes gefährdet, ist ihre Wohnung in der Altenberger Straße 4 im Preuswald, in dem großen Hochhaus, das der Deutschen Annington gehört. Denn dort hat sich Schwarzschimmel breitgemacht. Dieser „Aspergillus niger” ist für gesunde Menschen schon schädlich, doch Christa Plönes ist schwer lungenkrank und leidet zudem an einer Autoimmunerkrankung.

Die Medikamente, die sie dagegen nimmt, hemmen ihr Immunsystem. Sie ist hochgefährdet, an einer Aspergillus-Infektion zu erkranken. Das belegt ein Attest, das auch unterstreicht, dass sie „binnen Wochenfrist” diese Wohnung verlassen sollte. Die ärztliche Warnung datiert vom 23. März. Doch einen Monat später sitzt die Frau immer noch an ihrem Küchentisch, umgeben von einer muffigen Luft, in der man als Besucher schon nach wenigen Minuten meint, die Pilzsporen spüren zu können.

Der Hilferuf der Familie Plönes richtet sich an ihren Vermieter, die Annington, aber auch an die Stadt. Denn Christa Plönes erhält eine Erwerbsunfähigkeitsrente, die vom Sozialamt aufgestockt wird, ihr Mann ist ein Hartz-IV-Fall. Das heißt, dass auch die Stadt für sie eine Wohnung bezahlt, die unbewohnbar ist. Und der Hilferuf hallt schon lange nach. Im Juli 2011 stellte man feuchte Stellen im Badezimmer fest, die Annington reagierte laut Plönes mit der Aufstellung eines Trockners.

Im November fand man Schimmel in der Toilette, zwei Trockner wurden aufgestellt. An Weihnachten traf es die Küche, auf das Wasser folgte der Schimmel unter dem Teppich und hinter der Küchenzeile. Es gab einige Reparaturversuche, aber keinen Erfolg.

Bis heute dringt Nässe in die Wohnung und speist den Schimmel, den Hans-Dieter Plönes zu entfernen versucht hat. Immer noch laufen Trockner. Pro Tag ziehen die Geräte 0,6 bis 1,7 Liter Wasser aus der Luft.

Seit Januar fordern die Eheleute von der Annington eine neue Wohnung. Selber finden sie auf dem freien Markt nichts. Dabei werden sie von der Bürgerinitiative Preuswald unterstützt, die seit Jahren die Praktiken der Annington anprangert, der vorgeworfen wird, ihre mehr als 600 Wohnungen und damit das ganze Quartier verkommen zu lassen. Briefe und Mails gingen hin und her, ein pathologisches Gutachten belegt die Gefahr.

Das Gesundheitsamt der Städteregion wurde eingeschaltet, das sich für nicht zuständig erklärte und die Sache an das städtische Wohnungsamt weiterreichte - das einen Vertreter zu einem Ortstermin mit der Annington schickte. Bloß passiert ist nichts. Die wenigen Angebote seien ungeeignet gewesen, sagt Christa Plönes, die eine barrierefreie Wohnung benötigt. Und repariert worden sei auch nichts, kritisiert Professor Rainer Elsing, Sprecher der Bürgerinitiative, „die übliche Hinhaltetaktik der Annington”.

Das Unternehmen und die Stadt weisen die Vorwürfe von sich. So sagt Philipp Schmitz-Waters, Pressesprecher der Annington, dass man drei Wohnungen angeboten habe, davon aber eine nicht barrierefreie. Die beiden anderen im gleichen Hochhaus hätten die Plönes „aus kosmetischen Gründen” abgelehnt. Eine sei zu klein gewesen, bei der anderen hätten die Möbel nicht ins Schlafzimmer gepasst. „Aber wir suchen weiter”, sagt Schmitz-Waters.

Christa Plönes hat da eine andere Erinnerung. Die eine Wohnung sei belegt gewesen - „da kamen wir gar nicht rein” -, in der anderen sei ebenfalls Schimmel gewesen. Auch das Wohnungsamt habe der Familie „etwa sieben oder acht” Wohnungen angeboten, „drei in diesem Jahr und alle geeignet”, wie Rita Klösges vom Presseamt betont. Auch hier schüttelt Christa Plönes den Kopf. Eine sei es 2012 gewesen, aber da habe sie mit ihrem Elektrorollstuhl den Zugang zum Haus nicht bewältigen können.

Und die Reparatur? „Den ersten Rohrbruch haben wir behoben, beim zweiten suchen wir noch die schadhafte Stelle”, sagt der Annington-Sprecher. „Das sind 14 Stockwerke mit 83 Wohnungen, da müssen wir alle Versorgungsschächte überprüfen. Das kann bis Ende Mai dauern.” Mit dem zweiten Rohrbruch ist der Wasserschaden im Dezember gemeint.

Demnach prüft die Annington seit vier Monaten unter anderem Leitungen im 14. Stock, um einen Wasserschaden in der 1. Etage zu beheben? „Das ist doch unglaublich, völlig daneben”, kommentiert Professor Elsing die Erklärungen des Unternehmens, das den Eheleuten jetzt die Hälfte der Miete zurückerstattet hat. Die Familie hat das Geld zurückgeschickt, sie müsste es eh an die Behörden weiterleiten. Außerdem: „Was hilft uns Geld?”, fragt Christa Plönes. „Wir brauchen eine Wohnung.”
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