Chorbiennale: Musikalische Mittagspause zum Nulltarif

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
Chorgesang zu einer ungewöhnl
Chorgesang zu einer ungewöhnlichen Tageszeit bei der Internationalen Chorbiennale: Mehr als 500 Zuhörer lauschten gestern Mittag beim ersten Lunchkonzert den Klängen des Collegium Vocale in St. Paul. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Praxis verlassen, in die Stadt gefahren, das Mobiltelefon ausgestellt und dann einfach abgeschaltet bei Chorgesang in St. Paul: So hat Christa Wipprecht gestern ihre Mittagspause verbracht. Gerade noch pünktlich kommt sie zum ersten Lunchkonzert der Internationalen Chorbiennale 2011 mit dem Collegium Vocale zu Franziskanern an.

Seit gestern präsentiert sich täglich um 12.30 Uhr einer der vier internationalen Gastchöre der Chorbiennale 2011 (siehe Zusatzbox). „Ich habe es mir so eingerichtet, dass ich kommen kann”, sagt Wipprecht sichtlich abgehetzt. „Ich habe bis jetzt fast alles von der Chorbiennale miterlebt.” Und auch die gute halbe Stunde Musik am Mittag will sie nicht verpassen. „Da kann man entspannen von der lauten Welt”, sagt sie. „Wenn man sich darauf einlässt, ist das eine Bereicherung für den Tag.”

Ihre Sonnenbrille in der einen Hand haltend steht sie in ihrem luftigen Sommerrock am seitlichen Eingang und fächert sich mit der anderen Hand Luft zu. Dort steht auch Ansgar Menze, künstlerischer Produktionsleiter der Chorbiennale, und staunt über den Besucherstrom, der auch dieses Jahr nicht abreißen will. Mehr als 500 Menschen strömen in die Kirche. Menze erinnert sich an das erste Lunchkonzert vor zwei Jahren: „Brechend voll war es und so haben wir den Ort wieder gewählt.”

Die 475 offiziellen Sitzplätze sind schnell belegt, ein Ehepaar rückt eine Kirchenbank, die in der hintersten Ecke steht, in den Raum, und nimmt Platz. Die Zuhörer, die später eintrudeln, stehen wie Christa Wipprecht oder sie setzen sich hinten im Kirchenschiff auf den Boden.

„Sie können jetzt einfach anfangen”, sagt Menze seinem Assistenzen um kurz nach halb ein. Dann gruppieren sich die 15 Sängerinnen und 13 Sänger des Collegium Vocale vorne am Altar der Kirche und es wird still. Leiterin Ulrike Grosch stimmt das Konzert an: Zwei Stücke von Claude Le Jeune, „Three Shakespeare Songs” von Vaughan Williams und zwei Stücke von Benjamin Britten stehen auf dem Programm am Mittag.

Christa Wipprecht, vierfache Mutter, genießt die klaren Stimmen der Sängerinnen und Sänger aus der Schweiz. Die meisten von ihnen studieren an verschiedenen Musikhochschulen des Landes. Wipprecht singt selbst in einem Chor in Aachen.

25 Grad warm im Kirchenschiff

So richtig entspannen kann sie trotz der tollen Klänge jedoch nicht. Immer wieder fächert sich Wipprecht Luft zu und verlässt - während das Publikum applaudiert - das Kirchenschiff. Das Thermometer zeigt selbst im Inneren noch 25 Grad Celsius an. „Das nächste Mal muss ich früher kommen, damit ich einen Sitzplatz bekomme”, sagt sie. Im Vorraum ist es kühler, Wipprecht schnappt kurz Luft und geht zurück ins Kirchenschiff. Wenn Chorbiennale in Aachen ist, wissen ihre Kinder: „Die Mama ist jetzt eine Woche lang weg”, erzählt sie und lacht. In der Kirche lässt Wipprecht nocheinmal den Raum, den Klang, die Texte und die Künstler auf sich wirken.

Dann schaut sie auf ihre Armbanduhr. „Ein Uhr, ich muss weg”, sagt sie und fährt zurück in die Praxis. Am Abend wird sie im Krönungssaal sitzen: Dort präsentieren sich die besten Chöre der Städteregion auf der Biennale. Heute, morgen und am Donnerstag um 12.30 Uhr

Heute Mittag folgt das zweite Lunchkonzert: Der Kammerchor Grex Vocalis aus Oslo tritt im Krönungssaal auf, Leitung Carl Høgset.

Am Mittwoch lädt Allmänna Sången unter Leitung von Maria Goundorina ins Ludwig Forum zur Mittagspause ein. 1830 als ältester Universitätschor Skandinaviens gegründet und nur Männern vorbehalten, singt der Chor aus Uppsala seit 1965 in gemischter Besetzung.

Am Donnerstag können Sie Ihre Mittagspause mit dem Rochester Cathedral Choir, unter Leitung von Scott Farrell, in St. Foillan verbringen. Der Chor aus England besteht aus einem Knabenchor und neun Herren, die vom Altus bis zum Bass die restlichen drei Chorstimmen singen. Der Eintritt zu allen Lunchkonzerten ist frei.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert